Noch zeichnet sich keine Lösung bei der Rüdersdorfer Kleiderkammer mit angeschlossener Tafel und Möbelhof ab, aber man ist in Gesprächen. So teilte es Bürgermeisterin Sabine Löser der Gemeindevertretung mit. Aber auch Klaus Bachmayer, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbands Märkisch-Oder-Havel-Spree und seit Mitte vorigen Jahres Geschäftsführer vom Trainings- und Schulungszentrum Fürstenwalde (TSZ), sieht durchaus Spielraum für eine Einigung.

Kündigung zum Ende des Jahres

Wie die MOZ berichtete, hat das TSZ als Träger von Kleiderkammer, Tafel und Möbelhof den Vertrag mit der Gemeinde zum Jahresende fristgerecht gekündigt. Das würde bedeuten, dass es diese sozialen Einrichtungen im nächsten Jahr nicht mehr geben würde, wenn sich TSZ und Gemeinde nicht bis dahin einigen oder ein neuer Betreiber die Einrichtungen übernimmt. Von Letzterem ist eher nicht auszugehen, da die Betreibung nur mit einem beträchtlichen finanziellen Aufwand möglich ist.
Im Gespräch stellt Bachmayer klar, dass er als Geschäftsführer des TSZ, dem eigentlichen Träger der Angebote, an einer Weiterführung interessiert sei. Doch die Rahmenbedingungen dafür stimmen derzeit nicht, begründet er. Mit 22.000 Euro Defizit wird er das Jahr für die sozialen Angebote abrechnen müssen. Wenn es hart kommt, steht sogar die Gemeinnützigkeit des TSZ auf dem Spiel, denn rechtlich darf solch eine Organisation keine dauerhaften Verluste machen. „Da ist also Handeln angesagt“, erklärt Bachmayer.

Der Markt für Altkleider ist tot

Das Finanzierungsmodell, das seit der Gründung der Kleiderkammer vor fast 30 und bis vor einigen Jahren funktionierte, ist weggebrochen. „Der Markt für alte Kleidung ist total zusammengebrochen, seit Corona tot. Wir haben sechs Kleidercontainer im Rüdersdorfer Gemeindegebiet stehen, deren gespendete Kleidung direkt der Kleiderkammer des TSZ zur Verfügung steht. Aufgrund des Wegfalls der Einnahmen aus der Verwertung der nicht in den insgesamt sieben Kleiderkammern des DRK-Kreisverbandes ausgereichten Textilien stehen derzeit keine Mittel zur Deckung der Kosten zur Verfügung. Ohne finanzielle Unterstützung, dem Defizitausgleich, kann sich dieses Angebot am Standort Rüdersdorf nicht halten“, erklärt Bachmayer. Zwar sind viele Mitarbeiter der Kleiderkammer und Tafel ehrenamtlich tätig, aber eben nicht alle. Zudem müssen Kosten für Strom, Heizung und die Bereitstellung von Fahrzeugen vom TSZ getragen werden, die trotz Mietfreiheit auch irgendwie erwirtschaftet werden müssen.
Auch ist ungeklärt, wie es mit den Gebäuden weitergeht. „Mit dem ehemaligen Bürgermeister André Schaller waren wir schon im Gespräch, eine andere Lösung als die Bestehende zu finden. Da war auch mal ein Neubau in der Woltersdorfer Straße im Gespräch, doch weiterverfolgt wurden diese Ideen bis jetzt nicht. Wir haben erhebliche Bedenken, dass es bei einem etwaigen Weiterbetrieb im baurechtlichen und brandschutztechnischen Bereich der Kleiderkammer sowie im Bereich der Hygiene der Tafel zu weitreichenden Auflagen kommen könnte“, erklärt Bachmayer.

Klare Perspektive für die Weiterführung gefordert

Gleichzeitig stellt er aber klar, dass er sich mit dem TSZ nicht aus der Verantwortung stehlen will, sondern klare Perspektiven, zusammen mit der Gemeinde, gesucht werden müssen, wenn man das Angebot weiterbetreiben möchte.
In der vorigen Woche gab es ein Gespräch zwischen Träger TSZ und Gemeinde, das allgemein als sehr konstruktiv eingeschätzt wurde. So wurden Ausweichobjekte genannt, in denen die Angebote ein neues Zuhause finden könnten. Auch Bachmayer hat sich Gedanken für einen anderen Standort gemacht. „Wir betreiben als DRK die Kita Sperlingshausen in der Neuen Vogelsdorfer Straße. Diese soll jetzt durch die Gemeinde saniert werden. Die gemeinsame Planung hat bereits begonnen. Wenn dort während der Bauarbeiten übergangsweise Container für die Betreuung der Kinder zum Einsatz kommen würden, könnte man diese im Anschluss stehen lassen und für die sozialen Angebote nutzen. Platz ist dort genug“, sagt er. Aber die Gemeinde überlegt, ob die Sanierung nicht im laufenden Betrieb erfolgt, dann wäre dies keine Alternative. Doch auch da hat Bachmayer einen Vorschlag: „Das Gelände gibt so viel her, da wäre im Zuge der Baumaßnahmen auch ein Anbau bzw. Neubau möglich.“

Möbelhof ist nicht zu retten

Den größten Raumbedarf hat der Möbelhof. Doch darin sieht Bachmayer ein Auslaufmodell. „Das ist noch ein Relikt aus der Zeit vor Hartz IV, als Leute tatsächlich auf Möbelspenden angewiesen waren. Heutzutage wird das kaum noch genutzt“, weiß er aus Erfahrung der anderen Standorte, die unter der Trägerschaft des DRK betrieben werden. Da hatte Bürgermeisterin Sabine Löser schon eine Alternative parat, eine Börse, auch im Internet, in der sich Abgebende und Suchende ohne den Umweg der Lagerhaltung kurzschließen könnten.
„Wir müssen jetzt gemeinsam Lösungen finden, die allen Interessen, also allen voran denen der Bedürftigen, der Gemeinde und denen eines zukünftigen Betreibers, gerecht werden. Lediglich dem TSZ oder dem DRK den schwarzen Peter zuzuschieben, weil der langjährige Vertrag aus sachlichen Gründen gekündigt wurde, ist wohl eher nicht zielführend und verschleiert die tatsächlichen Ursachen. TSZ und Rotes Kreuz sind selbstverständlich weiter im Boot, wenn die grundlegenden Rahmenbedingungen stimmen“, erklärt Bachmayer.