Erziehung: Lösung für Problemkita scheint näher als erwartet

Für die Hennickendorfer "Krisenkita" scheint eine Lösung nah - damit auch für die Kinder, die sonst keine Betreuung bekommen können.
Rainer Jensen/dpaMehrmals hatte die idyllisch auf einem Hügel im Park oberhalb des Stienitzsees gelegene kleine Kindereinrichtung in jüngster Zeit für Schlagzeilen gesorgt. Anfang 2018 war die einst von Tagesmüttern gegründete Kita urplötzlich geschlossen worden, und vor einigen Wochen standen Eltern abermals vor verschlossenen Türen. Nach internen Querelen.
Zudem hatten Einrichtungsleiterin und Eltern Verdacht auf Kindeswohlgefährdungen angezeigt. Wie die MOZ vom Potsdamer Bildungsministerium erfuhr, hat es eine Vor–Ort–Prüfung gegeben. Man befinde sich „in der Prüfung des umfangreichen Sachverhalts“ und habe die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) informiert, da die Vorwürfe strafrechtlich relevant sein könnten, hieß es.
Die Gemeinde hatte in der Folge das Gespräch mit der Trägerin gesucht und letztlich Einigung erzielt, dass ein Trägerwechsel herbeigeführt werden sollte. Man wollte umgehend einen Fahrplan erarbeiten und die neu gewählte Gemeindevertretung über einen neuen Partner befinden lassen.
Nun geht alles noch schneller. Die bisherige Trägerin hat sich mit der gemeinnützigen Parkeulen Unternehmergesellschaft (gUG) verständigt, die ohnehin im Kontakt mit der Gemeinde ist, weil sie in Rüdersdorf eine neue kleine Kita aufbauen will. Es sei ein direkter Übergang zu dieser gUG möglich, informierte Fachbereichsleiter Philipp Thieme.
Eine Vorlage von sieben Gemeindevertretern aus unterschiedlichen Fraktionen, mit der zunächst Sicherheit für die Eltern geschaffen und die Kita in gemeindliche Trägerschaft zurückgeführt werden sollte, wurde durch die Entwicklung überholt.
Die potenzielle neue Leiterin Michaela Wegner hält den 1. Juli für einen realistischen Termin. Sie habe allerdings noch keine Gespräche etwa mit dem derzeitigen Personal geführt. Bürgermeister André Schaller wollte zügig die nötigen Papiere aufsetzen lassen. Die Chefin in spe machte zudem deutlich, dass sie auch an der geplanten kleinen Kita in Rüdersdorf festhalte. „Wir wollen beide Projekte verwirklichen und trauen uns das auch zu“, sagte sie. Da man bereits einen „Erzieherpool“ habe, der auf die neue Einrichtung in Rüdersdorf warte, sah sie auch kein Problem, auf die Schnelle eventuell noch nötiges Personal für den Sonnenhof zu finden.
Kritik an dem Vorhaben kam von den Linken. Volker Müller meldete Zweifel an, ob die Zusammenarbeit mit kleineren Trägern funktioniere. „Die Kita gehört in Gemeindehand. Dann entstehen solche Querelen nicht“, vermutet er. Schaller hingegen brach eine Lanze für die freien Träger. Dadurch seien gerade unterschiedlichste Konzepte möglich. Er verwies zudem darauf, dass Trägervielfalt im Gesetz verankert sei. Mit deutlicher 18:6–Mehrheit bei einer Enthaltung votierte die Gemeindevertretung denn auch für den Übergang in die Trägerschaft der Parkeulen gUG. Dieser sollte „schnellstmöglich“ passieren, hieß es. Am Donnerstagnachmittag war eine erste Gesprächsrunde im Rathaus angesetzt.
Neben der Übernahme wollen die Parkeulen in Rüdersdorf eine Einrichtung mit 32 Plätzen schaffen. Zudem soll die Independent Living Stiftung Schöneiche in Hennickendorf eine Kita mit 78 Plätzen errichten. Das wurde mit einem weiteren Beschluss verankert. Damit soll dem wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen Rechnung getragen werden. Aus derzeitiger Sicht könnten im Sommer im schlimmsten Fall 55 Kinder unversorgt dastehen, hatte Schaller auf Anfrage erklärt. Bis die beiden neuen Kitas stehen, müsse eine Übergangslösung geschaffen werden.