Digitales
: Am Bienenstock mit dem Smartphone

Der Altlandsberger Marcel Gläser lässt die Insekten fliegen und kann mit seiner App überall zu jeder Zeit über sie Auskunft geben.
Von
Gabriele Rataj
Altlandsberg
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Mit Smartphone und Laptop: So sieht modernes Bienenmanagement a la Marcel Gläser aus. Der junge Altlandsberger erläutert Thomas Kralinski seine Software.

MOZ/Gabriele Rataj

Jetzt geht das mit den Bienen und der digitalen Verwaltungsschiene für alle erforderlichen Tätigkeiten dazu schon ins zehnte Jahr. Dass ein junger Altlandsberger – ursprünglich gelernter Mediengestalter, der sich autodidaktisch zum Programmierer ausgebildet hat und der Imkerei verfallen ist — jetzt noch unter Startup laufen könnte, ist angesichts der vergangenen Jahre eher fraglich. Von der Idee, Beruf und Hobby nutzbringend für andere zu verbinden, bis zu dem Punkt, davon auch leben zu können, ist es ein langer Weg.

Wer wüsste das besser als Marcel Gläser. Gut neun Jahre ist es her, dass er diesen mühsamen Pfad beschritten hat. Selbst naturinteressiert und naturverbunden, wendete er sich der Bienenhaltung zu, als Urban Gardening und Hofgärten–Imkerei in Berlin noch in den Kinderschuhen steckten. Das nötige Wissen holte er sich aus Büchern und setzte es in die Praxis um.

Digitales Tagebuch

Gleichzeitig tüftelte er an der Software für eine Bienen App, die all das, was er mit seinen Bienenvölkern das Jahr über trieb, festhält: jedes Detail, jede Zahl, jeden Zeitpunkt, jede Menge, jede Beobachtung — all das, was ein traditioneller Imker mit Stift auf Papier in seinem Bienentagebuch sonst festhält. Jederzeit überall abrufbar. Smartphone und Laptop sind auch im Garten, bei den Bienenstöcken, stets dabei.

Speckgürtel

Alles Wichtige aus dem Berliner Speckgürtel.

Moderne Kommunikation, wie sie gerade unter Jung– und Neuimkern heutzutage gefragt ist. Und von denen gibt es immer mehr. Seit 2006 ist die Anzahl von Imkern in Deutschland stetig gestiegen, ist einer Grafik auf der Webseite des Deutschen Imkerbundes zu entnehmen. Um die 130 000 sind es 2018 demzufolge — potenzielle Kundschaft.

Das digitale Bienentagebuch erleichtert nicht nur die Übersicht. „iBeekeeper“, wie Marcel Gläsers App heißt, spart Zeit, erleichtert Vergleiche, ermöglicht einen schnellen Austausch mit anderen Bienenhaltern. In 72 Ländern hat der 32–Jährige inzwischen Kunden, arbeitet mit einem Übersetzungsbüro zusammen, das seine Textdateien auch ins Englische, Französische und Spanische überträgt.

So wie die Software auch ganz individuellen Bedürfnissen der nutzenden Imker angepasst werden kann, erläuterte der junge Mann kürzlich einem sehr interessierten Besucher: Thomas Kralinski, dem Brandenburger Bevollmächtigten für Medien und Internationale Beziehungen beim Bund. Da trafen zwei mit ähnlichen Leidenschaften aufeinander, IT und Bienen. Denn auch Kralinski schwärmt für das fleißige Insekt, liebt Honig und hat dafür gesorgt, dass auf dem Dach der Landesvertretung in Berlin zwei Bienenvölker ausschwärmen.

Er bescheinigte Marcel Gläser eine tolle Leistung als Existenzgründer –  quasi aus dem Wohnzimmer heraus, wo der Altlandsberger permanent an seiner Software arbeitet. Laufen kommen neue Funktionen hinzu, auch das Interesse der Kunden wächst stetig, doch auch die Konkurrenz. „Aber auf mobilen Geräten war ich der Erste“, berichtete Gläser dem Medienbeauftragten nicht ohne Stolz. Leben aber, gesteht er, danach befragt, könne er davon noch längst nicht. Die Arbeit indes würde durchaus für mehrere reichen, nur das Geld nicht.

Am Ende tauschten die beiden Honig. Ein großes Glas mit goldenem Inhalt, das die fünf Völker auf dem Altlandsberger Grundstück produziert haben, nahm der Landesbeauftragte mit. Ein kleines Gläschen, dessen Etikett Biene und roter Adler zieren, bekam Marcel Gläser und vielleicht ein Stück neue Hoffnung, denn Kralinski möchte unterstützen.