Wasserstoff in Brandenburg: EWE befüllt in Rüdersdorf unterirdischen Speicher

Blick auf den Kavernenplatz auf dem EWE-Gelände an der Essigstraße in Rüdersdorf: Vom Wasserstoff-Speicher ist nur die Obertage-Technik sichtbar.
Jörg SchattlingDer Bau einer hausgroßen Kaverne im Salzstock unter Rüdersdorf ist abgeschlossen; oberirdisch steht die temporär errichtete Technik bereit. Am Montag, 23. Oktober, beginnt der Energiedienstleister EWE, in Rüdersdorf Wasserstoff einzulagern. Wie EWE mitteilt, dauert die Erstbefüllung des unterirdischen Hohlraums mit sechs Tonnen Wasserstoff acht Tage. Dem Unternehmen zufolge können mit dieser Menge 1000 Wasserstoffautos vollgetankt werden.
Die Wasserstoff-Befüllung erfolgt während der acht Tage rund um die Uhr und mithilfe eines rollierenden Anlieferungsprozesses mit insgesamt sechs Tankfahrzeugen. Durch die kontinuierliche Befüllung wird die Sole, die sich vom Bau des Hohlraums noch in der Kaverne befindet, gleichmäßig verdrängt und an die Erdoberfläche gebracht. Diese 500 Kubikmeter wässrige Lösung transportiert EWE über eine vorhandene Soletransportleitung zur Soleversenkstation ins rund 30 Kilometer Luftlinie entfernte Heckelberg.
Tests vor Ort und im Labor
Nach der Wasserstoff-Befüllung beginnt der Testbetrieb und die Forschungen im Rahmen des Vorhabens mit dem Namen „HyCAVmobil“. Dabei wird vor allem das Wechselspiel zwischen der Ein- und Ausspeicherung von Wasserstoff getestet.
Ziel sei es, heißt es seitens EWE weiter, neben dem Betrieb der Anlage auch die Qualität des Wasserstoffes nach dem Ausspeichern zu testen und entsprechend für den Einsatz aufzubereiten. „Dazu gehört auch der Nachweis, wie viel Feuchtigkeit der Wasserstoff untertage aufnimmt und wie die Trocknungsanlage eingestellt werden muss. Denn eine Reinheit von nahezu 100 Prozent ist wichtig für zukünftige Anwendungen, vor allem im Mobilitätsbereich“, erläutert Projektleiter Hayo Seeba. Zudem will EWE die technischen Verfahren optimieren, mit denen die Einbindung von Wasserstoff in das deutsche Energiesystem gelingen kann.

Die Steinsalzschicht, in der EWE bereits zwei große Kavernenspeicher gebaut hat, beginnt in Rüdersdorf in zirka 600 Metern Tiefe und reicht bis zu 3.200 Meter unter die Erdoberfläche.
EWE/Litho Niemann + M. SteggemannDatenmessung in Echtzeit
Im Rahmen der Tests erhält EWE erstmals unterirdische Livedaten von Temperaturen und Drücken für die Auswertung des Ein- und Ausspeicherprocederes. Möglich wird dies durch ein Glasfaserkabel und Drucksensoren, die bei der Kavernenerrichtung mit eingebaut wurden. Durch diese digitale Anbindung sind EWE zufolge kontinuierliche Messungen in der Kaverne möglich.
Parallel zu den Vor-Ort-Tests in Rüdersdorf startet das Institut für Vernetzte Energiesysteme des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) mit der Untersuchung der Qualität des Wasserstoffs im Labor. Die Gasproben werden sowohl vor der Befüllung der Kaverne als auch während des Betriebs entnommen und hinsichtlich der Gasreinheit analysiert. Eine Untersuchung der Sole soll Rückschlüsse über den möglichen mikrobiellen Einfluss auf die Wasserstoffqualität geben. Die Ergebnisse fließen in die Bewertung ein, ob der gespeicherte Wasserstoff direkt für den Einsatz in Brennstoffzellenfahrzeugen geeignet ist oder ob für diese oder andere Anwendungen eine Reinigung nach der Ausspeicherung erforderlich ist.
Ein Jahr Forschungsarbeit
Die Tests dauern etwa ein Jahr. In dieser Zeit werden drei unterschiedliche Ein- und Ausspeicherszenarien mit verschiedenen Druckänderungen getestet. „In unseren Tests wollen wir Szenarien nachbilden, die zukünftig möglich sind. Mal speichert ein Speicherkunde wenig und mal mehr Wasserstoff ein, mal wird weniger und mal mehr Wasserstoff für Anwendungen benötigt. Wir spielen dabei alle Betriebsmöglichkeiten durch, die später durch einen Speicherkunden auftreten könnten“, erklärt Seeba.
Die Erkenntnisse aus Rüdersdorf will EWE in einem nächsten Schritt in einem großtechnischen Speicherprojekt im niedersächsischen Huntorf einbringen. Es ist Teil des Großprojektes „Clean Hydrogen Coastline“. Dieses bringt Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung von grünem Wasserstoff in Industrie und im Schwerlastverkehr zusammen.
Zehn Millionen Euro Investitionen
EWE hat es sich zum Ziel gemacht, die Speicherung von Wasserstoff zu etablieren. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben mit 37 Salzkavernen über 15 Prozent aller deutschen Kavernenspeicher, die perspektivisch zur Speicherung von Wasserstoff geeignet wären.
Das Investitionsvolumen für das Projekt HyCAVmobil beläuft sich laut EWE auf rund zehn Millionen Euro – vier Millionen davon sind EWE-eigene Mittel. Die restliche Summe erhalten EWE und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie als Förderung vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.


