Krebs in Brandenburg: Warum Patienten der Reha-Klinik in Buckow in Sorge sind

Immanuel Klinik Buckow: Seit 30 Jahren gibt es den Klinikstandort, der einen guten Ruf genießt. Welches Problem dennoch Krebs-Patienten wiederholt umtreibt.
Thomas Berger- Reha-Klinik Buckow feierte 30-jähriges Bestehen; über 65.000 Patienten seit Gründung behandelt.
- Problem: Kostenübernahme für Krebsmedikamente während der Reha oft ungeklärt, belastet Betroffene.
- Hochwirksame Therapien verfügbar, doch teure Medikamente (z. B. 10.000 €/Monat) erschweren Zugang.
- Verzögerte Reha-Aufenthalte oder Therapieabbrüche bergen medizinische Risiken – Politik gefordert.
- Reha-Wirtschaft bedeutend: 1200 Anbieter, 180.000 Beschäftigte, 2 Mio. Patienten jährlich in Deutschland.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die onkologische Reha-Klinik der Immanuel Diakonie in Buckow (Märkische Schweiz) genießt einen guten Ruf. Gerade hat die medizinische Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Ein Team von Ärzten, Pflegekräften und weiterem Fachpersonal kümmert sich um das Wohl der Patientinnen und Patienten – rund 65.000 waren es bisher, die dort einen Klinikaufenthalt für eine Reha absolviert haben. In rund 80 Prozent der Fälle mit kurativem Charakter, also dem Ziel möglichst guter Wiedereingliederung in Berufsleben und Alltag.
Den feierlichen Anlass dieser Tage nutzte Chefärztin Prof. Dr. Diana Lüftner, um auf ein ernstes Problem aufmerksam zu machen. Denn bei der Unterstützung für Menschen mit Krebsdiagnose gibt es eine Lücke, die auch die Fachleute umtreibt und betroffene Patienten mit zusätzlicher Sorge erfüllt.
Krebs-Medikamente sind teuer – Kostenübernahme oft ungeklärt
Es geht um Mängel bei der Kostenübernahme für bestimmte Leistungen – die im Einzelfall etwa dazu führen, dass eine unmittelbare Reha nach Operation oder Bestrahlung verschoben wird. Politik und Kostenträger seien deshalb gefragt.

Chefärztin Prof. Dr. Diana Lüftner: Es gibt heute hochwirksame Medikamente, die etwa auch nach einer OP den Krebs weiter minimieren. Nicht in jedem Fall ist aber die Kostenübernahmen der laufenden Systemtherapie bei einer Reha geklärt.
Thomas BergerDie Medizin hat enorme Fortschritte gemacht: „1994 waren es nur zehn Medikamente. Inzwischen sind es rund 200, die als Systemtherapie in der Onkologie zugelassen sind“, führte Diana Lüftner, Fachärztin für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Hämatologie und Onkologie, Sportmedizin sowie Palliativmedizin, aus. „Doch bei der Finanzierung scheinen wir im letzten Jahrtausend festzuhängen.“
Der sogenannte Kostenselbstbehalt, also ein finanzielles Risiko für den Patienten, wie auch der Verwaltungsaufwand müssten als Probleme dringend angegangen werden, fordert sie. Es dürfe nicht sein, dass Betroffene massiv verunsichert werden oder medizinisch gebotene Entscheidungen für einen Reha-Aufenthalt verzögerten – nur weil die Kostenübernahme für eine fortgesetzte Systemtherapie mit Medikamenten in der Klinik nicht endgültig geklärt sei.
30 Jahre Reha-Klinik
Die Reha-Klinik Märkische Schweiz in Buckow, die seit 1999 im Verbund mit Rüdersdorf zum regionalen Standort der Immanuel Diakonie gehört, ging am 1. Juli 1995 in Betrieb.
Die Fachklinik für Onkologische Rehabilitation hilft in erster Linie Menschen nach einer Tumorerkrankung beziehungsweise deren Therapie, wieder in den privaten und Berufsalltag zurückzukommen, der sogenannte kurative Ansatz. Etwa 20 Prozent werden im palliativen Ansatz betreut.
Seit 2022 gibt es die aktuelle Doppelspitze: Prof. Dr. Diana Lüftner ist Chefärztin, Annette Binder Kaufmännische Leiterin. Im dritten Quartal dieses Jahres sollen Rezeptionsbereich und Physiotherapie modernisiert und sukzessive auch die Patientenzimmer erneuert werden. In der Kurstadt stehen die Klinikleitung und Kommunalpolitik im regelmäßigen Austausch.
„Eine solche Behandlungsdauer kann ja durchaus sechs Monate bis zu mehrere Jahre umfassen“, machte Lüftner deutlich. Die Kosten für die Präparate seien oftmals beträchtlich. Allein eine Packung Lynparza-Tabletten, die bei einer Reihe von Krebserkrankungen von Brust- über Eierstock- und Gebärmutterhals- bis Bauchspeicheldrüsenkrebs zum Einsatz kommen, koste zum Beispiel gut 4700 Euro. Nicht selten seien es an die 10.000 Euro monatlich, die bei einem Patienten für weiterlaufende Medikamentengabe anfallen. Auch bei einer Reha.
Krebs-Medikamente hochwirksam, aber Patienten zögern
Die Medikamente seien in der Regel hochwirksam, wie Studien klar belegen, erläuterte sie an Beispielen. Teilweise seien im Anschluss keine Tumormarker mehr zu finden. Oder zumindest das Sterberisiko der Patienten nehme nachweisbar sehr deutlich ab. In der Reha wären die Betroffenen deshalb darauf angewiesen, dass auch die lebenswichtige Systemtherapie reibungslos weiterlaufe.
Obwohl sie einen Klinikplatz hätten, würden manche Betroffene von einer Reha aber vorläufig absehen, weil die Kostenübernahme der nötigen Medikamentengabe dort nicht rechtzeitig vorab geklärt werden könne. Andere liefen Gefahr, dass die Systemtherapie unterbrochen werde, was medizinisch erhöhte Risiken berge. Für dieses Problem müsse die Politik somit eine Lösung finden, forderte die Chefärztin. Angesprochen fühlen dürfte sich die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Die Bundesrepublik als Reha-Land
Der ökonomische Fußabdruck der medizinischen Versorgung ist beträchtlich. Jeder achte Euro des Bruttoinlandsproduktes (12,7 Prozent) wurde 2022 in der Branche erwirtschaftet.
Bei den Arbeitskräften ist mit 17,7 Prozent sogar fast jeder Fünfte in diesem Bereich tätig, der auch 9,8 Prozent zu den deutschen Exporten beiträgt, rechnete Christin Walsh, Vorsitzende der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (Degemed), in Buckow vor.
Es gibt in Reha & Vorsorge demnach 1200 stationäre und ambulante Anbieter, die mit 180.000 Beschäftigten rund zwei Millionen Leistungsberechtigte pro Jahr versorgen. Die Ausgaben belaufen sich dabei auf etwa 10 Milliarden Euro.

