Handwerk und Corona
: Prüfungsstress im Bildungszentrum Hennickendorf

Nach der mehrwöchigen Corona-Pause geht es im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Hennickendorf nun zielgerichteter weiter.
Von
Thomas Berger
Hennickendorf
Jetzt in der App anhören
  • Nach der mehrwöchigen Corona-Pause geht es im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Hennickendorf nun zielgerichteter weiter. Unter Aufsicht von Ausbilder Dennis Wilkner (r.) üben die Heizung/Sanitär-Azubis aus dem zweiten Lehrjahr das Biegen eines Leitungsstücks im 90-Grad-Winkel – Theresa Tauchert aus Schulzendorf führt es vor.

    Nach der mehrwöchigen Corona-Pause geht es im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Hennickendorf nun zielgerichteter weiter. Unter Aufsicht von Ausbilder Dennis Wilkner (r.) üben die Heizung/Sanitär-Azubis aus dem zweiten Lehrjahr das Biegen eines Leitungsstücks im 90-Grad-Winkel – Theresa Tauchert aus Schulzendorf führt es vor.

    Thomas Berger
  • Hochkonzentriert am Hirschmotiv: Maria Silvia Franke im Meisterlehrgang Fahrzeuglackierer

    Hochkonzentriert am Hirschmotiv: Maria Silvia Franke im Meisterlehrgang Fahrzeuglackierer

    Thomas Berger
  • Vereinzelung: Mit genügend Sicherheitsabstand und Schutzmaske laut des Hygienekonzepts sitzen in diesem Raum die angehenden Meister im Berufszweig Maler und Lackierer über einer Aufgabe.

    Vereinzelung: Mit genügend Sicherheitsabstand und Schutzmaske laut des Hygienekonzepts sitzen in diesem Raum die angehenden Meister im Berufszweig Maler und Lackierer über einer Aufgabe.

    Thomas Berger
  • Uwe Hoppe (l.) und Roland Moritz: Sie wollen unbedingt an Qualitätsstandards festhalten.

    Uwe Hoppe (l.) und Roland Moritz: Sie wollen unbedingt an Qualitätsstandards festhalten.

    Thomas Berger
1 / 4

Ebenso wie die Schulen war zuvor auch die Einrichtung der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) durch die Corona-Notverordnungen lahm gelegt gewesen. Eine völlige Normalisierung gibt es gleichwohl auch hier noch nicht, wie Roland Moritz, der Leiter des Hauses, erklärt. Begonnen wurde erst einmal mit jenen Lehrgängen, die sich unmittelbar in der Vorbereitung auf eine anstehende Prüfung befinden. Manches sind ohnehin kleinere Teams, andere Gruppen mit 14 oder 15 Mitgliedern müssen wiederum aufgeteilt werden, um die Abstandsregeln wahren zu können. Zudem ist das Gebäude auf „Einbahnstraßenbetrieb“ ausgerichtet. Pfeile auf dem Boden zeigen an, in welcher ausschließlichen Richtung Treppenbereiche und Flure zu durchqueren sind, um zu dichte Begegnungen zu vermeiden. Alle Ausbilder haben zudem am ersten Tag ihre jeweiligen Gruppen ausführlich zu den geltenden Hygienemaßnahmen belehrt. Die Doppelzimmer im Gästehaus sind derzeit nur mit einer Person belegt.

„Es sind insgesamt 41 Ausbildungswochen, die uns allein bei den Lehrlingen verloren gegangen sind“, fasst Moritz den coronabedingten Ausfall in einer Zahl zusammen. Hinzu kommen zehn Wochen bei den Meisterlehrgängen und 15 bei den Angeboten in der Berufsorientierung. Das alles wieder aufzuholen, sei durchaus nicht einfach. „In der Berufsorientierung ist das gar nicht nachzuholen, weil es ja auch am Neubeginn in den Schulen hängt, der auch erst schrittweise erfolgt“, wirft Uwe Hoppe ein. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) verweist darauf, dass man beim Land darum kämpfen werde, ersatzweise vielleicht 2021 zwei Klassenstufen auf einmal in der Berufsorientierung betreuen zu können. Potsdam müsse da mitziehen, schließlich gehe es um Fördermittel. Dass die Angebote im Haus in diesem Bereich zu Erfolgen führen, werde seitens der zwölf Schulen, mit denen das Team zusammenarbeite, immer wieder bestätigt, betont Roland Moritz. Ausfallen musste bereits Ende März der Berufsinfotag, bei dem sich neben den hausinternen Bereichen auch 30 Firmen präsentiert hätten.

„Wir werden wegen der Corona-Krise nicht mit unseren Anforderungen heruntergehen“, macht der Leiter der Bildungsstätte unter dem zustimmenden Nicken des Hauptgeschäftsführers deutlich. An gewohnten Qualitätsstandards der überbetrieblichen Ausbildung, der Prüfungen und Abschlüsse selbst unter den besonderen Bedingungen festzuhalten, sei man gegenüber den eigenen Mitgliedsbetrieben, aber ebenso den angehenden Gesellen und Meistern schuldig. Letzten Endes gehe es auch um den exzellenten Ruf, den das deutsche Handwerk im In- und Ausland genieße, wie Hoppe anfügt: „Bei uns gibt es keinen Meister ohne Finale, wenn man das mit der Handball-Bundesliga vergleicht.“

Konzentriert beugt sich in einer der Werkstätten Maria Silvia Franke über ihr Werk. Es handelt sich um ein Hirschmotiv, das sie mit einem halben Dutzend Farben auf den Untergrund aufbringen will. Immer wieder müssen die schon fertig mit einem Farbton gestalteten Bereiche für den nächsten Lackiervorgang mit Schutzfolie abgeklebt werden. Die Übergänge richtig hinzubekommen, brauche es "Feingefühl und Ruhe“, die sie im Moment manchmal nicht habe. „Eigentlich komme ich aus Erfurt“, erzählt die junge Frau, „bin für den Meisterlehrgang hier, weil der in unserer Region nur in Teilzeit angeboten wird.“

Freude über den Neustart

Im Raum gegenüber sitzen die Teilnehmer eines Maler-Meisterlehrgangs. Sehr schade sei der Ausfall in den vergangenen Wochen, sagt Markus Grahlow aus Buckow bei Beeskow: „Die Zeit fehlt einem irgendwie, jeder hat einen Plan für das weitere Berufsleben, dafür, sich vielleicht auch selbstständig zu machen.“ Noch sind er und die anderen zuversichtlich, bis zur Prüfung alles zu schaffen. „Wir haben unseren Zeitplan, aber es wird fühlbar stressiger.“ Dass es nun wieder losgegangen ist, freut auch ein Stück weiter die angehenden Gesellen im Bereich Sanitär/Heizung/Klima, mit denen Ausbilder Dennis Wilkner gerade die 90-Grad-Biegung eines Rohres übt. Theresa Tauchert darf es vorführen. Die junge Frau aus Schulzendorf bei Wriezen ist wie die anderen im zweiten Lehrjahr und lernt im väterlichen Betrieb Jens Tauchert Heizung & Sanitär. Der ermögliche seinen insgesamt vier Auszubildenden auch, in einem separaten Raum die Aufgaben aus der Berufsschule zu erledigen, die ebenfalls im Präsenzunterricht ausfiel.

Sie bereitet sich gerade auf die Zwischenprüfung vor. Die ist immerhin auf August verschoben. Die Gesellen-Abschlussprüfung soll aber ganz regulär stattfinden. Schließlich, betonen Moritz und Hoppe, gehe es auch um das Auslaufen der Lehrverträge und den Anspruch der jungen Leute, nach bestandener Prüfung voll entlohnt zu werden – jede Verschiebung wäre da mit finanziellen Einbußen verbunden.

Bildungszentrum Hennickendorf

Die Berufsbildungsstätte der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) in Hennickendorf wurde 1997 in Betrieb genommen. Zu dem Komplex, der verschiedenste überbetriebliche Lehrgänge der beruflichen Erstausbildung, aber auch im Bereich Fort- und Weiterbildung anbietet, gehört unter anderem ein Gästehaus mit 60 Plätzen. Für Lehrlinge von Metallbauer und Mechatroniker bis Maler/Lackerier, Anlagenmechaniker für Sanitär/Heizung/Klima oder Fahrzeuglackierer (insgesamt 16 Berufsbilder) bietet die Einrichtung viele Möglichkeiten der Unterweisung, über die kleine Handwerksbetriebe selten in dieser Bandbreite verfügen. Regelmäßig wird kräftig investiert, um modernste Bedingungen bieten zu können, laut Leiter Roland Moritz alle zwei Jahre in der Größenordnung von 400 000 bis 600 000 Euro.⇥bg