Tischtennis
: Den Tiger aus dem Tank lassen

Über Umwegen fand Conny Walter zum Tischtennis. Inzwischen trainiert sie bei Blau-Weiß Eggersdorf seit fast zehn Jahren erfolgreich den Nachwuchs.
Von
Edgar Nemschok
Petershagen-Eggersdorf
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  • Letzte  Absprachen: Conny Walter mit ihren Jungs beim Abschlusstraining vor dem Ranglistenturnier in Neuhardenberg.

    Letzte  Absprachen: Conny Walter mit ihren Jungs beim Abschlusstraining vor dem Ranglistenturnier in Neuhardenberg.

    Edgar NEmschok
  • Immer hundert Prozent: So kennt man Conny Walter, wenn sie selber am Tisch aktiv ist, konzentriert und mit viel Einsatz.

    Immer hundert Prozent: So kennt man Conny Walter, wenn sie selber am Tisch aktiv ist, konzentriert und mit viel Einsatz.

    Edgar Nemschok
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Am Wochenende werden in der Sporthalle der Grundschule Neuhardenberg die Ranglisten in den Altersklassen und die Qualifikation für die Landesbereichsranglisten im Tischtennis ausgetragen. Mit dabei ist auch das Team von Blau-Weiß Eggersdorf.

Neuhardenberg ist am Wochenende Gastgeber für den Tischtennis-Nachwuchs des Landkreises Märkisch-Oderland.  Es geht um die aktuelle Rangliste und zugleich um die Qualifikation für die Landesbereichsrangliste. Am Sonnabend werden die C-Schüler (Jahrgang 2009 und jünger) und die A-Schüler (Jahrgang 2005 und jünger) an den Tischen stehen. Weiter geht es am Sonntag. Dann sind die B-Schüler (Jahrgang 2007 und jünger) sowie die Jungen und Mädchen (Jahrgang 2002 und jünger) an der Reihe. Beginn ist um 9.30 Uhr. Achtung: Der Meldeschluss ist jeweils um 9 Uhr).

Gut vorbereitet sind auch die Jungs der SG Blau-Weiß Eggersdorf mit ihrer Trainerin Conny Walter. „Ja, das stimmt, aber ich mach das nicht allein“, schränkt sie gleich ein, obwohl jeder bei Blau-Weiß weiß, ohne Conny Walter geht gar nichts. Und sie ist inzwischen auch ein wenig stolz, dass sie seit fast zehn Jahren im Verein tätig ist. „Es ist im Mai so weit, und da werde ich bestimmt auch eine Sektflasche köpfen.“

Die Abteilung Tischtennis bei Blau-Weiß Eggersdorf vereint 29 Erwachsene und 20 Kinder. „Leider haben wir Kapazitätsprob­leme und können keine weiteren Kinder mehr aufnehmen“, sagt Conny Walter, die mindestens dreimal in der Woche in der Halle an der Grundschule Eggersdorf ist und das Training leitet. „Wir haben sogar Wartelisten, auch weil es zum Beispiel im benachbarten Strausberg keine  Nachwuchsabteilung mehr gibt. Das ist sehr schade, weil Tischtennis gerade für Kinder ein absolut toller Sport ist.“ Sie sagt, dass Tischtennis ein sehr umfassender Sport sei, der gerade bei Kindern die koordinativen Fähigkeiten fördere. Zudem werde in kleinen Teams gespielt. Dabei sei die Rolle jedes Einzelnen viel wichtiger als in anderen Mannschaftssportarten.

Conny Walter selbst kam über Umwege zum Sport mit dem kleinen weißen Ball. Angefangen hat sie mit Handball in Fredersdorf. „Wäre Klaus Häcker mein Trainer geblieben, hätte ich auch weiter Handball gespielt“, erinnert sich die inzwischen 50-Jährige. Aber es gab einen Wechsel auf der Postion. „Das ist mir damals sehr schwer gefallen. Aber ich bin ein absoluter Teamplayer, und nur wenn ich mich auch richtig wohl fühle, macht mir das Ganze auch Spaß. Der Trainer, der kam, hatte einen ganz anderen Stil als Klaus Häcker“, sagt die damals durchaus erfolgreiche Kreisläuferin.

Ihr Cousin Marcus Bonin war es schließlich, der ihr Tischtennis empfahl. „Das hatte mich sofort begeistert“, sagt sie heute. Beim Tischtennis ist sie geblieben und ist auch heute selber noch aktiv. Sie gehört der Frauen-Mannschaft des SV Blau-Weiß Petershagen an. Diese spielt in der Verbandsoberliga und kann sich dort auch seit einigen Spielzeiten gut behaupten. „Eine harte Woche, aber der Aufwand lohnt sich“, sagt die gelernte Bürokauffrau. „In der Woche dreimal Training, Sonnabend den ganzen Tag in Neuhardenberg und Sonntag selber spielen  in Neukölln. Ganz ehrlich, das Training mit den Jungs macht mir großen Spaß.“

Conny Walter sagt zu den Erfolgsaussichten in Neuhardenberg: „Jeder Punkt und jedes Spiel, das wir gewinnen, ist ein Erfolg. Mir ist es nicht ganz so wichtig, ob wir mit zahlreichen Urkunden, Medaillen oder Pokalen wieder nach Eggersdorf fahren. Die Kinder sollen Freude am Sport haben. Sie sollen sich bewegen und über den Sport lernen.“ Dabei spricht sie über Werte wie Disziplin und Teamfähigkeit. „Was mich zum Beispiel aufregt, ist, wenn wir ein Spiel haben und die Mannschaftsmitglieder nebenbei am Handy spielen, nicht mitfiebern und ihre Mannschaft nicht anfeuern. Ich möchte, dass meine Jungs immer den Tiger aus dem Tank lassen.“

„Das machen wir auch“, verspricht Julian Dinter, der seit drei Jahren bei Blau-Weiß spielt. Der 13-Jährige schätzt seine Trainerin sehr. „Ich habe sehr viel bei ihr gelernt, und das Training macht wirklich Spaß“, sagt Dinter. Er spielt mit seiner Schülermannschaft in der Kreisliga und liegt in der Tabelle derzeit auf Platz vier.

Einen ganz anderen Hintergrund hat das Training für Dirk Scheining. Der 40-Jährige ist an Multipler Sklerose erkrankt. „Ich bin so dankbar, dass ich hier mittrainieren darf“, sagt er. „Das habe ich auch Conny zu verdanken. Bei den Männern wäre es nicht gegangen, da dort das Tempo deutlich zu hoch ist. Die Jungs haben mich hier gut aufgenommen. Der Sport tut mir sehr gut, und ich fühle mich sehr wohl“, sagt er und berichtet, dass er fast bei jedem Training dabei ist.