Taschendiebstahl ging zurück
Auffällig ist, dass im Gegenzug zu den brutaleren Überfällen der normale Taschendiebstahl um elf Prozent zurückging. Nun ist es mit der Statistik immer so eine Sache. Es gibt in manchen Bereichen hohe Dunkelziffern. Andere Delikte wiederum geraten erst deshalb in den Fokus, weil neue Ermittlungsansätze oder eine erhöhte Anzeige-Bereitschaft die Zahlen plötzlich in die Höhe schießen lassen. So haben 2019  beispielsweise Sexualdelikte um 15 Prozent zugenommen.
Mee-too-Debatte zeigt Wirkung
Polizeipräsidentin Slowik vermutetet, dass unter anderem die Me-too-Debatte zu einer besonderen Sensibilisierung geführt haben könnte und dass dadurch die Anzeigebereitschaft gestiegen sei. Ein Beispiel, wie sich auch bessere Polizei-Arbeit negativ auf die Statistik auswirken kann, ist der Bereich Kinderpornografie. Dort gab es ein Plus von fast 90 Prozent.  "Das liegt vermutlich an der  verschärften Meldepflicht von US-amerikanischen Providern", erklärte Geisel. Dazu habe man zehn neue Kollegen eingestellt, die sich gezielt mit Kinderpornografie im Internet beschäftigen.
Bemerkenswert sei aber auch die deutliche Zunahme der allgemeinen Internetkriminalität, betonte Geisel:  Hier seien 38 988 Fälle in 2019 erfasst worden, das sind 8205 mehr als 2018 und bedeutet  einen Anstieg von 26,7 Prozent. "Internetkriminalität  entwickelt sich zu einer Form der Alltagskriminalität. Hier machen Bestellschwindel, Erpressungen und Identitätsfälschungen den größten Anteil aus."
Erfreuliche Rückgänge gibt es dagegen bei Diebstählen aus Autos. Das liege vor allem daran, dass sich die Sicherheitstechnik in den vergangenen Jahren verbessert habe, bewertete Slowik diese Zahl. So seien Navigationsgeräte und Airbags heute fester eingebaut. Viel gestohlen werden immer noch Autokennzeichen, Außenspiegel, Zierleisten und die Katalysatoren hochwertiger Modelle. Die Eigentumskriminalität – mit 40,3 Prozent immer noch der größte Anteil an der Gesamtkriminalität – gehe über die letzten Jahre betrachtet kontinuierlich zurück.
Im Bereich des Wohnraumeinbruchs hatte Berlin 2019 mit 7965 Fällen die zweitniedrigsten Fallzahlen und mit 11,7 Prozent die höchste Aufklärungsquote im Zehn-Jahresvergleich. 44,4 Prozent aller Tathandlungen endeten im Versuchsstadium. "Ein deutlicher Hinweis auf die positive Wirkung der polizeilichen Präventionsarbeit", so Slowik. Allerdings konnten weniger als die Hälfte (44,7 Prozent) der 513 426 erfassten Straftaten aufgeklärt werden. Dass Berlin damit weiterhin im deutschlandweiten Vergleich eines der Schlusslichter ist, begründete Slowik mit den Großstadt-Verhältnissen  "Die Anonymität macht es Tätern nicht nur leichter, sie zieht sie auch an."

Infokasten