Frühchen in Strausberg: Hirninfarkt und Herzfehler nach Frühgeburt – Baby Mica soll leben

Baby Mica aus Strausberg: Schlauch und Herzmonitor sind die ständigen Begleiter des Jungen. Weil er den Nuckel nicht allein im Mund behalten kann, fungiert der Kuscheltier-Pinguin als Stütze.
Claudia BraunVor wenigen Tagen hat Mica zum ersten Mal gelächelt. Für seine Eltern Tina und Daniel Kuzia ist das die beste Nachricht überhaupt – und keine Selbstverständlichkeit. „Eigentlich sollte Mica am zweiten Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember 2023, zur Welt kommen“, sagt seine Mutter. Doch bereits am 27. Oktober musste der Junge mit gerade einmal 1570 Gramm per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden. „Er hat nicht einmal geschrien“, so Tina Kuzia.
Was war passiert? „Ich hatte eine Schwangerschaftsvergiftung und bin der Feindiagnostikerin dankbar, dass sie das richtig eingeschätzt hat“, berichtet die 34-Jährige, die mit Ehemann Daniel einen 14-jährigen Sohn und eine siebenjährige Tochter hat. Nachdem fest gestanden hatte, dass das Baby im Mutterleib nicht ausreichend versorgt wird, folgte eine Odyssee durch drei Krankenhäuser, bevor Mica in der 31. Schwangerschaftswoche geholt wurde. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das geschafft habe“, wundert sich die dreifache Mama.
Hirninfarkt, Herzfehler und Gendefekt
Mica erlitt einen Hirninfarkt, wurde mit einem Herzfehler und einem Gendefekt geboren. Sein ständiger Begleiter ist ein Herzmonitor, der seine Werte anzeigt. Per Sensor ist dieser an sein Füßchen befestigt. „Bis er hoffentlich operiert werden kann“, wie Vater Daniel Kuzia sagt. Ebenso wie seine Frau denkt auch er meist Lösungen, statt an der Situation zu verzweifeln. Ernährt wird Mica über eine Magensonde. „Möglichst alle vier Stunden, denn er kann noch nicht viel bei sich behalten“, so Tina Kuzia, die dafür ihre Muttermilch abpumpt.

„Mica ist ein absolutes Wunschkind“: Die Eltern Daniel und Tina Kuzia möchten ihr Kind so gut es geht fördern. Die zehn Wochen nach seiner Geburt verbrachte der Junge im Krankenhaus.
Claudia BraunEs vergeht kaum ein Tag, an dem die Eltern keinen Termin mit Mica haben: Arzt- und Kontrollbesuche, Physiotherapie und Logopädie. „Es ist wichtig, ihn zu fördern“, sind sie überzeugt. Nach der Geburt hätten ihnen Ärzte und Psychologen erklärt, dass ihr Kind von einer bleibenden Bewegungsstörung betroffen sein, aber auch zeitlebens schwerste Behinderungen aufweisen könne. Für die Kuzias das Signal, das bestmögliche zu erreichen. Kürzlich stellten sie fest, dass Baby Mica schielt. „Dann kann er später besser abschreiben“, scherzt seine Mutter und krault ihrem zarten Kind das Bäuchlein.

Ab seinem fünften Lebensmonat soll Mica nach Möglichkeit eine Neuroaktive Reflextherapie für Kinder mit frühkindlichen Hirnschäden machen. Die Spezialeinrichtung dafür ist in Bremen.
Claudia BraunErhöhtes Risiko für Venenthrombosen
An diesem sonnigen Märzvormittag sind die drei bei Oma Kerstin in Berlin zu Besuch. Die Mutter von Daniel Kuzia muss immer wieder die Tränen zurückhalten, wenn es um die gesundheitlichen Beeinträchtigungen ihres Enkels geht. Gerade erklärt ihr Sohn die vererbte Gerinnungsstörung, mit der Mica geboren wurde: „Bei diesem Gendefekt besteht ein erhöhtes Risiko für Venenthrombosen, was für Operationen natürlich nicht gut ist“, schlussfolgert er. „Ich wünschte, ich könnte einfach mehr tun“, sagt Micas Großmutter, die meist auf den Rollstuhl angewiesen ist und deshalb nicht mal schnell in die S-Bahn springen kann, um ihre Enkel zu besuchen. „Auch die Geschwister dürfen jetzt nicht zu kurz kommen“, ist ihr wichtig.
Oma startete Spendenaufruf im Internet
Oma Kerstin hat deshalb online einen Spendenaufruf gestartet – für extra Physiotherapiestunden, um die erhöhten Tankrechnungen zu Spezialisten zu stemmen und um Mica jede erdenkliche, zusätzliche Leistung finanzieren zu können. Gern möchte die Familie ihrem Baby eine Neuroaktive Reflextherapie (NART) in einem Zentrum in Bremen ermöglichen, die von seinen Ärzten empfohlen wurde. Wie Nadine Roelecke, Geschäftsführerin des Therapiezentrums für Kinder und Erwachsene, auf Nachfrage mitteilt, kann sich die Familie bei Stiftungen bewerben, die die Kosten für die Therapie bei frühkindlichen Hirnschäden übernehmen würden. Auch der Aufenthalt in Bremen ließe sich so bezahlen.
Zu fünft in einer 69-Quadratmeter-Wohnung
Eine gute Nachricht für die Strausberger Familie, trotz ihres Optimismus‘ mit vielen Fragen in die Zukunft schaut. Nach Micas Geburt wollte das Paar, das im März seinen 13. Jahrestag feierte, eigentlich die traditionellen Rollen tauschen. Koch Daniel Kuzia, der sich mit Knieproblemen aufgrund eines Autounfalls herumschlägt, wollte für den Neugeborenen in die Rolle des Hausmanns schlüpfen und Versicherungsfachfrau Tina Kuzia beruflich durchstarten. Doch derzeit fordere Micas Betreuung ihre gesamte Kraft. „Wenn Daniel in die Reha muss – keine Ahnung, wie das laufen soll“, meint die Mutter. Auch die Wohnungssuche ist erst einmal hinten angestellt. Derzeit leben sie zu fünft in einer 69-Quadratmeter großen Wohnung der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft.
Vorerst wird kurzfristig geplant: In den Osterferien besuchen Micas Geschwister die Oma in Berlin. Der Vater möchte seine Großen endlich mal wieder zu einem Spiel des 1. FC Union mitnehmen, von dem die ganze Familie Fan ist. Alles andere hängt von Micas Terminen ab.
Wer für Baby Mica spenden möchte, findet den Aufruf auf „GoFundMe“.
