Naturschutz
: Hier sind Schwalben willkommen

Der Hennickendorfer Jürgen Lemke ist für Unterstützung von Vögeln geehrt worden. 600 Schwalben wuchsen 2018 dort auf.
Von
Uwe Spranger
Hennickendorf
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Mit Urkunde und Plakette: Andreas Hinz (l.) vom Naturschutzbund Petershagen bringt dem Hennickendorfer Müller Jürgen Lemke die Auszeichnung "Schwalben willkommen" vom Nabu-Landesverband.

Uwe Spranger

„Sie hätten kommen müssen, wenn die Tiere wirklich da sind, so vielleicht ab Ende März“, begrüßte Jürgen Lemke am Vormittag in seiner Mühle Anja Augsten und Andreas Hinz vom Nabu Petershagen. Die beiden wollen die Unterstützung für die an Gebäuden nistenden Vogelarten in der Region forcieren und hatten von den vielfältigen Hilfen gehört, die die Hennickendorfer Familie Schwalben zuteil werden lässt. Unter dem Vorwand, sie wollten sich dies einmal ansehen, hatten sie sich mit dem 41–Jährigen verabredet, um dem Ahnungslosen dann die Acrylglas–Plakette zu überreichen.

Auf dem Hof sind nach seinen Angaben im vorigen Jahr zwischen 600 und 700 Schwalben groß geworden, vor allem Rauchschwalben. „Sie haben dreimal gebrütet“, erzählt er. Allerdings kämen erfahrungsgemäß nicht viele wieder, so seine Beobachtung. „Ich weiß auch nicht, woran es liegt.“ Speziell Mehlschwalben, die einst mit mehr als 50 Paaren vertreten waren, blieben zuletzt fast komplett aus.

Generell zeige sich  bei Schwalben seit Jahren eine stetig abnehmende Tendenz, hat der Nabu registriert. Die Rauchschwalbe musste bereits in die Rote Liste der gefährdeten Arten Brandenburgs aufgenommen werden. Aktuell geht man von 37 000 bis 55 000 Brutpaaren aus, weniger als ein Viertel gegenüber Mitte der 1990er–Jahre. Bei Mehlschwalben sieht es nicht viel besser aus. Derzeit gebe es noch 42 000 bis  65 000 Brutpaare.

Vor allem Veränderungen in der Landwirtschaft und zunehmende Versiegelung sind die Gründe. Zudem duldeten Menschen kaum noch Nester an Wohnhäusern, Nebengebäuden und Ställen. Mit dem Projekt „Schwalben willkommen“ wolle man das Problem verdeutlichen sowie Bürger zu mehr Toleranz gegenüber den Vögeln bewegen und motivieren, sich für deren Schutz einzusetzen.

Lemke muss man dazu nicht überzeugen. Er hat ohnehin etwas für Tiere übrig. Ohne Pferde, Esel und Kühe auf dem Hof oder zumindest in der Nähe bräuchte man mit Schwalben gar nicht anfangen, weiß er. Mit Tieren seien auch ausreichend Insekten als Nahrung für die Vögel da. Zudem brauche es „Baumaterial“ für die Schwalben, mindestens feuchte Bereiche. Er habe sogar schon eigens Lehm herangeholt, erzählt er.

Lemke hat auch etliche künstliche Nester angebracht. "Ich habe gerade noch mal 20 gekauft.“ Allein ein gutes Dutzend hängt bereits unter dem Dach der Toreinfahrt. Die meisten sind aber unbenutzt. Lediglich ein Becher, den er irgendwann mal aufgehängt habe, werde regelmäßig bezogen, erzählt er. Es sei wohl unterm Dach zu heiß. Vielleicht könne man das ja isolieren, hat er schon die nächste Idee.

Beliebteste Brutplätze der Schwalben seien der Pferdestall und das Mühlengebäude selbst, zeigt er. In der Mühle hat er allerdings den Aktionsradius inzwischen etwas eingeschränkt, hat bestimmte Bereiche mit Netzen abgespannt. Vor allem aus hygienischen Gründen, erklärt er mit Hinweis auf die dort lagernden Futtersäcke. Ansonsten habe er kein größeres Problem mit dem Vogelkot, brauche es nicht absolut clean, sagt er.

Derzeit ist er mit seiner Frau am Überlegen, ob sie vielleicht eine Kamera für die Brutsaison installieren können und die Bilder in den Hofladen übertragen. Wenn Kindergruppen sich die Mühle zeigen lassen und dann im Haus die Vögel entdeckten, sei das Interesse dafür meist größer als das für die historische Technik, die in dem Gebäude ebenfalls zeigenswert ist. Seit Längerem bemüht sich Lemke dafür um touristische Hinweisschilder im Ort.

Die Schwalben–Plakette hat ihren Ort jedenfalls sogleich bekommen. Am Tor neben den Öffnungszeiten. So falle sie sowohl Kunden ins Auge als auch Spaziergängern, wenn geschlossen ist.

Infos zur Schwalbenhilfe: https://bit.ly/1YGHNEf