Tourismus: Rüdersdorfer stechen vom neuen Bootsanleger in „See“
Schließlich sind der kleine Hafen an der Heinitzstraße nebst Uferwiese und sein etwas opulenteres Pendant am Start im östlichen Nachbarland im Rahmen eines EU–Interreg–Projekts unter dem Motto „Uns verbinden Flüsse“ zum Ausbau der grenzüberschreitenden wassertouristischen Infrastruktur entstanden.
Um den Beweis zu erbringen, dass beide Orte tatsächlich durch Wasserwege miteinander verbunden sind, steigen am Tag nach der Eröffnung der Anlegestelle im polnischen Santok Rüdersdorfer Verwaltungsmitarbeiter ins Kajak, um die Strecke mit Muskelkraft zu absolvieren. „Wir hatten überlegt, was wir machen können, und da mein Mitarbeiter Alexander Reetz und ich beide Wassersportler sind, kamen wir auf die Idee“, erzählt Bürgermeisterin Sabine Löser. Ursprünglich sollte die Tour sogar zum Tag der Deutschen Einheit stattfinden, aber das hatte aus terminlichen Gründen bei den polnischen Partnern nicht geklappt. Weil es dort am 19. September ein historisches Burgfest gibt, wurde die Hafeneröffnung in die Feiern integriert. Die Bürgermeisterin nannte die Tour eine „wunderbare Geste“, die zugleich gut vermarktbar sei: Rüdersdorf sei in den Köpfen zumeist mit Industrie und deren Geschichte verbunden, nun könne die herrliche Lage am Wasser in den Fokus gerückt werden.
Sabine Löser wird drei der insgesamt acht Etappen bestreiten — den Auftakt, die Strecke mit Zielort Frankfurt (Oder)/Slubice und den Schlussabschnitt von Erkner nach Rüdersdorf. Unterwegs würden weitere „kulturell bedeutende Orte“ wie Kostrzyn, Eisenhüttenstadt, Müllrose und Fürstenwalde passiert, erzählt Alexander Reetz. In Santok, der Wiege Polens, nur zehn Kilometer von Gorzów Wielkopolski entfernt, fänden sich archäologische Spuren, die bereits auf eine Besiedlung während der Römerzeit hindeuteten. Deshalb werde neben der Bootsanlegestelle auch ein Museum der Archäologie eröffnet. Am Zielort gibt es mit dem Museumspark ebenfalls eine überregional bedeutende Stätte, ein Zeugnis der Industriekultur. Immerhin geht die Verwendung des Rüdersdorfer Kalksteins bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Die Besatzungen für die Abschnitte stehen fest, aber die Organisatoren hoffen, dass Vertreter aus dem polnischen Santok ebenso wie Vereine aus Rüdersdorf oder den Kommunen entlang der Strecke die Tour begleiten. „Wir würden gern alle Etappen mit zwei Booten bestreiten“, sagte Sabine Löser, die zum Beispiel auf Ruderer oder Feuerwehrleute setzt. Zwei Kajaks sind auch beim Verleiher in Hangelsberg geordert. Etwas Erfahrung im Boot sollte man aber haben, denn pro Tag sind zwischen 25 und 36 Kilometer zu bewältigen. An den Zielorten sei ein Austausch mit Vertretern aus Verwaltungen und Vereinen geplant. Die MOZ wird berichten. Ab Kostrzyn werden die Paddler von der DLRG auf der Oder gegen den Strom begleitet.
Am 27. September wird die Delegation dann gegen 13 Uhr auf dem Kalksee erwartet und mit einem Bootskorso zur neuen Anlegestelle am Museumspark fahren, die nach zweijähriger Bauzeit feierlich eröffnet wird. „Da wird kein Rummel stehen, der Riesenauflauf und Berliner Gäste bringt, sondern es wird eine kleine Feier mit der Bergkapelle und Corona–konformen Bedingungen“, kündigt die Bürgermeisterin an. In dem Rahmen soll dann auch die ohnehin bereits bestehende Städtefreundschaft zwischen Santok und Rüdersdorf formal besiegelt werden.
Hoher Anteil an Förderung
Die Gesamtkosten für die Anlegestelle nebst Uferwiese betrugen laut Gemeindeverwaltung in Rüdersdorf knapp 1,1 Millionen Euro, davon gut 900 000 Euro aus Fördermitteln. Auf polnischer Seite wurden rund 975 000 Euro investiert, davon waren gut 830 000 Euro Zuschüsse.

