Wahl in Rehfelde: Dreikampf um Bürgermeister-Amt – das sind die Kandidaten

Gemeinde Rehfelde: Welches Dreier-Rennen gibt es dort diesmal um das Bürgermeisteramt?
Thomas BergerWer künftig gemeinsam mit der Gemeindevertretung die politischen Geschicke der mit rund 5400 Einwohnern größten Gemeinde im Amt Märkische Schweiz lenkt, ist noch offen. Drei Männer bewerben sich am 9. Juni um den Posten.
Nicht nur beim erneut von der Wählervereinigung Für Rehfelde, Werder, Zinndorf (FÜR) ins Rennen geschickten Patrick Gumpricht können die Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz machen. Auch sein Amtsvorgänger Reiner Donath wirft seinen Hut noch einmal in den Ring. Er wird von seiner „Wählergruppe Zukunft – Liste Donath“ unterstützt. Die neue Wählergruppe „MeineDeineGemeinde“ (MDG) hat Karsten Gerlach als Bürgermeisterkandidat nominiert.
Gumpricht: Weiterführende Schule als Kernprojekt
Gumpricht, Jahrgang 1989 und beruflich als Lehrer tätig, ist schon in seiner späteren Jugend als damals mit Abstand jüngster Gemeindevertreter in die Kommunalpolitik eingestiegen. Nachdem er sich 2019 gegen Donath und den damaligen CDU-Bewerber, Rudolf Heller, durchgesetzt hatte, stand er die vergangenen fünf Jahre in bisweilen turbulenten Zeiten an der Spitze der Gemeinde. Als größten Erfolg seiner Amtszeit nennt er die Einführung des Bürgerhaushalts. Daneben sei der bald fertige Hort-Neubau ein wichtiger Meilenstein, den man gemeinsam umgesetzt habe, nachdem die anfangs teureren Pläne noch einmal abgeändert worden waren. Zudem sei der Umzug der Bibliothek von der Schule in die frühere Sparkasse eine Erfolgsgeschichte.

Kandidaten-Trio in Rehfelde: Amtsinhaber Patrick Gumpricht (rechts) wird von Reiner Donath (Mitte) und Karsten Gerlach herausgefordert.
Thomas Berger (Einzelfotos: Thomas Berger/2, Mandy Niemann)„Klar ist: Das Hauptprojekt wird die weiterführende Schule sein“, sagt Gumpricht auf die Frage zu Vorhaben für seine mögliche zweite Amtsperiode. Dieses Vorhaben auf den Weg zu bringen, sei bisher trotz breiten Konsens im Ort noch nicht gelungen, wenngleich die formelle Aufnahme in den Schulentwicklungsplan des Kreises zumindest ein großer erster Schritt gewesen sei. „Die Schülerzahlen der nächsten Jahre zeigen, wie nötig das ist.“
Für ein zweites Vorhaben hat sich Gumpricht Anregungen in Buckow geholt, wo der Prozess für das Integrative Stadtentwicklungskonzept (INSEK) vorbildhaft gelaufen sei. Ein solch partizipativer Ansatz schwebt ihm auch für Rehfelde vor. Daneben gehe es um Verbesserungen bei Rad- und Gehwegen. Für die Älteren möchte er den Vorstoß der Seniorenbeauftragten aufgreifen, einen Fahrservice aufzubauen, um zum Beispiel das Krankenhaus in Strausberg einfacher zu erreichen.
Donath: Zusatzeinnahmen und Wohnungsbau
Reiner Donath, im Ortsteil Zinndorf zu Hause und dort auch nach Abgabe des Chefpostens im Bürgerverein weiterhin in lokalen Gruppen aktiv, will es als 81-Jähriger noch einmal wissen. „Ein Leben ohne gesellschaftliche Aktivität, ohne Hilfe und Unterstützung von Anderen, ist für mich unvorstellbar“, benennt er das Motiv für seinen Comeback-Versuch. Gesund und fit genug dafür fühle er sich. In der zurückliegenden Legislaturperiode hat Donath, der 1998 als Gemeindevertreter begann, später Stellvertreter und dann von 2008 bis 2019 elf Jahre Bürgermeister war, vieles eher von der Seitenlinie verfolgt.
„Ich habe das Wissen, die Erfahrung und die Zeit, die andere nicht haben, weil sie im Job stehen“, sagt er. Als Schwerpunkte seiner Politik nennt Donath die Entwicklung der Gewerbegebiete, Straßeninstandsetzung und -ausbau, Haushaltssicherung mittels Einnahmen aus dem Windfeld sowie Solarprojekten sowie die Umsetzung des Leitbilds über einen Flächennutzungsplan. Auch mehr aktive Bürgerbeteiligung liegt ihm am Herzen. Inhaltlich einig ist er sich mit Gumpricht in zwei Zielen: der weiterführenden Schule und der Ansiedlung der neuen Amtsverwaltung in Rehfelde. Dafür läuft derzeit die Standortanalyse. Daneben verweist Donath auf den Wohnungsbau, weshalb das Projekt Mühlenfließ vorangetrieben werden müsse. Die neue Turnhalle liegt ihm ebenfalls am Herzen, den Hortneubau in seiner jetzt abgespeckten Variante nach der Neuplanung betrachtet er eher kritisch.
Gerlach: Straßensanierung, mehr Gewerbe und Ärzte
Karsten Gerlach, 66 Jahre alt und zu Hause im Siedlungsteil Herrensee, ist seit um die 20 Jahren in vielfältiger Weise ehrenamtlich aktiv: Bis 2020 war der jetzige Rentner im Vorstand der Bürgergemeinschaft Rehfelde (BGR) und bis 2018 Leiter der AG Gemeindepartnerschaft. Zudem hat er, wenngleich er dabei eine kleine Pause einlegen musste, auch schon kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt, wie er betont. 2011 kam er als Nachrücker in die Gemeindevertretung, in der Legislaturperiode wirkte er auch als sachkundiger Einwohner in der Ausschussarbeit mit.
Rehfelde brauche mehr Gewerbeansiedlungen und zusätzliche Ärzte, betont der Rentner, der bis vor drei Jahren als kaufmännischer Angestellter und Selbstständiger berufstätig war. Als wachsender Touristenort könnte Rehfelde aus seiner Sicht auch mehr gastronomische Angebote vertragen. Für wichtig hält er Straßenausbau und funktionierende Beleuchtung sowie Barrierefreiheit in den öffentlichen Gebäuden. Mit seiner ruhigen Art hoffe er zudem, ausgleichend zu wirken: „Der Ton in der Gemeindevertretung, aber auch mit dem Amt und dem Kreis, war zuletzt nicht immer der beste“, findet Donath.

