Dietmar Graf, langjähriger Vorsitzender des FM-Briefmarkenvereins Fredersdorf, ist nicht nur seit Jahrzehnten von der Sammelleidenschaft für das erfüllt, was andere eher beiläufig bis lieblos als postalisches "Beförderungsentgelt" auf den Briefumschlag kleben. Mit dem Sammeln kam auch das historische Interesse, das Wühlen in der Geschichte zu besonderen Marken.  Dabei ist der ehemalige Apotheker aus Petershagen auch auf das spezielle Kapital der Not-Marken aus den ersten Wochen unmittelbar nach Kriegsende 1945, in dem auch Fredersdorf eine Rolle spielt, gestoßen: "Ich bin da immer neugierig, gehe den Dingen auf den Grund."
Unterschiede zum Westen
Anders als im Westen, der von den Alliierten schon seit dem zeitigen Frühjahr 1945 befreit wurde und wo die Briten und Amerikaner Marken mitbrachten, lag der Postbetrieb in der Sowjetischen Besatzungszone kurz nach der Kapitulation der verbliebenen Nazi-Truppen noch völlig darnieder. Doch es gab mehrere lokale und regionale Versuche, zumindest einen Notbetrieb wieder aufzubauen, blättert Graf an den sorgsam in einem Ordner gehüteten Beispielen. Im sächsischen Löbau lief das bereits ab dem 30. Mai bis in den Juli, Görlitz und Niesky im ehemaligen Niederschlesien gaben ab 12. Juni und 26. Juli Not-Marken aus. Eine Besonderheit sind die sogenannten "Sächsischen Schwärzungen", die ab 12. Mai im Umlauf waren: Es handelte sich noch um die alten Hitler-Marken, doch das Konterfei war unkenntlich gemacht. In anderen Fällen gab es Aufdrucke wie "Deutschlands Verderber". Oder ersatzweise einfach Stempel mit "Gebühr bezahlt" statt einer echten Marke: "Das war nichts vollkommen Neues, war auch früher schon mal üblich, wenn Leute bar bezahlten", wie Graf anmerkt.
Im Postbereich Fredersdorf dauerte diese Übergangszeit mit verschiedenen Variationen von Not-Marken gut ein halbes Jahr, von Juni 1945 bis zum Februar 1946. In Brandenburg, zeigt seine Sammlung, war Erkner die erste Post, die am 12. Mai wieder eröffnet wurde. In Bad Saarow, bald danach, operierte man bis in den August hinein mit sogenannten "Postverschlusszetteln". In Fredersdorf, Nummer drei in dieser Reihe, wurden eigene Marken vom 19. Juni an mit Gültigkeit bis 28. Oktober ausgegeben. Die überdruckten Hitlermarken verschwanden nach dem 8. August endgültig. "Und ab Oktober waren dann die Berliner Bärenmarken auch bei uns gültig", wie Dietmar Graf erklärt.
Dass es überhaupt lokal so schnell wieder losging, war Franz Massino (1895–1983) zu verdanken. Der politisch unbelastete Fredersdorfer Postinspektor erwies sich als engagiert und einfallsreich. Er hatte ein Petschaft (Siegelstempel) mit dem Kürzel FM. Ob sich dahinter seine persönlichen Initialen, "Fredersdorfer Marke" oder was auch immer verbargen, ist nie genau geklärt worden. Jedenfalls datiert vom 15. Juni 1945 Massinos Bekanntmachung, dass drei Tage später der Postbetrieb wieder startete – in den vier vorgenannten Orten sowie Altlandsberg, Krummensee, Seeberg, Seefeld, Neuhönow, Paulshof und Löhme wurden Briefe per Fahrrad ausgeliefert. "Es wird darauf hingewiesen, dass nur gewöhnliche Sendungen zulässig sind und eine volle Gewähr noch nicht übernommen werden kann (...)", hieß es damals.
Ortsbrief kostete acht Pfennig
Marken gab es zum Nennwert von fünf, sechs, acht und zwölf Pfennig. "Ein Ortsbrief kostete acht, eine Karte sechs", der Fernbrief war mit zwölf zu frankieren. Immerhin fünf Postkästen waren schon wieder reaktiviert, selbst die Öffnungszeiten des Postamtes sind überliefert. Mangels neuer echter Marken wurden eine Weile einfach Etiketten mit einem Kürzel versehen, das mit persönlicher Zuordnung die Annahme des Betrages quittierte. "Ma" stand dabei für Postmeister Massino, außerdem gab es Wg, Ko, Bar, Ri und Lo für die Kolleginnen Wagner, Kohn, Baran, Richter und Loose. "Frau Wagner kannte ich noch, die war später bei uns in der Petershagener Filiale", erinnert sich Graf, der seit 1959 im Ort wohnt. Als die Etiketten knapp wurden, kam Hilfe aus Neuenhagen – in Form einiger unverbrauchter Bögen noch aus der Inflationszeit.
Viel Aufwand hat Dietmar Graf in die Recherchen gesteckt, sich 2008 auch mit Brigitta Stanneck, der später nach Schweden ausgewanderten Tochter Massinos, ausgetauscht. "Von ihr habe ich mehrere Bilder bekommen, und sie kannte auch noch das FM-Petschaft, hat ihrem Vater damals zu Hause beim Überstempeln geholfen." Einen zweiten Petschaftsstempel, den Graf von dem später noch in Bruchmühle wohnhaften Massino-Sohn Bernard bekam, hat er inzwischen ans Museum für Kommunikation weitergereicht. Der Postmeister hatte sich zudem bei einem örtlichen Stempelmacher, dessen Dienste auch Graf später als Apotheker in Anspruch nahm, einen speziellen Ovalstempel anfertigen lassen.
Die überdruckten Hitler- und Volkssturmmarken gingen auch in Fredersdorf mit Anordnung der Sowjetischen Militäradministration zum 8. August 1945 endgültig außer Betrieb. Bis zum 31. Oktober gab es noch eine Sondermarke "Rettet das Kind". Die neuen Oberpostdirektionen in Potsdam und Berlin waren zu dieser Zeit dann arbeitsfähig.

FM-Briefmarkenverein Fredersdorf


Seine Ursprünge kann der örtliche Briefmarkensammlerverein "FM" bis ins Jahr 1950 zurückverfolgen. Zu DDR-Zeiten bestanden die Mitglieder als Gruppe unter dem breiten Dach des Kulturbundes. Etwa 50 Philatelisten aus Fredersdorf und den Nachbarorten waren zu Höchstzeiten vereint.

Seit der Umstrukturierung nach der Wende bestehen die Briefmarkenfreunde als eingetragener Verein, derzeit seien sie 21 Mitglieder, sagt der langjährige Vorsitzende Dietmar Graf. Er hat die Leitung der Gruppe vor einiger Zeit in jüngere Hände gelegt, sein Nachfolger ist nun der bisherige Stellvertreter Uwe Schwenzer. Damit ist der Generationswechsel an der Spitze gelungen. Jugendlichen Nachwuchs zu gewinnen, ist aber nicht so einfach.

Zum Tausch-Treff für Briefmarken, Postkarten, Briefe etc. wird jeden letzten Sonntag im Monat ab 9 Uhr geladen, die nächsten Male am 24. November und (eine Ausnahme wegen Weihnachten) am 15. Dezember. Dazu kommen monatliche Vereinsabende, oft mit Vorträgen und Diskussionen. Alle Veranstaltungen finden im Hotel "Flora" in Fredersdorf, Florastraße 15, statt. bg