Nach Hause zu kommen und zu wissen, es wird niemand da sein, der sich die Schnauze an der Scheibe plattdrückt – dieses Gefühl sei am schwersten zu ertragen. Wenn Cora O‘Connor über ihre geliebte Bordeauxdogge spricht, bricht immer wieder ihre Stimme. Zu frisch ist der Schmerz, zu groß die Vorwürfe, die sich die 25 Jahre alte Frau aus Neuenhagen (Märkisch-Oderland) macht. Ihr Hund durfte nur drei Jahre alt werden. „Pumbaa wurde vergiftet. Es war nicht das erste Mal“, ist sie sich sicher.
Am 3. November, nachdem ihr Hund über Wochen hinweg immer wieder erbrochen habe, zuletzt apathisch gewesen sei, gingen Cora O‘Connor und ihr Partner mit ihm zum Tierarzt. „Das sind sensible Hunde, er hat öfter erbrochen“, begründet die junge Frau, weswegen sie sich zunächst nichts dabei gedacht habe.
Doch als Pumbaa nicht einmal mehr die Schonkost, die sie kocht, bei sich behielt und Durchfall hinzukam, begannen sie und ihr Partner sich ernsthaft Sorgen zu machen. Die Tierärztin operierte den Hund noch am selben Abend in der Tierklinik in Berlin-Kaulsdorf. Doch es war zu spät: Sie musste Pumbaa einschläfern.

Aus der Narkose wachte Pumbaa nicht wieder auf

„Endstadium Nierenversagen in Folge einer Vergiftung“, zitiert Cora O‘Connor die Diagnose der Ärztin. Bestätigen möchte diese das auf Anfrage nicht – es gilt die ärztliche Schweigepflicht. Schon einmal, sagt die Neuenhagenerin, habe dieselbe Tierärztin eine Vergiftung mutmaßlich mit Rattengift bei Pumbaa festgestellt; im Frühsommer sei das gewesen. „Damals hat die Dosis nicht ausgereicht“, so ihre Vermutung.
Nach seinem Tod wurde Pumbaa eingeäschert. Neben der Urne erinnern Pumbaas Lieblingskuscheltier, sein Halsband und das leere Kissen an den Verlust.
Nach seinem Tod wurde Pumbaa eingeäschert. Neben der Urne erinnern Pumbaas Lieblingskuscheltier, sein Halsband und das leere Kissen an den Verlust.
© Foto: Annemarie Diehr
Pumbaa sei kein Hund gewesen, der alles frisst, was ihm vor die Nase kommt. „Er war sehr vorsichtig“, sagt die junge Frau. Musste sie ihm beispielsweise eine Tablette verabreichen, gelang dies nur, wenn diese zwischen mehreren Schichten Schinken verborgen war. „Und selbst dann hat er es fertiggebracht, am Ende nur die Tablette wieder auszuspucken.“

Essensreste mit Rattengift vermischt

Als wäre der tägliche Anblick von Pumbaas „Altar“, wie Cora O‘Connor die ihrem verstorbenen Hund gewidmete Ecke mit Urne, Kuscheltier und Halsband in ihrem Schlafzimmer nennt, nicht schlimm genug, quält die Neuenhagenerin seit ein paar Tagen ein seltsames Vorkommnis. „Gestern Morgen stand ein großer weißer Eimer am Tor vor unserem Grundstück“, berichtet sie Ende November.
Zunächst hätten sie und ihr Partner ihn nicht weiter beachtet, dann aber doch einen Blick hineingewagt. Gekochte Nudeln, Mandarinenschalen und Linsen fanden sie darin, vermischt mit grell-blauen Kügelchen. „Das ist Rattengift“, sagt Cora O‘Connor, die den Eimer samt Inhalt aufbewahrt hat und zum Vergleich Fotos von Rattengift auf ihrem Handy zeigt.
Dieser Eimer stand Ende November vor dem Grundstück der Familie O'Connor in der Niederheidenstraße in Neuenhagen.
Dieser Eimer stand Ende November vor dem Grundstück der Familie O'Connor in der Niederheidenstraße in Neuenhagen.
© Foto: Annemarie Diehr
In dem Eimer befanden sich Essensreste vemischt mit hellblauen Körnern, wahrscheinlich handelt es sich um Rattengift.
In dem Eimer befanden sich Essensreste vemischt mit hellblauen Körnern, wahrscheinlich handelt es sich um Rattengift.
© Foto: Annemarie Diehr
Die 25-Jährige und ihre Mutter, die nach eigener Aussage in der Vergangenheit mehrere Hunde an die Giftanschläge eines Nachbarn verloren hat, verstehen den Eimer als Warnung. „Was sollte er anderes bedeuten als: Holt euch keinen neuen Hund, den trifft dasselbe Schicksal“, sagt Adelheid Harder-O‘Connor. Die Frauen wollen das nicht hinnehmen. Im Gegenteil: „Wir wollen die Sache öffentlich machen, um andere zu warnen und zu verhindern, dass sich der oder die Täter in der Anonymität sicher fühlen.“

Familie sucht nach Zeugen

Zusätzlich zur Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erhoffen sich Cora O‘Connor und ihre Familie Aufklärung durch die Öffentlichkeit. Mithilfe eines Aushangs und Postings in den sozialen Netzwerken suchen sie nach Zeugen, die etwas über den Eimer oder die Tat in der Niederheidenstraße aussagen können.
Und tatsächlich, teilt die Neuenhagenerin kurze Zeit nach dem Auftauchen des Eimers vor ihrem Grundstück mit, hätten sie zahlreiche Hinweise erreicht, wonach es sich um einen Eimer der Firma handelt, die Neuenhagener Kitas und Schulen mit Mittagessen versorgt. „Wir gehen dem weiter nach“, sagt sie.
Immer wieder kommt es vor, dass Giftköder öffentlich ausgelegt werden. Die Gemeinde Rüdersdorf beispielsweise warnte zuletzt im September auf ihrer Internetseite vor solchen Ködern. „Hier aber“, meint Cora O‘Connor, „muss es sich um ein geplantes Attentat gegen uns und unseren Hund handeln.“ Wer könnte etwas gegen ihren geliebten Pumbaa gehabt haben, fragt sie sich. Er sei frei auf dem Grundstück herumgelaufen, hätte auch mal gebellt, aber ihn deswegen absichtlich vergiften – „wer tut so etwas?“
Hinweise erreichen die Familie per E-Mail an rattengiftanschlag22@yahoo.com.