Wirtschaft
: Kleine Müncheberger Firma überzeugt auch große Player

Mit kreativen Kärtchen kann ein Müncheberger Verlag bei Ikea, Universitäten, Ministerien und anderen punkten.
Von
Uwe Spranger
Müncheberg
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  • Beispiel: Ron Carow aus Müncheberg demonstriert die Anwendung der Spezialkärtchen an einer gängigen Tafel.

    Beispiel: Ron Carow aus Müncheberg demonstriert die Anwendung der Spezialkärtchen an einer gängigen Tafel.

    Uwe Spranger
  • Erinnern an Puzzle- oder Memory-Teile: Karten mit Symbolen der Prozessvisualisierungssprache. Ihre Farben stehen für Kategorien.

    Erinnern an Puzzle- oder Memory-Teile: Karten mit Symbolen der Prozessvisualisierungssprache. Ihre Farben stehen für Kategorien.

    Uwe Spranger
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Der Seminarleiter hatte Symbole auf kleine Post–it–Haftkarten gekritzelt, die für den weit entfernt sitzenden Carow und andere im Raum nicht zu erkennen waren. Warum gibt es keine vorgefertigten Karten mit solchen Symbolen, fragte sich Carow und stellte bei weiteren Recherchen fest, dass auch andere sein Problem gehabt hatten. Er fand heraus, dass man für derlei Seminare eine bestimmte Anzahl von Symbolen benötigt sowie Karten, die sich beschriften und wieder abwischen lassen. Sie sollten an Whiteboards, den großen hellen Metalltafeln, haften und noch dazu gut aussehen.

Mit seiner Frau Elisa entwickelte er deshalb ein neues Produkt für den eigenen Verlag, zunächst in reiner Manufakturarbeit. „Wir haben Abende gesessen, Seiten ausgedruckt, laminiert, Magnete aufgeklebt“, berichtet der 48–Jährige, der im Hauptberuf in einer Leasingfirma am Berliner Rand tätig und Experte für Prozessoptimierung ist. Der Start ist mittlerweile fast zehn Jahre her. Das Produkt kam an, man war auf eine Marktnische gestoßen. „Wir waren quasi Monopolisten“, sagt er. Es gab zwar noch andere Anbieter, aber die nutzten zum Beispiel Acrylglas mit Gravur. Das sei viel schwerer und teurer.

Weil das Paar die „irre viele Arbeit“ auf Dauer nicht weiter leisten wollte, suchte es sich einen Partner und wurde in Sachsen fündig. Eine Druckerei produziert seit einigen Jahren die puzzleteilähnlichen Pappkarten in unterschiedlichen Formen und Farben und liefert palettenweise nach Müncheberg. Carows müssen dann sortieren und kleben noch die Magnete auf. Die sind inzwischen etwas dicker, haben mehr Haftkraft, so dass selbst für die großen beschriftbaren Karten eines reicht.

Schließlich werden die Teile noch zu verschiedenen Sets zusammengestellt. Da gibt es zum Beispiel die Starterbox mit 140 Karten, eine Basic–Variante mit 52 Teilen oder eine Komplettbox mit nahezu allen Symbolen des aktuellen BPMN–2.0–Standards — insgesamt fast 240 Stück. Kosten: ab 55 Euro. Die Sets aus Müncheberg werden von Ministerien, Behörden, JVAs, TÜV, Dekra und Instituten genutzt, aber auch von global Playern wie Ikea, erzählen die beiden. Sie würden nicht nur in Deutschland vertrieben, sondern gehen auch in viele andere Länder Europas.

Das Produkt fördere gemeinsame Arbeit zum  Thema Prozessoptimierung, hebt Ron Carow hervor. Man könne mit mehr Leuten am Tisch diskutieren als vor einem Computer. Und mehr Leute bedeuteten mehr Gedanken. Solche Diskussionen seien nicht nur in großen Firmen wichtig, die oftmals ihre Prozesse für Zertifizierungen darlegen müssten, sondern auch für kleine Firmen oder Handwerker. So lasse sich beispielsweise klären, ob Fehler, die ja immer passieren könnten, systemisch bedingt seien. „Wir verwenden es auch für unseren Verlag selbst“, berichten die beiden. „Das hat unsere Abläufe anschaulich und nachvollziehbar gemacht.“ Und das Produkt passe zum Verlagsmotto kreative Ideen. „Die muss man halt so umsetzen, das man Spaß hat und was Vernünftiges rauskommt“, sagt Carow.

Viel läuft über Empfehlungen

Das ist offenbar gelungen. Denn das Produkt wirft zumindest so viel ab, dass damit der Negativsaldo der Buchproduktion ausgeglichen werden kann, die  die Carows als „Liebhaberei“ bezeichnen. Ihre Buchpreise wollen sie jedenfalls nicht anheben, damit sich möglichst viele die Lektüre leisten können.

Im Normalfall gehen laut den Münchebergern zwei bis drei Boxen pro Monat in den Versand, nach Seminaren auch schon mal fünf bis sieben pro Woche. Denn Carows schicken zwar auch Flyer an potenzielle Abnehmer, das meiste laufe aber über Empfehlungen.