Nachhaltiges Bauen: Strausbergs Entsorgungsflotte bekommt grünes Vorzeige-Heim
Enormer Wärmebedarf
Da die Fahrzeuge in geheizten Hallen stehen müssen und wegen der hohen Hygieneanforderungen im Schmutzwasserbereich besonders viel Warmwasser und Heizenergie im Sozialtrakt gebraucht werden, hat Verbandsvorsteher André Bähler eine energieautarke Systemlösung angeregt, wie er sie bei einem Wohnprojekt in Petershagen-Eggersdorf kennen gelernt hatte. „So kam er auf uns, auch weil ich für den Verband schon kleinere Vorhaben geplant hatte“, erklärt Hochbauplanerin Melanie Rücker die Auswahl des Garzauer Büros Energieinsel Projektentwicklungsgesellschaft mbH. Ihr Mann Denis Rücker ist für die technische Gebäudeausrüstung zuständig: „Wir nutzen alle Möglichkeiten und verfügbaren Energiearten im System“, sagt er. So werden in einem ersten Schritt 30 Meter Abwasserdruckleitung gegen einen Wärmetauscher ausgetauscht, so dass das zwölf Grad warme Abwasser aus Strausberg und aus Hennickendorf in Kombination mit einer Erdwärmebohrung und einer Wärmepumpe zur Energieerzeugung genutzt werden kann. Der Strom für die Wärmepumpe soll von einer Photovoltaikanlage kommen. „Die Erfahrungen dafür haben wir in dem Wohnquartier in Petershagen gesammelt“, sagt Denis Rücker. Angeregt von André Bähler, hat er für die autarke Lösung drei Speichermöglichkeiten entwickelt: Einen leistungsfähigen Akkumulator für den Strom, sechs 1500-Liter-Hochtemperaturkessel für Wasser, die mittels Heizstab von überschüssigem Strom der Photovoltaik erhitzt werden, eine Speichermöglichkeit für Sonnenenergie in der Erde, die dann für die Kühlung der Gebäude im Sommer verwendet werde, wie Rücker erläutert: "Praktisch das Prinzip der umgekehrten Geothermie.“
Dafür hat er die Strausberger Firma aQua-Thermic Bohrgesellschaft ins Boot geholt. „Den Strom selbst zu produzieren, ist gar nicht mehr das große Problem“, erläutert der Energiespezialist, „die Herausforderungen der Zukunft sind Wärme und Kühlung und deren Speicherung möglichst auf dem eigenen Grundstück.“ So gilt das Hauptaugenmerk der ganzheitlichen Lösung: Dass an keiner Stelle Energie vernichtet, sondern immer sinnvoll eingesetzt wird. Dazu sei es zum Beispiel notwendig, die Regelungen der Wärmepumpen selbst zu programmieren. Das lasse derzeit nur ein Hersteller zu. „Andere verweigern den Zugriff auf ihre Quelldateien und fallen somit aus unseren potenziellen Zulieferern heraus“, sagt Denis Rücker.
Inklusive Wetterprognose
Den elektrischen und elektronischen Geräten unterschiedlichen Herstellern und Arten, die in den Komplex der technischen Gebäudeausrüstung eingebunden sind, jeweils verständlich zu machen, was sie wann zu tun und zu lassen haben, damit das energieautarke System unter allen Wetterbedingungen funktioniert, lässt ahnen, was künstliche Intelligenz vermag. „Es fließen die Wetterprognosen der nächsten fünf Tage ein: Heute scheint die Sonne bei 25 Grad, es kühlt sich ab und bewölkt sich zum Wochenende – der Warmwasserspeicher wird gefüllt, während die Büros gekühlt werden“, erläutert Denis Rücker. Im Dezember soll der Bau komplett sein.

