Bürgerhaus und Freibad wurden in diesem Jahr erheblich subventioniert, berichtet Neuenhagens Bürgermeister auf der jüngsten Versammlung der Gemeindevertreter am 3. September im Bürgerhaus. Beim Bürgerhaus spare die Gemeinde im Corona-Jahr nichts ein. Die Einnahmen deckten nicht die Ausgaben für ein geöffnetes Haus. Während das Freibad weiter Firmen bei der Wasseraufbereitung und Security beschäftige, konnte die dortige Gastronomie statt Mai erst zum Juni öffnen und hatte erhebliche Einbußen. Die Pacht für den Imbiss wurde für die Zeit der Freibadnutzung ausgesetzt, teilte Scharnke mit.
Doch bleiben wie bei vielen kleineren Läden das Verlustgeschäft für eine verspätete Öffnung und einschränkende Zugangsregelungen – obwohl Neuenhagens Kämmerin Anja Hauche bereits von erfreulichen Entwicklungen der Gewerbesteuereinnahmen berichtete und coronabedingte Einbrüche demnach nicht in dem Maße eintraten, wie ursprünglich befürchtet. „Das lag jedoch hauptsächlich an im Ort ansässigen Großunternehmen, deren Tätigkeit von der Krise kaum betroffen war“, äußerte sich Faina Dombrowski (B90/Grüne) als sachkundige Einwohnerin.

Leid der kleinen Geschäfte

In Neuenhagen gestalte sich unübersehbar dramatisch bei kleinen Unternehmen, die das Ortsbild prägen, in den vergangenen Monaten die Lage: Von Friseur und Kosmetik über Fitnessstudios, Tanz- und Musikschulen, Restaurants bis hin zum kleinen Einzelhandel – ihnen allen steckten die Schließungen im Frühjahr und aktuelle Einschränkungen noch in den Knochen, erläutert Dombrowski: „Diejenigen, die den ersten Lockdown gerade noch so überlebt haben, überstehen eine zweite Welle nicht – sagen sie in persönlichen Gesprächen.“
Vor diesem Hintergrund hatte sie sich bereits im Mai in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses für eine Stärkung der Unternehmen eingesetzt. „Gerade die kleinen Gewerbetreibenden leisten einen großen Beitrag zur Attraktivität des Ortes, der kulturellen Infrastruktur und der Vielfalt. Sie machen Neuenhagen lebens- und liebenswert.“

Verweis auf Förderprogramme

In dieser schweren Lage dürften die Einzelhändler nicht mit ihren Problemen der Aufrechterhaltung ihrer Wirtschaft im Stich gelassen werden, mahnt Dombrowski. Soll die Gartenstadt so bleiben, wie sie ist, reiche es nicht aus, auf die Förderprogramme des Bundes und der Länder zu verweisen oder Stundungen anzubieten, die den Schuldenaufbau förderten. „Neuenhagen kann mehr!“
Die Wirtschaftsförderung und der Bürgermeister stehen in ständigem Austausch mit den Gewerbetreibenden, dem Gewerbeverband Neuenhagen-Hoppegarten, den Kammern für Industrie, Handel und Handwerk sowie der Wirtschaftsförderung Brandenburg, hieß es seitens des Bürgermeisters. Man hätte frühzeitig auf Hilfsangebote des Landes und des Bundes für Unternehmen hingewiesen. Von der Möglichkeit der gemeindlichen Schuldner, Stundung und Ratenzahlung im vereinfachten Verfahren zu beantragen, wurde wohl nur vereinzelt Gebrauch gemacht. Abgesehen von stark betroffenen Branchen im Gastronomie- und Veranstaltungsbereich seien keine schwer wiegenden wirtschaftlichen Einbrüche erkennbar, die genauen Auswirkungen könnten erst im nächsten Jahr beurteilt werden.

Mehr Ideen aus der Verwaltung

Doch dann ist es für Viele schon zu spät. Dombrowskis Fraktionskollege Anton Wulke kündigte an, weiterhin für die Unterstützung der Gewerbetreibenden zu kämpfen, und fordert „endlich Ideen aus der Verwaltung“. Monate zuvor schlug er schon mehr Initiative der Gemeinde und das Einschalten der Wirtschaftsförderung vor. Seine aktuelle Anfrage zu Anstrengungen der Gemeinde, die Verluste coronagebeutelter Kleinbetriebe und Einzelhändler so gering wie möglich zu halten, wurde abermals enttäuscht: Über gestundete Mieten und die Entlastungen durch die reduzierte Mehrwertsteuer hinaus könne den Gewerbetreibenden nicht geholfen werden, antwortete der Bürgermeister.
Alle angesprochenen Maßnahmen wurden von Bund und Ländern initiiert, stellt Wulke klar: „Dem Bürgermeister ist nicht bekannt, wie die wirtschaftliche Lage der Gewerbetreibenden tatsächlich aussieht, er gibt aber an, mit ihnen im Gespräch zu sein. Gleichzeitig war er allerdings selbst seit Februar auf keiner Sitzung des Gewerbeverbands. Hier wird verkannt, welche Bedeutung unsere Unternehmen im Ort und welche Verantwortung wir ihnen gegenüber haben.“