Handball
: Mittendrin dabei

Datenerfasser bei der Handball-WM. Fredersdorfer Lutz Straube war ganz nah dabei.
Von
Edgar Nemschok
Berlin
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  • Volunteer bei der Handball-WM: Lutz Straube in der Arena am Ostbahnhof

    Volunteer bei der Handball-WM: Lutz Straube in der Arena am Ostbahnhof

    privat
  • Handball WM Handball WM Lutz Strausbe (Scoauting

    Handball WM Handball WM Lutz Strausbe (Scoauting

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  • Videowürfel: Dort erfolgt unter anderem die Ausgabe der Spiel- daten. Neben dem Ergebnis werden zum Beispiel Mannschafts- aufstellungen, Torschützen und die bestraften Spieler angezeigt.

    Videowürfel: Dort erfolgt unter anderem die Ausgabe der Spiel- daten. Neben dem Ergebnis werden zum Beispiel Mannschafts- aufstellungen, Torschützen und die bestraften Spieler angezeigt.

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Für Lutz Straube aus Fredersdorf-Vogelsdorf gehen unvergessliche Tage zu Ende. Alle Weltmeisterschaftsspiele in der Arena am Ostbahnhof konnte er live und praktisch hautnah miterleben. Die Zeit während der Handball-WM in Berlin war für den 61-Jährigen aber auch Weise stressig. „Ich bin mittags los und erst weit nach Mitternacht wieder nach  Hause gekommen.“ Straube hatte sich als Volunteer (freiwilliger Helfer) beim Deutschen Handball Bund und der International Handball Federation IHF beworben – und wurde auch aufgrund seiner umfangreichen Erfahrung im Handball genommen.

Straube war viele Jahre selbst aktiv und ist dem Sport auch nach dieser Zeit als Schiedsrichter treu geblieben. Jetzt ist er Vorsitzender der Technischen Kommission beim Kreisfachverband Märkisch-Oderland und zudem Fachwart für Schiedsrichter. „Gelegentlich spiele ich noch bei den Senioren von Blau-Weiß Petershagen-Eggersdorf“, sagt der gebürtige Sachse, der nach dem Besuch der Sportschule in Dresden beim SC Dynamo Berlin aktiv war. Später spielte er bei der TSG Rot-Weiß Fredersdporf-Vogelsdorf.

Wenn er an Handball-Weltmeisterschaften denkt, fällt ihm sofort ein, dass er schon einmal eine „Randfigur“ war. „Bei der WM 1974 in der DDR gehörte ich zu den Fahnenträgern. Ich durfte damals den Wimpel der USA tragen. Wir waren beim Finale mit dabei.“ Rumänien spielte gegen die DDR und gewann in der Werner-Seelenbinder-Halle mit 14:12. „Ich erinnere mich noch gut, wie der rumänische Torhüter Cornel Penu unserem Angriffsspieler Wolfgang Lakenmacher das Leben so richtig schwer machte.“

Seit 1969 ist Straube im Handball aktiv – und hat nun also zu seinem 50-jährigen Jubiläum die WM live miterlebt. „Ich war im sogenannten Scouting eingesetzt. Sicherlich, der Begriff ist etwas irreführend. Wir hatten dabei die Aufgabe, am Rande des Spiels die Datenerfassung zu sichern.“ Alle Zahlen, die für ein Spiel von Relevanz sein können, wurden von sechs unabhängigen Scoutern erfasst und schließlich aufgezeichnet. „Die Daten wurden dann während und nach dem Spiel zur Verfügung gestellt. Ich durfte dabei auch den Videowürfel in der Halle füttern, war also so etwas wie der Chef-Scouter.“

Zu den Daten gehörten unter anderem das Mitschreiben von Spielzügen, Auswechslungen und der Zwei-Minuten-Strafen. Der Liveticker wurde stetig aktusalisiert und den Fernsehstationen und anderen Medien zur Verfügung gestellt. Zudem gab es Papierprotokolle für Mannschaften und Presse.

„Wir hatten auch Einblick auf einen kleinen Monitor, der anzeigte, welche Geschwindigkeiten die Bälle nach den Würfen erreichen. Es wurden Spitzenwerte von bis zu 110 km/h gemessen“, erzählt der Fredersdorfer.

Straube berichtet zudem, dass die Scouter, oder besser Spieldatenerfasser, die Schiedsrichter unterstützen konnten. „Sie können nicht alles sehen und nehmen dann in strittigen Szenen gern die Hilfe an. Übrigens gab es bei der WM auch den Videobeweis, was viele Handballfreunde gar nicht so mitbekommen haben.“

Wenn man so nah dran am Geschehen sitzt, bekommt man doch eine Menge mit? „Ja, wir saßen ja direkt hinter den Bänken der Nationalmannschaften. Und vor allem beim Spiel unserer Männer gegen Frankreich kochten die Emotionen sehr hoch.“ Straube erzählt auch von Schrecksekunden. So hat er in einem Spiel einen Ball an den Kopf bekommen. So ist das, einmal nicht aufgepasst ... „Aber ich bin Handballer. Der Schmerz verging ganz schnell.“

Der Fredersdorfer, der selbst als Schiedsrichter tätig ist und andere ausbildet, hat auch zu den Leistungen der Unparteiischen eine Meinung. „Wenn ich Zensuren geben müsste, würden diese nicht immer gut ausfallen. In einigen Spielen, auch in der Partie Deutschland gegen Frankreich, gab es gerade bei der Vergabe von Zwei-Minuten-Strafzeiten doch zum Teil merkwürdige Entscheidungen. Wenn man so nah dran sitzt, sieht man alles viel besser und genauer“, erklärt Straube.

Was zählt, ist das einmalige Erlebnis: „Als Andenken an die Spiele, bei denen ich als Scouter eingesetzt war, habe ich mir immer ein offizielles IHF-Spielprotokoll von unserem SwissTime-Techniker ausdrucken lassen.“