Strausberg lässt ein neues Klimaschutzkonzept für die Jahre 2020 bis 2040 erarbeiten. Die Zeit des ersten Konzeptes ist abgelaufen. Nun will die grüne Stadt am See für 100.000 Euro ein externes Beratungsunternehmen neue Klimaziele für die Kommune formulieren lassen. 80.000 Euro sollen als Fördermittel eingeworben, 20.000 Euro „durch einen Budgetausgleich gedeckt werden“, wie es in der Beschlussvorlage formuliert ist.
Die Linken-Stadtverordnete Sabine Brosch stellte im Fachausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr spontan die Frage, inwieweit die Vorgaben und Ziele des ersten Klimaschutzkonzeptes denn erreicht seien: „Wie sind denn die Ergebnisse?“ Das sei Untersuchungsgegenstand des neuen Konzepts, sagte der dafür zuständige Stadtplaner Stefan Reinhardt: „Das Büro soll herausfinden, was das Alte gebracht hat.“ Die damals entwickelten Szenarien und Maßnahmen seien zu analysieren, zu aktualisieren und zu erweitern, heißt es in der Beschlussvorlage. Bürgermeisterin Elke Stadeler ging ihrerseits spontan in die Offensive: „Wir haben ja bei den Strausberger Stadtwerken inzwischen zehn Klimakonferenzen gemacht, da lässt sich leicht zusammenrechnen, was das jedes Jahr auch bei den Fifty-fifty-Projekten zum Energieeinsparen gebracht hat.“ Sie erwähnte auch die Straßenbeleuchtung.

Es geht ums Kohlendioxid

Ziel der Neuaufstellung des Klimaschutzkonzeptes Strausberg sei die Reduzierung des CO2-Ausstoßes der Stadt Strausberg, heißt es in der Vorbemerkung der Ausschreibungsziele. Schließlich hatte der Bund mit dem Klimaschutzgesetz von Ende 2019 gesetzlich Vorgaben formuliert, die es einzuhalten gelte: „Bis 2030 will Deutschland den Treibhausgasausstoß um mindestens 55 Prozent verringern. Bis 2050 soll Treibhausgasneutralität erreicht werden. Es ist zu konkretisieren, was dies für die Stadt Strausberg bedeutet“, wird als Anspruch an die Experten formuliert. In der Kommunalrichtlinie von Ende 2019 hat der Bund Anforderungen an die förderfähige Ersterstellung von Klimaschutzkonzepten erhoben, die die Experten in ihrer Arbeit umzusetzen hätten.
Ausschussvorsitzender Bernd Sachse (Die Linke) merkte an, dass im ersten Klimaschutzkonzept der Straßenverkehr in Strausberg keine Rolle gespielt habe: „Die Energiebilanz allein zu betrachten, halte ich für einseitig.“ Das könnte sich jetzt ändern, denn unter der Überschrift „A) Fortschreibung Energie- und CO2-Bilanz“ heißt es nun: „Ebenfalls soll das emissionsrelevante Verkehrsaufkommen in der Stadt recherchiert und erfasst werden.“ Später heißt es, sollen unter Berücksichtigung weiteren Einwohnerwachstums Szenarien entwickelt werden, wie die Treibhausemissionen des Verkehrssektors reduziert werden können. „Hierzu sind sowohl Szenarien der Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), der unter Klimaaspekten zu verbessernden Entwicklung des Individualverkehrs (IDV) und auch einer Kombination daraus (durch modale Kopplung des IDV und des ÖPNV) darzustellen.“

Zuerst ein Konzept

Für den sachkundigen Einwohner Christian Göritz-Vorhof ist das Konzept zu theoretisch: „Inwieweit ist denn geplant, die Vorgabe umzusetzen, indem man zum Beispiel einen Klimamanager einstellt?“ Dazu sagte Bürgermeisterin Elke Stadeler: „Ich möchte erst mal, dass wir ein Konzept erstellen lassen. Ich stelle doch nicht zuerst Personal ein und sage dann: Schau mer mal.“ Auch den Vorschlag des Ausschussmitglieds Göritz-Vorhof, der Klimamanager könne doch das Konzept zuerst erarbeiten und dann umsetzen, ließ sie nicht gelten: „Dafür gibt es doch Fachplaner.“ Stefan Freimark, ebenfalls sachkundiger Einwohner, mahnte eine allumfassende Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes an, die offen sein müsse für alle Bereiche und auch die städtischen Gesellschaften in die Betrachtung einbeziehen müsste. Er spielte dabei auf den Passus im Beschlusstext an, dass die Aufgabenstellung mit den Strausberger Stadtwerken abgestimmt sei.