Die Idee ist aus der Klosterdorfer Kita gekommen. "Wir könnten mit der großen, der älteren Gruppe und etwa 20 Kindern vo­rübergehend oben ins Dorfgemeinschaftshaus ziehen", hieß es am Montag zur Oberbarnimer Gemeindevertretersitzung von den beiden Frauen der Kita-Leitung. Das könnte für Entlastung am eigentlichen Standort im Wohngebiet Kiebitz-Aue sorgen und vielleicht sogar reichen, um dort eine nötige bauliche Erweiterung zu schaffen.
Denn die Fakten sind eindeutig und beschäftigten die Oberbarnimer Gemeindevertreter schon mehrfach. Beide Oberbarnimer Kindereinrichtungen, die Kita "Kleine Teichfrösche" im Ortsteil Klosterdorf und die Kita "Bollersdorfer Spatzen" im Ortsteil Bollersdorf, sind mit 65 bzw. 37 Plätzen voll belegt. Dabei stehen die nächsten Eltern längst Schlange und ein Ende des Zuzugs im Klosterdorfer Baugebiet Kiebitz-Aue ist auch noch nicht absehbar.
Im Gegenteil: Bei einem Bevölkerungsanstieg von 3,7 Prozent und einer durchschnittlichen Geburtenrate von 13,45 Prozent auf 1000 Einwohner im Jahr, bei einem vermuteten Zuzug von 80 bis 90 Kindern entsprechenden Alters ins Wohngebiet Klosterdorf und Blick auf möglicherweise noch zu belegende Baulücken in den vier Ortsteilen verweist die Prognose aus der Verwaltung auf einen Bedarf von 173 Betreuungsplätzen im Jahr 2030.
Außerdem: "Derzeit haben wir 50 Neuanmeldungen, aber nur zwölf Kinder werden zum nächsten Schuljahr die Kita verlassen. 38 Kinder können demnach schon jetzt nicht versorgt werden", stellte die Klosterdorfer Kita-Leiterin Elke Damm zur Sitzung am Montag klar. Und da ist der Rechtsanspruch von Eltern auf einen Kita-Betreuungsplatz, ist die keineswegs üppig gefüllte Gemeindekasse, die nicht einmal für ein kleines Gemeinschaftshaus in Ernsthof reicht.
Die Zeit drängt, doch wie aus diesem Teufelskreis herauskommen? Für eine möglichst solide Entscheidungsgrundlage hatte die Gemeindevertretung die Amtsverwaltung schon zuvor beauftragt und daher am Montag die Prognose zu Kindern im kitafähigen Alter bis 2030 vorgelegt. Sie untermauerte, dass schleunigst Lösungen her müssen, das Wie ist noch unbeantwortet.
Fakt ist auch, dass Oberbarnim beide Standorte behalten will, mit dem Freien Träger DRK zufrieden und in der Sache bereits im Gespräch ist. "Ortsnahe Betreuung sind wir unseren Kindern und Eltern schuldig", nannte es Bollersdorfs Ortsvorsteher Detlef Daubitz zur Sitzung.
Idee vom befristeten Umzug
Eine Interimslösung müsse her, war man sich einig. Bis 2022 ist kein Absinken der Betreuungszahlen sichtbar. Immer zeigt die Prognosetabelle über 140 Plätze und nur 102 sind verfügbar. "Wir brauchen sehr schnell eine Kapazität von etwa 142", machte Bürgermeister Lothar Arndt die Konsequenz nochmals deutlich. Zu den derzeit 65 Plätzen in Klosterdorf braucht es mit Blick auf 2030 letztlich 70 weitere.
Also Neubau? Erweiterungsbau? Containerlösung? Doch auch Letztere kostet Geld, Miete und wäre nur auf zwei Jahre begrenzt. Die Idee vom befristeten Umzug der ältesten Kita-Gruppe ins Gemeindehaus wurde daher als Zusatz in die zur Kenntnis genommene Vorlage aufgenommen. Die Verwaltung soll prüfen, ob so etwas überhaupt möglich ist.