MOZ-Sommerserie: Picknick mit Ausblick unterm Pilz
Täler, Schluchten und Höhen, Wasser und Wald, Wiesen und Moor, Sagen und Mythen, Geologie und Naturschutz, Fische und Vögel beobachten und baden gehen – und alles an einem Tag. Geht das? Das geht!
Wer sich mit Kind und Kegel an einem Ferientag zum Kneippkurort Buckow aufmacht, sich anhand der zahlreichen Wegemarkierungen oder der eigenen Landkarte zu solch verlockenden Plätzen wie Poetensteig, Dachsberghütte, Wolfsschlucht, Teufelsstein, Silberkehle oder Echostein führen lässt, der wird mit alledem belohnt. Es braucht nur Lust auf Natur, auf frische Luft und Bewegung, feste Schuhe, Sonnencreme, Mückenschutz und ein kleines Picknick im Rucksack.
Es ist das bewegte Profil auf kleinstem Raum, das diese Landschaft – den Naturpark Märkische Schweiz, eine der Nationalen Naturlandschaften – so interessant macht. Es sind die von den Eiszeitgletschern zurückgelassenen zahlreichen kleinen und größeren Seen, die das Gebiet um den sogenannten Buckower Kessel so abwechslungsreich gestalten. Das ist in dem gerade einmal 200 Quadratkilometer kleinen Naturpark eindrücklich erlebbar.
Höhenmeter auf kleinem Raum
Nicht umsonst hat die Gegend oft genug scherzhaft die Bezeichnung Mini-Alpen erhalten. Wer dort wandert, sollte sich auf kleinem Raum auf ein gefälliges, aber stetiges Hinauf und Hinab einstellen. Ein Blick dazu auf die Wanderkarte mit Höhenangaben überzeugt.
Da ist die „gebirgige“ Seite: Drachenberg 117 m, Krugberg 129,1 m, Dachsberg 105,8 m, Silberberg 87,9 m, aber auch Spitzer Berg 53,4 m, Judendicktenberg 75,3 m oder Luisenberg 77,2 m und das sind längst nicht alle. Das Unten – gemessen an den Seehöhen – liegt demgegenüber bei 20,7 Metern am Großen Tornowsee, Buckowsee 25,5 m, Großer Däbersee 40,7 m, Schermützelsee 26,5 m.
Wie gesagt, alles auf kleinstem Raum, so dass der Gipfelstürmer an einem Tag gleich mehrere Berge erklimmen kann. Wobei erklimmen nicht die rechte Fortbewegungsart trifft, wenngleich die durchschnittlichen Höhenunterschiede von 27 bis 75 Metern über Normalnull manchem schon Atemnot bescheren können. Doch in der Märkischen Schweiz ist statt Leistungswandern eher entspanntes Flanieren und Genießen angesagt. Selbst zur größten Erhebung, dem Krugberg, kann ein gemütlicher Weg durch die wellige Landschaft gewählt werden.
Es geht aber auch anders, soll es mit Tempo eine der Kehlen hinaufgehen, wie es die Sportler zum Halbmarathon einmal im Jahr in der Märkischen Schweiz tun. Dann geht es vorbei an den Seen, am Fließ entlang und durch Kehlen – gebirgsähnliche Einschnitte in der Landschaft, die vor zuletzt 10 000 Jahren durch schnell abfließendes Schmelzwasser der letzten Eiszeit entstanden sind.
Vom großen reißenden Abfluss indes ist heute nur der romantisch dahinplätschernde Stobber oder Stöbber in der Buckower Rinne geblieben. Zu diesem Fließ, das sich südöstlich von Buckow und Waldsieversdorf als Wasserscheide zeigt und mit Fischtreppen im östlichen Teil sogar Aufstiegsmöglichkeiten für Flossenträger besitzt, muss der Wandersmann von den zumeist bewaldeten Höhen dann aber erst einmal wieder hinabsteigen.
Ja, nur an einigen Punkten kann der Blick von luftiger Höhe frei schweifen. Ganz sicher ist es aber nicht die spektakuläre Aussicht, die Familien und Wandergruppen hierher zieht, zumal beispielsweise der Feuerbeobachtungsturm auf dem Krugberg nicht öffentlich zugänglich ist. Über die lieblich-runden waldlosen Hügel und Hänge in Richtung Pritzhagen zu schauen, ist jedoch allemal den Weg dorthin wert.
Außerdem öffnet das weniger Spektakuläre den Blick für die erstaunliche Vielfalt, schärft ihn für die ungezählten Details unterwegs und am Wegesrand. Wer die Zahl 1329 hört, dürfte kaum glauben, dass die Flora der Märkischen Schweiz Heimat für ebenso viele verschiedene Pflanzenarten darstellt. Das ist dann doch wohl spektakulär. Wen wundert es da noch, dass sich in den Grenzen des Naturparks besondere Schutzgebiete, neun Flora-Fauna-Habitate und das europäische Vogelschutzgebiet finden, zusammengefasst im grenzüberschreitenden europäischen Natura-2000-Netz.
Durch zwei solcher FFH-Gebiete – Stobbertal sowie Tornowseen und Pritzhagener Berge – führt beispielsweise der Natura Trail. Er kann an verschiedenen Punkten begonnen oder auch abgekürzt werden und zeigt demjenigen, der ihn begeht, die Märkische Schweiz in ihrer ganzen Vielfalt, mit Berg und Tal, See und Fließ, Feld und Wiese.
Am Anfangs- (Sophienfließ) und/oder am Endpunkt der Wanderung (Stobbertal) verschafft er einen Eindruck von lebendigem Auenwald. Beim Aufstieg durch die Drachenkehle begegnet man schönem Buchenwald, der Weg führt durch sehr intakten Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald, zeigt mit Esche, Ulme, Linde richtigen Schluchtenwald und berührt bei Julianenhof auch offene Landschaften.
Das Urteil des Dichters
Natürlich wird der schönste Aussichtspunkt am Dachsberg dabei nicht ausgelassen. Er liegt etwas unterhalb des eigentlichen Gipfels. Ganz oben soll der Teufel mit Buckowern einst Karten gespielt und verloren haben, weshalb er den dort noch zu sehenden steinernen Tisch voller Wut in zwei Teile spaltete ...
Selbstverständlich kam auch der märkische „Wanderdichter“ Theodor Fontane hier vorbei und schrieb darüber: „Als einer (der) reizendsten Punkte gilt der Dachsberg, ... mit Recht ein Lieblingsplatz der märkischen Touristen.“ Und weiter: „Sogar die Berliner huldigen ihm und das will doch immerhin etwas heißen.“
Natura Trail (Flyer mit 3 Touren)
Eine Tour beginnt an der Schule, führt entlang dem Sophienfließ und über den Poetensteig Richtung Krugberg. Bergan geht es über Jenas Höhe und Teufelsstein zum Dachsberg mit Aussichtspunkt und Blick zum Kleinen Tornowsee. Dem Poetensteig folgend gelangt der Wanderer durch die Silberkehle zum Großen Tornowsee, wo auch baden möglich ist. Weiter geht es zur Pritzhagener Mühle mit Fischtreppe. Durchs Stobbertal kann nach Julianenhof oder am Stobber entlang gleich zurück zum Schweizer Haus in Buckow gewandert werden.⇥rj

