Tesla Grünheide: 1500 Menschen im Protest-Camp erwartet

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Tesla-Protestcamps in Grünheide trainieren Aktionsformen des zivilen Ungehorsams. Hier wird geübt, wie man sich am besten verhält, wenn die Polizei eine Sitzblockade auflöst.
Dennis Lloyd BrätschGegen eine Erweiterung der Gigafactory von Tesla, für den Schutz von Wald und Wasser sowie eine Mobilitätswende: Zahlreiche Bündnisse und Initiativen haben dazu aufgerufen, sich an den bis Sonntag (12. Mai) in und um Grünheide geplanten Protestaktionen zu beteiligen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort und wird von Einsatzkräften aus anderen Bundesländern unterstützt.
Bereits seit Tagen trudeln überwiegend junge Leute in der Region ein, um sich den Protesten gegen den US-Autobauer und seine geplante Werkserweiterung anzuschließen. Die meisten von ihnen steuern das vom Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“ organisierte Protestcamp auf der Festwiese in Grünheide an. Laut Bündnis-Sprecherin Esther Kamm werden dort bis zum Wochenende bis zu 1500 Menschen erwartet. „Wir sind sehr froh, dass uns so viele Menschen unterstützen“, sagte Manu Hoyer von der Bürgerinitiative (BI) Grünheide, die auch dem Bündnis angehört.
„Die Stimmung ist gut ‒ fast wie auf einem Musikfestival“, sagte ein Besucher. Von Aggressionen und Gewalt war auf der Festwiese am Herrentag (9. Mai) jedenfalls nichts zu spüren. Viele Bewohnerinnen und Bewohner des Camps beteiligten sich an Diskussionsrunden zu aktuellen Themen wie der Klimakrise, belegten Workshops zum Wasser- und Waldschutz und übten Aktionsformen zivilen Ungehorsams wie zum Beispiel Sitzblockaden ein.
Tesla Grünheide: Protestaktionen und Demonstration
„Wir kämpfen gegen die Tesla-Erweiterung“, sagte Bündnis-Sprecherin Kamm. Der E-Autobauer verschärfe die Wasserkrise in der Region und verschmutze die Umwelt. Dass die Landesregierung Druck auf die Gemeindevertreter von Grünheide ausübten, für die Erweiterung zu stimmen, sei eine Frechheit, so die Bündnis-Sprecherin. „Das fördert die Politikverdrossenheit.“ Zumal sich mehr als 62 Prozent der Grünheider bei einer Bürgerbefragung dagegen ausgesprochen hätten.
Das Bündnis kündigte in den nächsten Tagen gemeinsame Protestaktionen mit den Waldbesetzern und anderen Aktivisten und Initiativen an. Nähere Informationen gab es dazu zunächst nicht. Bekannt ist nur, dass am Sonnabend (11. Mai) eine Demonstration mit mehreren Tausend Teilnehmern geplant ist. Start ist um 14 Uhr am Bahnhof Fangschleuse. Die Protestierer wollen dann in Richtung Tesla ziehen.
Angst vor Anschlag
Wie weit sie kommen, wird sich zeigen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot und Unterstützung aus anderen Bundesländern vor Ort. Die Furcht vor einem Anschlag oder gewalttätigen Protesten ist offensichtlich groß. Das Tesla-Werk ist inzwischen abgeriegelt. Nicht alle finden die starke Polizeipräsenz gut. „Ich persönlich nehme das als Bedrohung wahr“, sagte Manu Hoyer von der BI Grünheide. „Wir werden kriminalisiert. Dabei kämpfen wir seit Jahren friedlich gegen Tesla."

