Aber was ist in diesen Tagen schon normal? Und so sind die 13-jährige July und ihre vier Jahre ältere Schwester Lilly schon eine ganze Weile auf den Beinen. Sie helfen, indem sie nähen und bügeln. Mit Gabriele Wenzel stellen sie seit Freitag Mundschutze her. "Aus der Sozialstation der Caritas in Marzahn kam im Neuenhagener Rathaus bei Jutta Skotnicki ein Hilferuf an", sagt Gabriele Wenzel. Beim Pflegedienst seien die Mundschutze ausgegangen. Ob sie nicht jemanden kennen würde, der welche nähen könne, zum Schutz der Pflegekräfte.
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"Ich bin gelernte Schneiderin", sagt Gabriele Wenzel, die schon seit mehr als 20 Jahren in der Gemeindeverwaltung arbeitet. Und so lag es nahe, dass Jutta Skotnicki sich zuerst an sie gewandt habe. Noch dazu, da allseits bekannt ist, dass sie seit Jahren die Kostüme für die tanzenden Mitglieder des Neuenhagener Kinder- und Jugendtanzensembles näht und den gesamten Fundus betreut.
Schnell hat sich die aktuelle Hilfsaktion im Rathaus herumgesprochen und manch ein Stück Stoff wurde spontan von den Kollegen bei Gabriele Wenzel abgegeben. Am Wochenende wurden so 80 Mundschutze genäht und gleich am Montag an die Caritas­station übergeben. Mitgeholfen hat dabei ebenfalls Ute Doss vom Tanzensemble, die dort am Einlasstresen sitzt. Auch nach dem Wochenende wird weiter genäht, und zwar nicht nur für die Pflegestation. "Es hat sich offensichtlich sowohl im Rathaus als auch im Tanzensemble herumgesprochen, dass wir solche Dinge nähen. Da kamen prompt etliche Anfragen von Kollegen, Freunden und Bekannten, die diese Hilfsmittel vor allem für ihre Eltern und Freunde haben möchten", sagt Gabriele Wenzel.
So sind es gegenwärtig eben keine glitzernden Kostüme, sondern 17 mal 34 Zentimeter große Vierecke aus Baumwollstoff, die in Falten gelegt, festgenäht und mit Bändern versehen werden. Und genau dabei helfen July und Lilly sachkundig mit. Aber natürlich erst, nachdem sie ihre per Hausaufgabenportal-App ins Haus gelieferten Aufgaben von der FAWZ-Oberschule beziehungsweise der WBS Berlin, wo Lilly im letzten Semester in der Ausbildung zur Sozialassistentin ist, erledigt haben. "Wir waren gerade in der Klausurphase, als die Schule der Corona-Krise wegen geschlossen wurde", sagt Lilly und liefert nun ihre Arbeiten über den E-Mail-Account an die Schule. "Aber Schule ist trotzdem viel besser als das alles jetzt", stellt auch July fest.

Getanzt wird jetzt digital

Die beiden jungen Mädchen sind zudem aktive Mitglieder des Neuenhagener Kinder- und Jugendtanzensembles. "Wir hätten eigentlich normalerweise zweimal in der Woche Training", sagen sie. Jetzt warten auch in dieser Hinsicht Online-Trainingsstunden auf sie. Denn nun leitet die Ensemblechefin Simone Meuche die Übungsstunden über den digitalen Weg direkt ins Haus. In den Raum, wo an einer Wand eine Trainingsstange angebracht ist und nun die Nähmaschine emsig rattert.