Irgendwann möchte er wieder Fußball spielen. Das hat sich Niclas ganz fest vorgenommen. Zweimal in der Woche hat der Zwölfjährige bis zum Jahr 2021 beim MSV Rüdersdorf trainiert. Bis die Schmerzen in seinem linken Knie so stark waren, dass er einfach nicht mehr die Zähne zusammenbeißen konnte – so wie er es über Wochen getan hatte.
Etwa fünf Monate lang plagte sich der Rüdersdorfer mit Schmerzen; mehrere Ärzte konnten keine Ursache dafür finden, bis die Eltern an einen Spezialisten in Berlin verwiesen wurden. Am 11. Oktober 2021 dann die Diagnose: Ein Tumor wuchert in Niclas’ Bein. „Dieses Datum werde ich nie mehr vergessen“, sagt seine Mutter Sandra Baumann. An diesem Tag ändert sich das Leben der vierköpfigen Familie schlagartig.

Oberschenkel muss amputiert werden

Im Krankenhaus in Berlin-Buch wird von dem inzwischen 15 Zentimeter großen Tumor im Knochen von Niclas’ linken Oberschenkel eine Gewebeprobe genommen, die die schlimmsten Befürchtungen der Familie bestätigt, denn sie zeigt, dass er bösartig ist. Ein sogenanntes Osteosarkom, wie es bei dem Jungen diagnostiziert wurde, ist eine seltene Form von Knochenkrebs und im Kindes- und Jugendalter der häufigste bösartige Knochentumor. „Es wurde dann gleich eine Chemotherapie begonnen. Um eine Beinamputation kamen wir nicht herum, weil der Tumor äußerst aggressiv war“, sagt Sandra Baumann.
Es beginnt ein Leben, das für Niclas und seine Mutter hauptsächlich im Krankenhaus stattfindet. Anfang Januar erfolgt die Operation, bei der Niclas’ Oberschenkel amputiert wird und der Unterschenkel dafür an seine Stelle gesetzt wird – nur andersherum, der Fuß zeigt nach hinten. Umkehrplastik nennt sich diese Alternative zur Vollamputation. „Niclas hat sich ganz bewusst dafür entschieden, weil er wieder Fußball spielen will und er auf diese Weise sein Bein mit Prothese stärker belasten kann, als bei einer Vollamputation.“

Benefizspiel mit Union-Stars

Noch läuft Niclas auf Krücken; es dauere noch, bis seine Prothese richtig angepasst sei, sagt seine Mutter. „Er ist ein ruhiger Junge und redet nicht viel darüber, aber ich denke, er kommt damit gut zurecht.“ Weitere acht Wochen Chemotherapie liegen vor Niclas und seiner Familie, um auszuschließen, dass sich keine Metastasen bilden. Ohne einen Arbeitgeber, der hinter ihr stehe, und die Unterstützung Einzelner, die von Niclas’ Schicksal gerührt sind, fiele es der Familie deutlich schwerer, diese dunkle Zeit gemeinsam durchzustehen. So habe etwa die Firma Hoffmeier aus Rüdersdorf ein Geländer für die Terrasse des Wohnhauses angefertigt, damit sich Niclas daran stützen kann. Der Erlös aus einem bevorstehenden, vom MSV organisierten ganz besonderen Fußballspiel soll der Familie zudem helfen, die Fahrkosten zur Chemotherapie und einige Einrichtungsgegenstände für Niclas Zimmer zu stemmen.
Am Sonnabend, 26. März, spielt das MSV Mix-Team gegen den 1. FC Großes Herz, ein Benefizteam aus Fußballern. Zum Anpfiff um 14 Uhr im Glückauf-Stadion werden auch die Union-Berlin-Legenden Ronny Nikol und Björn Brunneman erwartet. Der Erlös aus dem Eintrittsgeld von fünf Euro pro Zuschauer kommt zum Teil Niclas zugute, zum Teil über die RTL Stiftung Menschen, die aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchtet sind. „Wir zeigen, dass Fußballer zusammenstehen und dass Frieden und Humanität die wichtigsten Güter unserer Gesellschaft sind“, heißt es vom MSV.

Großes Vorbild: Max Kruse

Noch ist offen, ob auch Torsten Mattuschka, ehemals langjähriger Spieler beim 1. FC Union Berlin, auf dem Rasen stehen wird. Ebenfalls angefragt ist Max Kruse, Niclas’ großes Vorbild. Sein großer Wunsch ist es, den ehemaligen Union- und mittlerweile VfL-Wolfsburg-Fußballer einmal persönlich zu treffen. Womöglich geht sein Wunsch an diesem Sonnabend, zwei Tage nach seinem zwölften Geburtstag, tatsächlich in Erfüllung. Der Verein Kolibri, der krebskranken Kindern und deren Angehörigen hilft, stehe dazu in regem Austausch mit dem Fußballer, sagt Niclas’ Mutter. Auch finanziell hat der Verein die Familie in der Vergangenheit unterstützt: mit drei Monatsmieten für eine Ferienwohnung.
Doch auch wenn Max Kruse beim Benefizspiel nicht dabei sein sollte – „wir freuen uns einfach darüber, dass Niclas einen unvergesslichen Tag erlebt“, sagt Sandra Baumann. Das Geld sei nebensächlich; „wir wollen unseren Sohn lachen sehen und die vergangenen Wochen und Monate einfach für ein paar Stunden vergessen.“

Diese Mannschaften treten beim Benefizspiel an

1. FC Großes Herz: Björn Brunnemann, Ronny Nikol (Union Berlin), Christopher Rosenow, Sebastian Wisocki, Paul Rudolf, Daniel Krafzik, Marcel Joachimsthaler (FSV Eintracht Königs Wusterhausen), Philipp Karaschewitz (Ludwigsfelder FC), Pascal Hannemann (MSV Zossen), Kevin Reuschel (VfB Trebbin), Robert Krummrey (Blau-Weiß Schenkendorf), Dominik Engelage, Eike Mudrich (Grün-Weiß Deutsch Wusterhausen), David Karaschewitz, Andreas Fricke (ehemals RSV Waltersdorf), Dirk Jager (FSV Germania Storkow)
Mix-Team des MSV Rüdersdorf: Ecki Zander, Norman Falk, Yevgeniy Donis, Torwart Ronny Schmidt, Jens-Uwe Schulz, Alexander Oswald, Christian Büchner, Dirk Holländer, Mathias Paschke, Denny Kurz (alle Allstar-Team), Maximilian Traue, Robert Tavernier, Stefan Hanf, Leon Beuster, Patrick Schulze, Tom Gollmer, Steffen Hilpert, Rene Köhler, evtl. Torwart Valentyn Podolskyi (alle Ehemalige), Robin Nowak, Ruben Schulze, Ahmad Salah, Nils Völkel, Tim Strohfahrt, Natan Soares (Männer-Team)