Hilfsaktion: Asyl für die „Wollis“ aus Heidesee
„Bamm-Bamm“ sieht recht behäbig aus, galoppiert aber fast durch sein 50 Quadratmeter großes Gehege auf dem Geländes des Naturschutzcamps Neuenhagen, um es ausgiebig zu erkunden. Es ist sein neues Zuhause auf unbestimmte Zeit. Auf dem Freigelände tummeln sich auch Hühner, Gänse, Enten, Pfauen, Kaninchen, Ziegen und ein Pferd.
Der fünfjährige Eber ist nach einer ersten Mahlzeit mit Trockenbrot rasend schnell unterwegs, trägt lange Borsten im Gesicht und jede Menge Wolle drum herum. Damit gehört er zu den Hausschweinen, wird aber vorrangig in Ost-Europa gehalten – „am weitesten verbreitet in Rumänien und Bulgarien“, sagt Peter Feilke, der den Eber zusammen mit Tierpflegerin Denise Börst aus Heidesee (in der Nähe von Königs Wusterhausen) hierher gebracht hat. Hierzulande ist „Bamm-Bamm“ etwas Besonderes, erklärt Denise Börst: „Wollschweine sind besonders robust – sie sind eine alte Haustierrasse, die vom Aussterben bedroht ist. Im Winter brauchen sie zum Beispiel kein Rotlicht wie andere ihrer Artgenossen. Durch ihre langen Haare halten sie im Freien kühlere Temperaturen aus.“
Notlösung für Streichelzoo
Auch Bamm-Bamms Schwester „Pebbles“ haust von nun an in Neuenhagen. Im Naturschutzcamp sei genug Platz für zwei große Wollschweine, sagt René Trocha, Vorsitzender des Vereins. Vor einiger Zeit schon habe ihn der Hilferuf des KiEZ Frauensee (Kinder- und Jugenderholungszentrum in Heidesee) erreicht, dass Tiere aufgenommen werden müssen, weil der integrierte Kindertierpark aufgrund der aktuellen Lage schließen muss. Unter diesen eingeschränkten Umständen war es nicht mehr möglich, die Versorgung der Tiere aufrechtzuerhalten, erklärt Denise Börst: „Wir mussten unsere Tiere woanders unterbringen, um Kosten zu reduzieren.“ Wenn sich die Lage wieder stabilisiert hat, hoffen die Betreiber, dass die Tiere wieder zurückkehren können. „Den Streichelzoo wollen wir wieder im kommenden Jahr öffnen“, sagt die 23-Jährige. Der Kindertierpark ist für das angegliederte Erholungszentrum ein wichtiger Bestandteil, finden auch die Freunde des Naturschutzcamps Neuenhagen. Innerhalb von zwei Wochen hat Trocha das Naturschutzcamp umgebaut und Platz geschaffen. „So etwas unterstützen wir gerne – das musste alles sehr schnell gehen.“
Am vergangenen Donnerstag war es soweit – die Wollschweine kamen im Spezialtransport mit Pferdeanhänger an: Trocha und seine Familie freuen sich über die zwei „Wollis“, wie sie ihre neuen Schützlinge liebevoll nennen. Trochas Frau, Susann Preuß, und die Kinder beobachten neugierig, wie die Sau "Pebbles“ als Erste die Rampe des Transportwagens ins Freigehege verlässt und die Unterkunft testet.
Überleben ist wichtig
„Zurzeit arbeiten alle Hand in Hand und helfen sich gegenseitig aus“, erzählt Denise Börst. „Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll“, ergänzt Peter Feilke, der im Erholungszentrum arbeitet – wenigstens die Schweine hätten Asyl bekommen. „Wir hätten eigentlich Gäste. Es geht ums Überleben des gesamten KiEZ Frauensee.“ Wenig später ist „Pebbles“ auch schon ausgebüxt und alle müssen mit ran, die Sau wieder einzufangen. Vermutlich wollte sie Bekanntschaft mit dem benachbarten Pferd machen.
Die Wollschweine „sind wunderhübsch anzusehen“, findet René Trocha. Gerade für Kinder lohne sich ein Ausflug ins Naturschutzcamp in der Wiesenstraße 15 a, um verschiedenste Tierarten und Pflanzen kennen zu lernen. Wer auf die Wollschweine neugierig geworden ist, könne gerne in Einhaltung der üblichen Corona-Richtlinien vorbeikommen und sie besuchen, bietet er an. Futter oder andere Spenden sind gern gesehene Mitbringsel. Wollschweine fressen nicht nur Gras und Wurzeln, sondern sind wie Hausschweine Allesfresser.










