Studie zu Krebs
: Klinik in Rüdersdorf und Buckow – Neues aus Forschung

Eine Studie belegt, was in der Immanuel Klinik Märkische Schweiz gelebt wird: Sport kann Nebenwirkungen der Krebstherapie lindern. Nun gibt es in Buckow und Rüdersdorf das zweite Krebsforum für Betroffene.
Von
Annemarie Diehr
Rüdersdorf bei Berlin
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Diana Lüftner, ärztliche Leiterin und Chefärztin der Immanuel Klinik Märkische Schweiz in Buckow, vor einem Plakat für das 2. Immanuel Krebsforum

Prof. Dr. Diana Lüftner, ärztliche Leiterin und Chefärztin der Immanuel Klinik Märkische Schweiz in Buckow, hat das Immanuel Krebsforum für Betroffene initiiert.

Annemarie Diehr

Was in der Fachklinik für Onkologische Rehabilitation in Buckow seit Jahren praktiziert wird, ist nun erstmals auch durch eine Studie belegt worden: Sport hilft Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs gegen Schmerzen und Müdigkeit und führt zu einer deutlich besseren Lebensqualität. „Früher hat man gedacht, Patienten mit metastasierten Erkrankungen darf man nicht beüben, weil Knochen, deren Stabilität durch Metastasen beeinträchtigt werden kann, brechen könnten. Das Gegenteil ist der Fall“, sagt Prof. Dr. Diana Lüftner, seit Juni 2022 Chefärztin der Immanuel Klinik Märkische Schweiz. „Wenn man sich nicht bewegt, verursacht nicht die Knochenmetastase, sondern die ungeübte Muskulatur die meisten Schmerzen.“

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr gibt es in Deutschland. „Jede achte Frau in Deutschland wird an Brustkrebs erkranken“, sagt Diana Lüftner mit Blick auf die Statistik. In Buckow werden nicht nur Brustkrebs-, sondern Krebspatientinnen und -patienten allgemein ärztlich und therapeutisch begleitet. Zur ganzheitlichen Behandlung gehören auch Sport und Bewegung. „Für metastasierten Brustkrebs gab es bislang keine Daten zur Bedeutung von Sport“, sagt die Chefärztin. Die Ergebnisse der im Dezember 2023 auf dem Krebskongress im US-amerikanischen St. Antonio vorgestellten internationalen Studie, so die Annahme in der Fachwelt, lassen sich auch auf andere Krebsarten übertragen.

Sport hilft, Nebenwirkungen der Krebstherapie zu reduzieren

„Wer regelmäßig Sport treibt und sich fit fühlt, übersteht auch besser anstrengende Krebstherapien“, fast Prof. Dr. Diana Lüftner zusammen. An den Immanuel Kliniken Rüdersdorf und Märkische Schweiz hat sie im Jahr 2023 das erste Krebsforum für Betroffene initiiert, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet. Am Sonnabend, 15. Juni, 9 bis 13 Uhr, können sich an Krebs Erkrankte sowie deren Angehörige in Vorträgen über unterschiedliche Aspekte der Krebsbehandlung informieren. Einer befasst sich mit komplementären Therapien in der Onkologie und Palliativmedizin. Deren Ziel ist etwa die Linderung von Nebenwirkungen der Krebsbehandlung. „Ingwer beispielsweise ist ein Nahrungsmittel, das gegen Übelkeit und Erbrechen wirkt. Dazu gibt es Daten“, sagt die ärztliche Leiterin der Fachklinik für onkologische Rehabilitation in Buckow.

Preferable-Effect-Studie

357 Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs nahmen an der Preferable-Effect-Studie in Deutschland, Polen, Spanien, Schweden, den Niederlanden und Australien teil. Alle Studienteilnehmerinnen erhielten allgemeine Trainingsempfehlungen. Die Hälfte der Probandinnen beteiligte sich neun Monate lang an einem betreuten Trainingsprogramm, bestehend aus Kraft- und Ausdauertraining sowie Gleichgewichtsübungen. In den ersten sechs Monaten führten sie das Training zweimal wöchentlich durch, in den letzten drei Monaten wurde eine Trainingseinheit durch eine selbständig durchgeführte Trainingseinheit mithilfe einer Trainings-App ersetzt.

Rehaklinik Buckow

In der onkologischen Reha-Klinik in Buckow werden auch Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Krebs motiviert, Sport zu treiben.

Edgar Zippel

Speziell an Brustkrebspatientinnen richtet sich der „PINK!Coach“  — eine digitale Gesundheitsanwendung, die im Rahmen des Krebsforums vorgestellt wird. Es handele sich um eine App auf Rezept, sagt Diana Lüftner, die verschiedene Funktionen wie Ernährungstipps, Bewegungsprogramme, Termin- und Dokumentenverwaltung, Entspannungstechniken und Informationen rund um die Krebserkrankung versammelt. Gründerin der Gesundheitsapp ist Prof. Dr. Pia Wülfing, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Es gibt bisher nur zwei, drei solcher digitalen Gesundheitsanwendungen speziell für die Krebstherapie. Auch sie, ergänzt die Onkologin, habe die PINK-App schon verschrieben.

Rückfallquote bei Brustkrebs liegt in Deutschland bei 13 Prozent

Die meisten Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs sind nach der Therapie geheilt. „Die Rückfallquote bei Brustkrebs in Deutschland liegt bei 13 Prozent“, sagt Prof. Dr. Diana Lüftner. Dazu müsse man wissen: Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs.„ Es handelt sich um biologisch extrem unterschiedliche Erkrankungen, die zusammengefasst sind unter einem Wort, weil diese Erkrankungen aus der Brustdrüse stammen.“ Auch Männer können von Brustkrebs betroffen sein.

Für Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und geheilt wurden, schließt sich an die Therapie die Nachsorge an. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen, so die Chefärztin, umfassen bevorzugt Mammografie und Gespräche. Auf Bildgebungsverfahren wie MRT und CT werde verzichtet, da frühere Studien gezeigt hätten, dass man mithilfe dieser Verfahren Metastasen zwar früher findet, sich das Gesamtüberleben der Patientinnen aber nicht verändert gegenüber Behandlungen, die erst beginnen, wenn Patientinnen Symptome zeigen. „Entweder die Therapie spricht an oder sie spricht nicht an“, begründet Diana Lüftner.

Studie untersucht Nachsorgepraxis bei Brustkrebs

Die Praxis der Nachsorge bei Brustkrebs könnte sich in der Zukunft ändern: Weil es heute viel mehr Therapiemöglichkeiten gibt, mache es möglicherweise Sinn, Metastasen früher zu entdecken, gibt die Onkologin den Gedanken hinter der derzeit laufenden „Survive-Studie“ wieder. Den Nachsorgepatientinnen, die sich an der vom Bundesforschungsministerium geförderten Studie beteiligen, werde regelmäßig Blut abgenommen und dieses auf Tumormarker, zirkulierende Tumorzellen sowie zirkulierende Tumor-DNA untersucht. Wenn die Werte erhöht sind, kriegen die Patientinnen MRT, CT oder PET-CT und dadurch im Zweifelsfall schneller eine moderne Therapie, erläutert die Chefärztin. Ziel der Studie ist herauszustellen, wie sich die Überlebensrate bei der intensivierten Nachsorge zu der bei der Standard-Nachsorge verhält. Viele Patientinnen in Buckow, sagt Prof. Dr. Diana Lüftner, beteiligten sich bereits an der Studie. Weitere Teilnehmerinnen, bei denen 2022 erstmals Brustkrebs diagnostiziert wurde, würden gesucht. Interessierte können sich dazu an ihren Gynäkologen wenden.

Begrüßung zum 2. Immanuel Krebsforum ist an beiden Standorten am Sonnabend, 15. Juni 2024, um 9 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Für Brustkrebspatientinnen gibt es Beratungsgespräche zur plastischen Rekonstruktion mit Dr. med. Uwe von Frischen, für die eine Anmeldung über den Veranstalter erforderlich ist.