Umwelt: Ursachen für Wasserverlust des Straussee gefunden

Da fehlt ein Meter: Der Rückgang des Wasserspiegels des Straussees ist am Fichteplatz Strausberg mit Blick auf die derzeit stillgelegte Fähre gut zu sehen. Die Gutachter von Ecosax Dresden haben den Klimawandel als die Hauptursache benannt.
Gerd Markert/MOZDas ergab das Gutachten, das die Stadt mit Förderung durch das Landesumweltamt in Auftrag gegeben hatte.
Corona verhindert Präsentation
Dienstreiseverbot wegen des Coronavirus — damit musste die öffentliche Präsentation des lange erwarteten Gutachtens zunächst ausfallen. Doch haben die beteiligten Mitarbeiter der Firmen BGD Ecosax GmbH, DHI WASY GmbH und Wissenschaftler der TU Dresden offensichtlich pünktlich geliefert, so dass die Verwaltung eine Zusammenfassung der Untersuchung bekannt machen konnte. Hauptziel der Gutachter war es, herauszufinden, warum der Wasserspiegel zwischen 2013 und 2018 um rund einen Meter auf 64,60 Meter über dem Meeresspiegel gesunken ist. Sie kommen im Ergebnis zu „einer Überlagerung mehrerer Einflussfaktoren“: Hauptursache sind die Abnahme des Niederschlags (insbesondere des Winterniederschlags) sowie die Zunahme der Sommertemperaturen, die eine erhöhte Verdunstung im Gebiet des Straussees zur Folge hatte. „Weitere Ursachen sind Grundwasserentnahmen und die derzeitige Landnutzung.“
Die Hintergründe:
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Für ihre Berechnungen haben die Experten verfügbare Daten und Altgutachten gesichtet, Messwerte und Sediment– bzw. Wasserproben erhoben. Damit konnte ein umfangreiches Wasserhaushaltsmodell erstellt werden, das die Entwicklung des Pegelstandes zwischen 2009 und 2018 veranschaulicht. Daraus gehe hervor, dass dem Straussee zur Sicherung des Mittelwasserstandes zwischen 2012 und 2018 im Durchschnitt 14 Liter pro Sekunde fehlten. Die Wasserexperten haben verschiedene Maßnahmen für den Zeitraum 2009 bis 2018 simuliert: eine Fremdwasserstützung durch Wasserüberleitung aus dem Gamengrund und eine Verringerung der Wasserentnahmen auf die durchschnittliche Rate vor dem Jahr 2014. Dadurch würde sich der Wasserstand um etwa 20 Zentimeter erhöhen. Außerdem könne die Änderung der Landnutzung die Grundwasserneubildung fördern, das hieße: mehr Wiesen statt Nadelwald brächten 30 Zentimeter mehr Wasser.
Entnahme plus — Pegel minus
Eine weitere Erhöhung der Entnahmemenge um etwa eine Million Kubikmeter im Jahr an der Wasserfassung Spitzmühle Ost würde im Vergleich zum Referenzzustand Ende 2018 zu einem um 24 Zentimeter niedrigeren Wasserstand im Straussee führen. „Die vorliegenden Untersuchungen haben gezeigt, dass die beiden Wasserwerke einen Einfluss auf den Straussee haben.“ Die Hauptursache stellten jedoch die geänderten klimatischen Bedingungen dar, heißt es.
Der neue Vorsteher des Wasserverbandes Strausberg–Erkner, André Bähler, informiert darüber, dass der Verband eine Bewilligung für die Fassung Petershagen–Eggersdorf und eine wasserrechtliche Erlaubnis für die Fassung Hohenbinde erhalten habe. Damit habe sich die Differenz zwischen dem Bedarf von rund 18 Millionen Kubikmeter im Jahr im Verbandsgebiet und den verfügbaren Entnahmemengen von 15 Millionen Kubikmeter pro Jahr auf „nur“ drei Millionen Kubikmeter pro Jahr verringert: „Damit können wir nun zwar die Versorgung der geplanten Tesla–Fabrik sicherstellen, aber nur bei gleichbleibender Bevölkerungszahl im Verbandsgebiet.“