Die Kurven der Trinkwasserfördermengen des Wasserverbandes Strausberg–Erkner lassen sich wie ein rückblickender Wetterbericht lesen. Trockenheit lässt den Wasserverbrauch in die Höhe schnellen, jeder Regen schlägt sich in weniger Fördermenge nieder. Legt man die vier Kurven der Jahre 2017 bis 2020 übereinander (s. Grafik), ergibt sich ein beeindruckendes Bild: „Vor vier Jahren war die Welt wettertechnisch gewissermaßen noch in Ordnung“, schätzt der Vorsteher des Wasserverbandes Strausberg–Erkner, André Bähler, ein, „wir hatten zwar mehrere Starkregenereignisse und auch Stürme, die ihrerseits einige Herausforderungen darstellten, aber hinsichtlich der Niederschlagsmengen war es ein normales Jahr, was sich auch in der Trinkwasserentnahme durch die Kunden des Wasserverbandes zeigte.“
Steile Anstiege: Trinkwasserfördermengen im Jahresvergleich 2017 bis 2020
Steile Anstiege: Trinkwasserfördermengen im Jahresvergleich 2017 bis 2020
© Foto: MMH/Jörn Sandner

Trockenheit beginnt im Jahresverlauf immer früher

Mit 2018 brach im Mai ein Dürresommer an, der den Trinkwasserverbrauch bis Ende August durchgehend auf Rekordniveau trieb. 2019 zeigte sich schon im April recht trocken, die Spitze dann im Juni mit leichten Niederschlägen in Juli und August. In diesem Jahr jedoch war schon der März zu trocken, brach schon der April den Vierjahresrekord, und es entwickelte sich bis Ende August ein gleichbleibend hohes Niveau des Verbrauchs und damit der Trinkwasserförderung.
Für den neuen Technischen Leiter des Wasserverbandes Strausberg–Erkner, Thomas Schönbeck, stellen die sprunghaften Anstiege der Verbräuche auch große Belastungsproben für die Pumpentechnik dar: „Wenn Sie an einem Wintertag 20.000 Kubikmeter fördern und mit den gleichen Pumpen an einem Sommertag 60.000 Kubikmeter fördern müssen, also das Dreifache, dann gerät die Technik an ihre Belastungsgrenze.“ Im Wasserverband sind alle Wasserwerke mit einem System von Ringleitungen verbunden, aus dem alle Gemeinden stabil mit Trinkwasser versorgt werden. Das Verbundnetz sichert, dass auch bei Stillstand eines Werkes, beispielsweise wegen Stromausfalls wie kürzlich in Strausberg, die Versorgung gewährleistet bleibt.

Intelligente und zukunftsfähige Lösungen

Sollen künftige neue Kunden im Verbandsgebiet und neu angesiedelte Firmen zuverlässig mit Trinkwasser versorgt werden, sind intelligente und zukunftsfähige Lösungen notwendig, die über die Verbandsgrenzen hinausgehen. So stellte es kürzlich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) im Redaktionsgespräch mit dieser Zeitung klar.
Die Appelle von Verbandssprecherin Sandra Ponesky, in besonders trockenen Zeiten besonders sparsam mit Trinkwasser umzugehen, schlugen sich in der Verbrauchsstatistik nicht nieder. Überlegungen in der Verbandsversammlung, dem obersten politischen Organ des Zweckverbandes, den üppigen Verbrauch von Gartenwasser, das wegen des Wegfalls von Entsorgungsgebühren besonders günstig ist, über einen höheren Preis zu dämpfen, sind noch nicht weiter verfolgt worden. Forderungen, Trinkwasserleitungen größer zu dimensionieren, um in Spitzenzeiten den Druck auch in höher gelegenen Verbandsgebieten voll aufrecht erhalten zu können, sind technisch bedenklich: „Trinkwasser muss fließen, damit es frisch ist“, sagt Thomas Schönbeck, „in Leitungen mit großem Durchmesser ist das bei geringem Verbrauch schwer zu realisieren.“

Arbeitsgruppe bei Landrat wird eingerichtet

Dietmar Woidke hatte im Redaktionsgesprüch keinen Zweifel daran gelassen, dass die Herausforderungen der Befriedigung des steigenden Trinkwasserbedarfs im Bereich Strausberg–Erkner nicht mehr allein durch den hiesigen Wasserverband zu bewältigen seien: Verbands- und landkreisübergreifendes Zusammenwirken seien nötig, um zukunftsfähige Lösungen zu finden. Bei Märkisch-Oderlands Landrat Gernot Schmidt (SPD) werde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern mehrerer Zweckverbände und der betroffenen Landkreise MOL und Oder-Spree eingerichtet, die solche Lösungsvorschläge erarbeiten solle. „Wenn der Landkreis einen solchen Vorschlag auf den Tisch legt und der realisierbar ist, wird das Land das Geld für seine Umsetzung bereitstellen“, sagte der Ministerpräsident.
Verbandsvorsteher André Bähler zeigt sich für eine konstruktive Zusammenarbeit in solch einer Arbeitsgruppe aufgeschlossen: „Wir werden unseren Beitrag im Rahmen unserer Möglichkeiten und unserer Satzung leisten. Davon können Sie ausgehen.“