Das Haus „Liebig 34“ galt als eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in Berlin und wurde am Freitag, 9. Oktober, geräumt. Die rund 40 Bewohner des Hauses in der Rigaer Straße bezeichneten sich selbst als „anarcha-queer-feministisches Hausprojekt Liebig 34“.
Seit 30 Jahren war das Haus schon besetzt. Ein zehnjähriger Gewerbemietvertrag war nun ausgelaufen und ein Gericht hatte die Übergabe des Hauses an den Eigentümer bestätigt. Dagegen kündigte die Szene seit langem heftigen Widerstand an. Das Haus ist nun geräumt. Wir berichteten von den Ereignissen in Berlin-Friedrichshain in diesem Liveticker:
+++ Freitag, 13.40 Uhr +++
Das besetzte Haus in der Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain war ein Symbol für die linksradikale Szene. Nachdem am Freitagmorgen der Gerichtsvollzieher kam und die Besetzerinnen zum Verlassen des Hauses aufforderte, räumte schließlich die Polizei die Räumlichkeiten. Lesen Sie das Geschehen in unserem Liveticker nach, der hiermit beendet ist.
+++ Freitag, 11.44 Uhr +++

Liebig 34 geräumt - 57 Personen im Haus

Die Polizei verkündet, dass das Gebäude in der Liebigstraße 34 geräumt ist. Insgesamt seien 57 Personen im Haus gewesen und durch die Einsatzkräfte herausgeführt worden. (tsa)
+++ Freitag, 11.16 Uhr +++

Gruppen schwarz gekleideter Menschen an Frankfurter Allee

Die Polizei weist Demonstranten, die sich auf einer Rasenfläche an der Frankfurter Allee versammelt haben, darauf hin, dass sie sich dort zwar nicht zusammenrotten, aber an der Veranstaltung "Gegen Verdrängung solidarischer Kieze" teilnehmen können. In den umliegenden Straßen sieht man immer wieder Gruppen junger schwarz gekleideter Menschen von A nach B pilgern. Die Cafés und Bäcker dürfen aufgrund der Lage keine Gäste in den Innenräumen bewirten. "Nur to go", sagt der Besitzer eines Cafés am Frankfurter Tor. (neu)
+++ Freitag, 11.06 Uhr +++

Rund 30 Verletzte bei Ausschreitungen bei Liebig 34-Demos

Ein Team freiwilliger Rettungssanitäter hat nach eigenen Angaben seit 5 Uhr früh bisher rund 30 Verletze versorgt.
Freiwillige Helfer behandeln Verletzte
Freiwillige Helfer behandeln Verletzte
© Foto: Maria Neuendorff
"Faust- und Knüppelschläge, Knie ins Gesicht , Kopfverletzungen durch gesplitterte Flaschen", zählt Einsatzleiter Florian Wieczorek die Ursachen auf. (neu)
+++ Freitag, 10.58 Uhr +++

Mehr als 50 Personen verbarrikadierten sich

Laut Polizeisprecher Thilo Cablitz befinde sich der Einsatz derzeit auf der Zielgeraden. Mehr als 50 Personen seien insgesamt in dem Gebäude gewesen und hätten sich in verschiedenen Räumen verbarrikadiert. Zusätzlich seien von den Bewohnerinnen Objekte platziert worden, die den Eindruck erwecken sollten, dass es sich hierbei um Fallen handelt. Das Ziel sei aber nicht gewesen, die Einsatzkräfte zu verletzen, sondern sie lediglich zu verlangsamen. (oj)
+++ Freitag, 10.37 Uhr +++

Demonstranten am Frankfurt Tor

Am Frankfurter Tor haben Beamte ein paar Demonstranten eingekesselt. Ein Hubschrauber kreist. Das Geschehen scheint sich zu verlagern. (neu)
+++ Freitag, 9.55 Uhr +++

Angriffe auf Polizisten in angrenzenden Straßen

Weiterhin werden Personen aus dem Haus in der Liebigstraße 34 geholt. Erneut gehen rund 20 Polizisten durch die Eingangstür in das Gebäude. Der Hubschrauber kreist weiter über Berlin-Friedrichshain. Die Polizei Berlin berichtet zudem von Angriffen in den umliegenden Straßen. (tsa)
+++ Freitag, 9.44 Uhr +++

Polizei entfernt Banner von Liebig 34

Polizisten sind dabei die Banner, die an der Außenfassade des Gebäudes befestigt sind, zu entfernen. Ein großes schwarzes Banner erstreckt sich über drei Stockwerke und verdeckt mehrere Fenster, so dass der Lichteinfall in einigen Zimmer beeinträchtigt sein muss. Die Reihen der Demonstranten lichten sich derweilen immer mehr.
Auch viele internationale Kamerateams verfolgen die Räumung. Ein Anwalt der Bewohnerinnen betont immer wieder, dass die Räumung rechtswidrig sei, weil der Gerichts-Titel vom Eigentümer gegen den "Raduga"-Verein erwirkt wurde. Eigentlicher Mieter sei aber schon sein Monaten der Verein "Mittendrin e. V.", betont der Jurist. (tsa/neu)
+++ Freitag, 9.25 Uhr +++

Bislang 17 Bewohnerinnen aus Liebig 34 herausgebracht

Einige Polizisten verlassen das Gebäude und tragen die Gerätschaften hinaus. Der Treppenwagen hat sich zurückgezogen. Weitere Hausbesetzerinnen werden aus dem Gebäude getragen. Die Beschallung mit schrillen Tönen und Klängen geht weiter. Bislang wurden 17 Bewohner herausgebracht. Laut Polizei werden sie überprüft, aber nicht festgenommen. Es sei noch unklar, ob Ermittlungen etwa wegen Hausfriedensbruchs eingeleitet werden. Derzeit kontrolliere die Polizei Etage für Etage. (tsa/dpa)
+++ Freitag, 9.09 Uhr +++

Laute Musik und schrille Geräusche in der Liebigstraße 34

Eine Einsatzgruppe der Polizei hat sich vor dem Haus versammelt. Über die improvisierte Treppe wird eine Leiter in das Haus getragen. Der Einsatzwagen wird weggefahren. An der gesamten Straßenkreuzung ist laute Musik und schrille Geräusche zu hören, die wahrscheinlich aus dem Gebäude kommt. (tsa)
+++Freitag, 8.57 Uhr +++

Demonstrierender abgeführt

Aus der Gruppe der Demonstrierenden, die in der Rigaer Straße stehen, haben Polizisten eine Person abgeführt. Währenddessen werden immer mehr Bewohnerinnen aus der Liebigstraße 34 geholt.
Polizisten rücken weiter mit schwerem Gerät an. Eine Kreissäge und ein großer Hammer werden ins Innere gebracht. Das Vorankommen der Polizisten im Haus scheint sich schwierig zu gestalten. (tsa)
+++Freitag, 8.52 Uhr +++

Sondereinsatzkommando (SEK) auf dem Dach der Liebigstraße 34

Zahlreiche Bewohnerinnen und Polizisten verlassen gerade das Gebäude. Sowohl aus dem ersten Stock als auch durch die Eingangstür im Erdgeschoss. Circa elf oder 12 Bewohnerinnen müssten bisher das Gebäude verlassen haben. Auf dem Dach das Gebäudes ist ab und zu das Sondereinsatzkommando (SEK) zu sehen. Vor dem Gebäude ist ein lautes elektrisches Geräusch, das aus dem Inneren kommt, zu hören. Wie viele Personen sich derzeit noch im Haus befinden, ist nicht bekannt. (tsa)
+++ Freitag, 8.47 Uhr +++

Polizeisprecher: "Wir sind jetzt im Gebäude"

"Wir sind jetzt im Gebäude" sagt Polizeisprecher Thilo Cablitz. Die meisten Bewohnerinnen ließen sich friedlich aus dem Haus führen. Ihre Personalien würden aufgenommen. Dann würden die Frauen wieder entlassen. Die Polizei ist mit 3500 Beamten aus insgesamt acht Bundesländern im Einsatz. Die Zahl der Demonstranten in den Straßen rund um das Objekt gibt die Polizei mit 1500 an.
"Die Stimmung ist emotional. Es gab vereinzelte Steinwürfe auf Beamte. Aber insgesamt ist die Situation momentan größtenteils störungsfrei", erklärt Cablitz. Die Polizei bleibt aber auch die nächsten Tage und Nächte mit einem größeren Aufgebot vor Ort.Der Eigentümer habe aber nach der Räumung die Pflicht, das Objekt selbst abzusichern. (neu)
+++Freitag, 8.35 Uhr +++

Anwalt erwartet Racheakte aus der linken Szene

Der Anwalt der Aktivisten, Moritz Heusinger, sagt, dass die 40 Bewohnerinnen nun auf der Straße stehen.
Anwalt Moritz Heusinger
Anwalt Moritz Heusinger
© Foto: Maria Neuendorff
Normalerweise sorge die Stadt dafür, dass Bewohner bei Zwangsräumungen nicht in die Obdachlosigkeit rutschen. Doch da der Mieter ein Verein ist, werde hier Gewerberecht angewandt. Der Anwalt rechnet damit, dass aus der linken Szene gewaltsame Rache-Akte folgen werden. Währenddessen steigt weiter entfernt, nahe der Rigaer Straße Rauch auf. (neu/tsa)
+++ Freitag, 8.30 Uhr +++

Stockwerk für Stock mit Rammbock, Flex und Scheinwerfern

Die Polizisten haben den 3. Stock des Gebäudes erreicht, einer zeigt sich auf dem Balkon. Aus dem vierten Stock in der Liebigstraße 34 schau eine Hausbesitzerin. Ihr Gesicht ist vermummt. Sie beobachtetet die Räumung ihrer Mitbewohnerinnen. Derweilen tragen die Polizisten einen Rammbock und Scheinwerfer über die Treppe in das Haus. (tsa)
+++ Freitag, 8.25 Uhr +++
Erneut steigen Beamte die improvisierte Treppe hinauf und klettern durch das Fenster ins Innere des Gebäudes. Die Demonstranten sind weiter am skandieren. Derweilen haben sich die Polizisten dem Anschein nach schon auf die oberen Etagen des Gebäudes der Liebigstraße 34 vorgearbeitet. Ein weiterer Polizist steigt mit einem Rucksack und einer Flex in der Hand durch das Fenster. Kurz darauf wird eine Person aus dem Haus über die Treppe von zwei Polizisten heruntergetragen. (tsa)
+++ Freitag, 8 Uhr +++

Erste Bewohner werden aus dem Haus geholt

Die ersten Bewohnerinnen wurde aus dem Haus geholt und über die Treppe nach draußen geleitet. Die Demonstranten schreien lautstark auf und feiern die Besetzerinnen. (tsa)
+++ Freitag, 7.52 Uhr +++

Mit Einsatzschild und Kameras ins besetzte Gebäude

Eine Art Hebetreppe wird anstelle des Gerüsts an das geöffnete Fenster gefahren. Über den ersten Stock gelangen die ersten Polizisten in das Haus. Weitere Polizisten überqueren die Treppe mit Einsatzschild und Kamera und stiegen durch das Fenster.
Währenddessen stehen Bewohner auf den Balkons der umliegenden Häuser und klappern aus Solidarität mit den Besetzern mit Töpfen. (tsa/neu)
+++ Freitag, 7.40 Uhr +++

Polizisten beobachten von den Dächern aus

Beamte sind auf den Dächern der umliegenden Gebäude und beobachten die Situation. Ein Polizist macht einen ersten Schritt durch das geöffnete Fenster im ersten Stock. Unter den Demonstranten herrscht Aufruhr. Der Pulk hat seine Blickrichtung gedreht. Warum, ist derzeit nicht zu erkennen. Etwas scheint auf der anderen Seite vorgefallen zu sein. Ein Hubschrauber kreist über dem Geschehen. (tsa)
+++ Freitag, 7.27 Uhr +++

Flex und Kettensäge kommen zum Einsatz

Beim Öffnen von Tür und Fenster kommen Flex und Kettensäge zum Einsatz. Während im ersten Stock Metallstangen vor dem Fenster entfernt werden müssen, öffnet sich unten die Tür einen Spalt weit. Die Kettensäge ist zu hören. Was die Polizisten durchsägen müssen ist nicht zu erkennen.
Zahlreiche Beamte haben die umliegenden Zugangsstraßen der Liebigstraße 34 weitläufig abgesperrt. Die Demonstranten stehen ungefähr 100 Meter vom Haus und beschallen die Straße weiter lautstark. (tsa)
+++ Freitag, 7.20 Uhr +++

Gerüst am Fenster, Brecheisen an der Tür

Polizisten haben ein Gerüst an einen Balkon an ersten Stock gefahren. An der Tür kommt ein Brecheisen zum Einsatz. Noch bleibt sie jedoch verschlossen.
Zwei Polisten sind über das Gerüst zu einem Fenster im ersten Stock hinaufgestiegen und versuchen dieses nun aufzubrechen. (tsa)
+++ Freitag, 7.15 Uhr +++

Die Räumung von Liebig 34 wird vorbereitet

Mit Hilfe eines Einsatzfahrzeuges, das den Polizisten zum Schutz dient, versuchen sie Zugang zum offenbar verbarrikadierten Gebäude zu erhalten. Mit einer Taschenlampe prüft ein Polizist die Tür während im Hintergrund Demonstranten lautstark ihren Protest kundtun. Die meist jungen, überwiegend schwarz gekleideten Menschen skandierten laute Sprechchöre wie „Häuser denen, die drin wohnen“ oder „Ganz Berlin hasst die Polizei“. Die Kreuzung vor dem Haus war mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. (tsa/dpa)
+++ Freitag, 7 Uhr +++
Die Räumung wird vorbereitet ...
+++ Freitag, 6 Uhr +++

„Liebig 34“ soll geräumt werden - Demonstranten vor dem Haus

Vor der Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain haben sich hunderte Demonstranten davor versammelt. Die meist jungen, überwiegend schwarz gekleideten Leute skandierten am frühen Freitagmorgen laute Sprechchöre wie „Häuser denen, die drin wohnen“ oder „Ganz Berlin hasst die Polizei“. Augenzeugen berichteten von vereinzelten Flaschenwürfen sowie Festnahmen. „Liebig 34“ gilt als eines letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in der Hauptstadt.
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Der Bereich ist weiträumig abgesperrt. Die Demonstranten stehen hinter Absperrungen etwa 50 Meter von dem Haus entfernt. Am Morgen fuhren ein Bagger sowie ein Räumfahrzeug auf. Die Kreuzung ist mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. Auf Hausdächern waren Polizisten postiert. Aus umliegenden Häusern schallten Musik und lautes Geklapper mit Töpfen.
Das Haus soll ab 7 Uhr geräumt werden. Bereits vor zwei Jahren war ein zehnjähriger Gewerbemietvertrag ausgelaufen. Der Eigentümer setzte schließlich die Räumung durch.
Räumung des Wohnprojekts Liebig34 in Berlin durch die Polizei

Widerstand Räumung des Wohnprojekts Liebig34 in Berlin durch die Polizei

Es kam zu teils heftigen Rangeleien zwischen Polizisten und schwarz vermummten Demonstranten. Es flogen Flaschen. Die Polizei sprach von etwa 1500 Protestierenden. Es herrsche eine sehr emotionalisierte Stimmung, vereinzelt seien Flaschen auf Beamte geworfen worden. Ein Sprecher sagte dennoch, der Protest verlaufe weitgehend störungsfrei. (dpa)
+++ Freitag, 4 Uhr +++
Der Tag der Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ in Berlin, das eines der letzten Symbolprojekte der linksradikalen Szene in der Hauptstadt ist, hat nach Angaben der Polizei verhältnismäßig ruhig begonnen. Es gebe stadtweit kleinere Brände, etwa Mülltonnen, aber keine gewalttätigen Aktionen und keine Zusammenstöße mit der Polizei, sagte eine Sprecherin am Freitagmorgen. Bei einer für 3.00 Uhr angemeldeten Demonstration auf dem Bersarinplatz in Friedrichshain waren nach einer Stunde etwa zehn Menschen anwesend.
+++Donnerstag, 22 Uhr +++

Freitag wird mit Spannung erwartet

Die Polizei hatte am Abend auch die umliegenden Dächer besetzt. Polizisten mit Kletterausrüstung standen im Regen auf dem Dach des besetzten Hauses und anderer Gebäude. Immer wieder verschwanden Polizisten in den Treppenhäusern der Nachbarhäuser. Anwohner berichteten, dass die Polizei sich schon seit dem Vormittag in manchen Dachböden aufhielt.
Im bunt bemalten Haus „Liebig 34“ waren einige Fenster beleuchtet. Aus Lautsprechern schallten abwechselnd Musik und Reden einer Frau über die Kreuzung.
Mehrere tausend Polizisten sollen in der Nacht zu Freitag und den folgenden 24 Stunden im Einsatz sein, um Blockaden und Gewaltausbrüche zu verhindern.
Ab dem sehr frühen Morgen wollen Unterstützer der Bewohner an verschiedenen Stellen an den Absperrungen demonstrieren. „Lasst uns Chaos stiften, sichtbar sein und die Räumung der Liebig34 verhindern“, hieß es auf der Internetseite des Hauses. Schon in den vergangenen Tagen gab es eine Serie von linksextremen Brandanschlägen und anderen Zerstörungen. Am Freitagabend um 21 Uhr ist eine Demonstration in Mitte und Prenzlauer Berg angekündigt. (dpa)
++++Donnerstag, 20.30 Uhr +++

Einige hundert Demonstranten nahe „Liebig 34“

Am Abend vor der Räumung des besetzen Hauses „Liebig 34“ haben sich einige hundert Demonstranten in der Nähe versammelt. Die meist jungen Menschen standen am Donnerstagabend vor einer kleinen Konzertbühne in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain. Eine Hip-Hop-Band trat auf und sang: „Fuck the Police“. Die Stimmung war aber friedlich. Größere Proteste wurden für den frühen Morgen erwartet.
Die Polizei war mit zahlreichen Beamten vertreten und hatte die Liebigstraße und die Rigaer Straße zum Teil mit Gittern abgesperrt. Auch Autos hatten keine Zufahrt. Die Polizisten, von denen viele aus anderen Bundesländern kamen, trugen Helme und zum Teil auch Plexiglasschilder. (dpa)
++++Donnerstag,15.30 Uhr +++

Polizei bereitet sich auf Räumung von Liebig34 vor

Die Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain soll am Freitagmorgen wie angekündigt stattfinden. Das bestätigte die Polizei am Donnerstag. „Wir werden den Gerichtsvollzieher begleiten, um in Amtshilfe den Beschluss zu vollstrecken“, sagte eine Polizeisprecherin auf der abgesperrten Straße vor dem Haus. Einzelheiten zum Einsatz und zur Größe des Polizeiaufgebots wollte sie noch nicht verraten und verwies auf den Freitag. Bekannt ist aber, dass die Polizei viele Demonstranten erwartet und mit Tausenden Beamten möglichen Gewaltausbrüchen entgegentreten will.
Am Donnerstagnachmittag begutachtete ein Spezialteam der Polizei mit umfangreicher Kletterausrüstung das Haus Liebigstraße 34. Auch andere Spezialeinheiten sollen am Freitagmorgen bereitstehen. Die Polizei rechnet damit, dass die Eingänge des Hauses verbarrikadiert sind und unter Umständen mit schwerer Technik aufwendig aufgebrochen werden müssen.
Um 13.00 Uhr verließen etwa zehn junge Frauen mit Rucksäcken und großen Taschen die Liebigstraße 34. Auch bei früheren Räumungen von besetzten Häusern waren morgens bei der Ankunft des Gerichtsvollziehers bereits alle Bewohner ausgezogen.
Die Polizei hatte die Kreuzung Liebigstraße und Rigaer Straße am Donnerstagmorgen mit Gittern abgesperrt. Zahlreiche Polizei-Mannschaftswagen standen bereits in der Umgebung verteilt. Im Westen am Bersarinplatz und im Norden befanden sich die Absperrungen sehr weit entfernt von dem Haus. Von Süden und Osten kamen Neugierige fast bis an die Kreuzung. Ob das auch am Freitagmorgen, wenn Demonstrationen gegen die Räumung geplant sind, so sein wird, konnte die Polizei noch nicht sagen. (dpa)
++++Donnerstag, 9 Uhr +++

Nach Brandanschlag: S-Bahn-Verkehr weiter lahmgelegt

Auch drei Tage nach dem Brandanschlag auf einen Kabelschacht im Bereich Frankfurter Allee müssen sich Fahrgäste der Berliner S-Bahn auf Einschränkungen einstellen. Am Donnerstagmorgen konnten Züge der Ringbahnlinien bereits wieder zwischen den Stationen Frankfurter Allee und Ostkreuz fahren, teilte die S-Bahn mit. Die Strecke Neukölln - Ostkreuz bleibt aber weiterhin gesperrt. „Ein Zeitpunkt zur vollständigen Aufnahme des durchgehenden Zugverkehrs kann derzeit noch nicht genannt werden“, hieß es vom Unternehmen weiter.
Betroffen von Verspätungen und Ausfällen sind demnach die Linien S41, S42, S8, S85 und S9. Zwischen Neukölln und Ostkreuz fahren Ersatzbusse.
Am Montagmorgen hatte ein Kabelschacht im Bereich des S-Bahnhofs Frankfurter Allee Feuer gefangen. Ein Bekennerschreiben deutet auf Täter aus dem linksextremen Milieu. Das Schreiben im Internet war unterzeichnet mit „Feministisch-Revolutionär-Anarchistische-Zelle“. Die Verfasser schrieben, der Anschlag richte sich gegen das „kapitalistische Patriarchat“ und die für Freitag geplante Räumung der Liebigstraße 34. (dpa)
+++ Donnerstag, 7 Uhr +++

Steinwürfe und brennende Reifen kurz vor „Liebig 34“-Räumung

Kurz vor der geplanten Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain ist es nach einem Medienbericht zu kleineren Gewaltausbrüchen in der Nähe des Gebäudes gekommen.
Angreifer hätten in der Nacht zu Donnerstag in der Rigaer Straße Steine und Glasflaschen voll Farbe auf Polizisten geworfen, berichtete ein „B.Z.“-Nachtreporter über Twitter.
Auf Fotos waren abgebrannte Autoreifen und Pflastersteine auf der Straße zu sehen. Nachts hatten Anwohner einen kreisenden Hubschrauber gehört. Die Polizei bestätigte am frühen Morgen zunächst nur Würfe mit Farbbehältern, die Auswertung der Nacht sei noch nicht abgeschlossen, hieß es.
Eine Demonstration von mehreren hundert Unterstützern durch die Straßen rund um die Liebigstraße war am Mittwochabend friedlich verlaufen.
Ab Donnerstagmorgen wollte die Polizei die direkte Umgebung der Liebigstraße 34 für Demonstrationen und Autos sperren. Für den Freitag ist ein Großeinsatz mit Tausenden Beamten und Unterstützung aus anderen Bundesländern geplant. (dpa)
+++ Dienstag, 15 Uhr +++

Stimmung der Anwohner und Interessierter

„Es wir hier richtig krachen“, glaubt ein Student, der vor zwei Jahren in den Kiez gezogen ist. Wie viele Anwohner hat er eine gespaltene Meinung. „Brandanschläge auf Autos und Steinwürfe gehen gar nicht“, sagt der 26-Jährige, der nur wenige Hausnummern weiter wohnt. Aber  nachts habe er schon beobachtet, dass auch die Polizei mal gerne provoziert. „Die stehen dann da in einer Reihe und plötzlich tritt einer nach dem anderen mit dem Fuß gegen die Tür, als wäre es ein Mutprobe“, berichtet der junge Mann.
Die Berliner Polizei ist am Freitag mit mindestens 2500 Beamten im Einsatz und hat Unterstützung aus anderen Bundesländern angefordert. Auch vier Wasserwerfer, Höhenrettertrupps und ein Spezialeinsatzkommando werden sich bereithalten.
„Alles völlig unverhältnismäßig“, findet ein Handwerker aus Weißensee. Auf dem Weg zur Arbeit hat er mit seinem Transporter angehalten, um die Statements der Besetzer zu hören, die ihr Haus auch als Zufluchtsort für Opfer von „patriarchaler Gewalt und Transfeindlichkeit“ beschreiben.  „Ich wollte mir diese Seite mal anhören“, erklärt der 54-Jährige. Die Immobilien ausgerechnet in der Corona-Pandemie zu räumen, findet er bedenklich. „Wo sollen die denn hin?“, fragt der Berliner. Er sieht eher den Staat in der Pflicht für Deeseskalation zu sorgen. „Man könnte dem Eigentümer das Angebot machen, ihn auszuzahlen.“
Die türkische Verkäuferin aus dem Backshop direkt gegenüber äußert sich nicht negativ über die Hausbesetzer. „Die sind seit vielen Jahren nette Kunden“, sagt sie. Ihre Toilette kann man allerdings seit einer Demonstration gegen die Räumung am Sonnabend nicht mehr benutzen. „Die sind zerstört. 1200 Euro Schaden.“

Liebig 34 verbarrikadiert

Das bunt bemalte und mit Transparenten behängte Haus ist inzwischen zum Teil verbarrikadiert. An den meisten Balkonen sind Stacheldraht und Gitter von Einkaufswagen angebracht. Die Fenster im Erdgeschoss und teilweise auch in den oberen Stockwerken haben schon lange Gitter. Journalisten durften am Dienstag keinen Blick in den Durchgang zum Hof, in den Innenhof oder das Treppenhaus werfen. „Die Antwort heißt Nein“, sagte eine Bewohnerin. Auch am benachbarten, teilweise besetzten Haus Rigaer Straße 94 hing ein riesiges Transparent: „Liebig 34 bleibt“.

Widerstand ab 3 Uhr nachts

In Aufrufen im Internet zum Widerstand gegen die Räumung hieß es: „Wir werden nicht tatenlos zusehen! Kommt ab 3 Uhr morgens mit uns auf die Straße!“ Verlinkt wird zu einer „Aktionskarte“, auf der Ziele für mögliche Sachbeschädigungen markiert sind: Immobilienfirmen, Büros von Gerichtsvollziehern, SPD-Büros, Polizeiwachen und Baustellen. Besser als Sitzblockaden seien „dezentrale Aktionen“ gegen die „Infrastruktur“ von Polizei und Staat, stand bereits vor Tagen im Internet.
+++ Dienstag, 12 Uhr +++

Pressekonferenz der Bewohner von „Liebig 34“

Dass die Nerven von Polizei und Linksautonomen schon vor der angekündigten Räumung am Freitag blank liegen, kann man live bei einer Pressekonferenz der Hausbewohner am Dienstag erleben.
Vor dem besetzten Haus in der Liebigstraße 34 in Friedrichshain nehmen Aktivisten an einem Holztisch Platz und verlesen ihre Manifeste. Noch während Journalisten Fragen an ihre Anwälte stellen, greifen Polizeibeamte plötzlich eine verkleidete Frau im grünen  Dino-Kostüm vom Podium, die einen Motorradhelm trägt und komplett vermummt ist. Ein Aufschrei geht durch die Menge, es gibt ein Gerangel, Anwohner brüllen die Polizisten an, die die Frau in den Polizeiwagen abführen. „Der Helm stellt eine Schutzbewaffnung da, die bei Versammlungen verboten ist. Wir nehmen von der Straftäterin nur die Personalien auf, dann darf sie wieder gehen“, erklärt einer der Beamten.
„Sie sehen, in welcher Form die Polizei gegen die Bewohner vorgeht. Es wäre sicher vernünftiger gewesen, erst einmal ruhig nach den Personalien zu fragen“, sagt Moritz Heusinger, Anwalt des Vereins „Raduga e. V.“.

Angst vor Krawall-Touristen

Seit mittlerweile 30 Jahren ist das Haus im Friedrichshainer Kiez nun schon besetzt. In der linksradikalen Szene gilt es als eine der letzten Bastionen in einem sich wandelnden Berlin, in dem die Räume für Anarchie und Untergrund-Projekte immer mehr schwinden. Umso mehr soll das Symbolprojekt „Liebig 34“ verteidigt werden. Hart, kompromisslos und im Zweifel auch mit Gewalt. Und das eventuell auch an anderen Orten der Stadt. Sicherheitsexperten befürchten deshalb schon einen zweiten 1. Mai, zu dem Krawall-Touristen extra anreisen. In vielen Städten rufen linke Initiativen zu Protesten in Berlin auf und kündigen Aktionen an.

Massiver Widerstand angekündigt

Die Bewohner und Bewohnerinnen des linksradikalen Symbolprojekts „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain haben massiven Widerstand gegen die für Freitag geplante Räumung angekündigt. „Wir werden dieses Haus nicht freiwillig hergeben“, sagte eine Frau am Dienstag bei einer Pressekonferenz auf der Liebigstraße. Für solche Orte kämpfe man, „mit allen Mitteln, mit allen Kräften“.
Die Räumung sei illegal, sagte ein Anwalt der Bewohner - weil der Räumungsbescheid sich gegen einen Verein richte, der gar nicht mehr im Haus sei, sondern die Wohnungen schon früher an einen weiteren Verein untervermietet habe. Zudem sei der geplante große Polizeieinsatz während der Corona-Pandemie gefährlich.

Polizei nimmt Frau bei Pressekonferenz von „Liebig 34“ vorläufig fest

Bei einer Pressekonferenz von Bewohnerinnen des umkämpften Hauses „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain hat die Polizei eine Aktivistin vorläufig festgenommen. Während die Pressekonferenz am Dienstagvormittag mit Beteiligung der Frau noch lief, griffen Polizisten ein und führten sie zur Feststellung ihrer Personalien ab.
Die Frau hatte sich für die Pressekonferenz verkleidet, vermummt und trug einen Motorradhelm. Die Polizei warf ihr vor, mit dem Helm gegen das Versammlungsgesetz, das den Ablauf von Demonstrationen regelt, verstoßen zu haben. Die Pressekonferenz sei Teil der ab 11.00 Uhr angemeldeten Demonstration vor dem Haus Liebigstraße 34 gewesen, sagte der Einsatzleiter der Polizei.
+++ Montag, 5. Oktober +++

Brandanschlag auf S-Bahn

Am Montagmorgen verübten mutmaßlich Extremisten einen Brandanschlag auf Kabelverbindungen der S-Bahn nahe dem Bahnhof Frankfurter Allee in Friedrichshain. Im Internet erschien ein Bekennertext mit dem Absender „Feministisch-Revolutionär-Anarchistische-Zelle“. Die Verfasserinnen schrieben, der Anschlag richte sich gegen das „kapitalistische Patriarchat“ und die Räumung der Liebigstraße 34. Die S-Bahn ist dadurch laut dem Sender RBB bis Freitag gestört.

Linke Unterstützer aus Deutschland und Europa

Bei der geplanten Räumung des Hausprojekts „Liebig 34“ am Freitag stehen sich voraussichtlich Polizisten und Demonstranten aus ganz Deutschland gegenüber.
In vielen Städten rufen linke Initiativen zu Protesten in Berlin auf und kündigen Aktionen an. Gleichzeitig erhält die Polizei umfangreiche Unterstützung aus anderen Bundesländern.

Straßensperrungen rundum „Liebig 34“

Anwohner rund um das linksradikale Symbolprojekt „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain müssen sich von Donnerstag bis Sonntag auf Einschränkungen und Sperrungen einstellen.
Von Donnerstag 5.00 Uhr bis Sonntag 1.00 Uhr gilt in den Straßen rund um das Haus ein Halteverbot für Autos, wie die Polizei am Dienstag auf Twitter mitteilte. Davon betroffen sind ein großer Teil der Liebigstraße, die Rigaer Straße von der Zellestraße bis Bersarinplatz, die Weidenstraße und ein kleines Stück der Bänschstraße.

Demonstrationsverbot im Nordkiez in Friedrichshain

Ferner gilt am Donnerstag und am Freitag ein Demonstrationsverbot in der Rigaer Straße zwischen Liebigstraße und Bersarinplatz sowie in der Liebigstraße bis zur Bänschstraße. Die Polizei kontrolliert die Zugänge zu dem Bereich.
Durchgelassen werden Anwohner, Besuchende und Lieferanten. Fahrräder, Motorräder und Müllcontainer dürfen dort ebenfalls nicht mehr stehen. Um Sitzblockaden der Straßen durch Demonstranten zu verhindern, wird die Polizei voraussichtlich am Donnerstag Absperrgitter aufstellen. Bisher ist eine Demonstration an dem Tag angemeldet.
+++ Samstag, 3. Oktober +++
Am Abend demonstrierten Linke in Friedrichshain für den Erhalt des besetzten Hauses „Liebig 34" vom Samariterplatz zur Margarete-Sommer-Straße. Der Zug startete laut Polizei mit rund 700 Teilnehmern gegen 21.30 Uhr, im Verlauf der Strecke sei der Zug auf bis zu 2000 Menschen angewachsen. Einige Demonstrierende hätten Pyrotechnik gezündet und auf Einsatzkräfte geworfen. Einzelne hätten Beamte angegriffen und mit unbekannten Flüssigkeiten besprüht. Einige Teilnehmer hätten auch versucht, die Polizeibegleitung zu durchbrechen. Mehrere Personen seien festgenommen worden.

Youtube-Video des Hausbewohner: Wer sie sind.

Youtube Der Kampf um die Liebig34 geht weiter.