Flugzeugabsturz: Bruchpiloten kannten den Flugplatz Müncheberg
Am frühen Sonntagnachmittag war ein Ultraleichtflugzeug beim Landeanflug offenbar zu tief unterwegs, deshalb in den Tower geflogen und gegen das Gebäude geprallt. Am Steuer saß nach Polizeiangaben ein 68–jähriger Pilot, mit in der Maschine ein 46–Jähriger. Nach MOZ–Informationen handelte es sich dabei um Vater und Sohn. Die Verletzungen seien nach neuesten Erkenntnissen nicht lebensbedrohlich gewesen, hieß es von Polizeiseite. Die beiden waren am Sonntag zunächst per Hubschrauber in nahe Krankenhäuser geflogen worden. Die beiden Flugzeuginsassen sollten dem Vernehmen nach vielleicht noch am Montag das Krankenhaus wieder verlassen können.
Nach Brändels Angaben handelte es sich um platzansässige Flieger und auch keine Anfänger. Er hatte zwar Vermutungen zur Ursache, wollte sich dazu aber nicht äußern. Das sei Sache der untersuchenden Behörde. Zunächst wurde die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung eingeschaltet. Dort hieß es am Montag, man werde keine Ermittlungen aufnehmen. Die gebe es bei Ultraleichtflugzeugen nur nach Todesfällen. Man habe die Sache an den Deutschen Ultraleichtflugverband weitergegeben.
Dort wiederum hieß es, man stelle keine eigenen Ermittlungen an, sondern kümmere sich um die Verkehrszulassungen der Maschinen und Versicherungsfragen. Angaben zur Ursache ließen sich unter Umständen aus einer „Störungsmeldung“ ablesen, die der Halter abgeben müsse. Darin werde der Hergang des Unfalls beschrieben. Die Meldung lag aber noch nicht vor. Man kannte den Fall aber aus den Nachrichten.
Der Schaden an dem erst 2013 in Betrieb gegangenen Tower mit angeschlossenem Betriebsgebäude hält sich nach Aussagen der Geschäftsführung in Grenzen. „Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt“, kommentierte Brändel. Der Turm war zum Zeitpunkt des Unfalls mit einer Person besetzt gewesen, die unverletzt blieb.
Das Flugzeugwrack hatten Einsatzkräfte der Feuerwehren Müncheberg, Eggersdorf, Hoppegarten und Hermersdorf mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks (THW) geborgen. Die Feuerwehrleute mussten auf Grund einer hohen Konzentration von Kraftstoffgasen in der Luft unter Atemschutz vorgehen. Zwischenzeitlich mussten Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes tätig werden, vermeldete die Polizei. Denn UL–Flugzeuge haben eine Rettungseinheit mit Sprengpatrone, die einen Fallschirm auslöst, an dem das Flugzeug bei Problemen herabschweben kann. Außerdem musste die Batterie des Flugzeuges entfernt werden. Nach etwa fünf Stunden konnten die Feuerwehren die Einsatzstelle an die Flugplatzgesellschaft und das THW übergeben.
Den Flugplatz Eggersdorf gibt es seit 1936. Der Militärflugplatz wurde nach dem Krieg von der sowjetischen Armee genutzt, ab 1952 von der Gesellschaft für Sport und Technik für Segelflug und Fallschirmsprung und ab 1961 von der NVA. Sie hatte dort später sogar Düsenjäger stationiert.
2020 schon Tote in Strausberg
Nach der Wende ging Eggersdorf in zivile Nutzung. 1990 wurde der Segelfliegerclub gegründet, wenig später kamen Ultraleicht– und Motorflug dazu. 1993 kam die Zulassung als Verkehrslandeplatz und seit Anfang 2020 ist es ein Sonderlandeplatz. Zwischenzeitlich war die Landebahn auf 1200 Meter verkürzt worden. Starten und landen können Motorflugzeuge, Hubschrauber, Segelflieger, Motorsegler, Ultraleichtflieger, Heißluftballone, Luftschiffe und Modellflugzeuge. Laut Brändel sind derzeit rund 60 Maschinen auf dem Platz beheimatet. Es gibt eine große Flugzeughalle mit einem luftfahrttechnischen Betrieb und weitere Unterstellhallen. Eggersdorf hat keine festen Öffnungszeiten. Anflüge erfolgen im Normalfall nur nach Anmeldung und auf Sicht.
In der Region hatte es in diesem Jahr bereits einen Flugunfall gegeben. Im Januar war in Strausberg ein UL–Flugzeug abgestürzt und völlig ausgebrannt. Zwei Menschen starben. In Eggersdorf waren 2008 der erfahrene Pilot Rolf Bausewein und ein Berliner bei einem Absturz ums Leben gekommen.


