Frost in Brandenburg: Wein und Erdbeeren erfrieren ‒ Tipps gegen Frostschaden bei Obst

Minusgrade in den letzten Nächten haben dem Wein besonders zugesetzt. Zahlreiche Triebe an den Reben sind erfroren. Bedeutet das ein Total-Ausfall oder noch Hoffnung auf eine Ernte? Was Hobbygärtner jetzt wissen müssen.
Bettina WinklerDie frostigen Nachttemperaturen haben beim heimischen Obst große Schäden angerichtet. Nicht nur Obstbauern und Winzer bangen um ihre Ernte. Auch Hobbygärtner machen sich Sorgen. Das Problem: Warmes Wetter Anfang April ‒ alles ist drei Wochen früher als sonst ausgetrieben. Gibt es dann Nächte mit mehreren Stunden Frost, wie zum Beispiel in Müncheberg minus 3 Grad, ist das Risiko von Schäden groß.
Besonders betroffen sind Wein, Erdbeeren, Walnüsse, Apfel- und Pfirsichbäume. Sogar Gemüsepflanzen im Gewächshaus wie Chili oder Tomate können erfrieren. Erfahren Sie, welche Ratschläge Experten für Hobbygärtner haben.
Obstblüten in Müncheberg: Einige Sorten trotzen Kälte
„Nicht alle Apfelblüten sind erfroren“, gibt Tobias Hahn Entwarnung. Der technische Leiter der Obstbau-Versuchsstation in Müncheberg ist gerade auf der Plantage mit über 500 alten Apfelsorten unterwegs, um Frostschäden zu sichten. Dabei liege der Fokus darauf, welche Sorten besonders kälteresistent seien. Frostschutzberegnung und kleine Holzfeuer, die auch im Hobbygarten möglich wären, hätten das Schlimmste verhindert.

Erdbeeren reagieren empfindlich auf Kälte. Das schwarze Herz inmitten der Blüte ist ein deutlicher Hinweis auf Frostschaden.
Bettina WinklerDie besonders empfindlichen Erdbeeren können bei Minusgraden zum Beispiel mit Vlies abgedeckt werden. Eine erfrorene Erdbeer-Blüte ‒ innen schwarz‒ sei nicht mehr zu retten. Diese werden relativ schnell von der Pflanze abgestoßen.
Geduld und Pflege: Umgang mit Frostschäden
Wer möchte, kann die erfrorenen aber abschneiden. Um so schneller wachsen neue Blüten nach. Auch wenn der Weinstock trocken und schwarz aussieht, sei Geduld nötig. „Auf keinen Fall darf erfrorener Wein geschnitten werden. Es besteht Gefahr, Beiaugen, die erneut austreiben, zu verletzen“, sagt der Experte. Die betroffenen Stöcke werden aber dieses Jahr kaum Ertrag bringen.
Viele Hobbygärtner haben sogar im Gewächshaus Verluste an Gemüsepflanzen wie Chili oder Tomate. „Man sollte erst einmal abwarten, ob die Zöglinge erfroren sind“, rät Gärtner Arne Ihm aus Steinhöfel. Oft würden die Pflanzen, die durch die Kälte schlapp herumhängen, sich wieder erholen. Seien noch gesunde Blattachseln vorhanden, könne ein Rückschnitt helfen.

Frostschaden: Ist die Chili-Pflanze noch zu retten. Ein Rückschnitt könnte helfen.
Bettina WinklerAuch Nuss-Bäume hat der Frost stark geschädigt. „Es wird wohl in diesem Jahr keine heimischen Walnüsse geben. Für einen Neuaustrieb braucht der Baum seine ganze Kraft“, sagt Arne Ihm. Bei Äpfeln ist er optimistisch.
Viele frühe Sorten seien schon vor dem Frost mit der Blüte durch gewesen. Ob die Frostperiode im April schon die vorgezogenen Eisheiligen 2024 waren? Man wünscht es sich, aber so richtig Entwarnung können die Meteorologen noch nicht geben.
Wann die Eisheiligen sind
Los geht es am 11. Mai mit dem heiligen Mamertus, der eher im Norden Deutschlands verbreitet ist, und am 15. Mai enden die Eisheiligen mit dem Namenstag der heiligen Sophia von Rom.
So regelmäßig und pünktlich wie früher kommen die Eisheiligen nicht mehr. Laut Deutschem Wetterdienst sorgt aber alle paar Jahre dann doch wieder arktische Kaltluft für einen richtigen Temperatursturz. Fröste im Mai waren in den vergangenen Jahren immer seltener. Übrigens, die Eisheiligen sind nicht zu verwechseln mit der Schafskälte, die meist im Zeitraum zwischen 10. und 12. Juni ist.

