25 Jahre
: Deutschlands größtes Naturkaufhaus in Berlin-Steglitz feiert Jubiläum

Vor 25 Jahren, als Öko-Mode noch eine Randerscheinung war, eröffnete das Naturkaufhaus  in Steglitz.
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Von Maria Neuendorff
Berlin
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Vielfältiges Angebot: Kaufhausleiter André Fischer ist Herr über Öko-Waren auf 4000 Quadratmetern. Vor 25 Jahren, als Öko-Mode noch einen Randerscheinung war, eröffnete das Naturkaufhaus  in Steglitz.

Maria Neuendorff

Von pestizidfreier Mode zu nachhaltigen Wohnaccessoires, von Natur-Kosmetik bis zu Bio-Feinkost ist auf acht Etagen alles zu haben. In der Abteilung mit den Heimtextilien duften die Kissen nach Lavendel. Die Naturwolldecken gibt es nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde. Geflochtene Hüte und Naturkorbtaschen stehen neben Hockern aus Wurzelholz. Neben Natursteinschmuck kann man auch Yoga-Matten aus Kautschug erwerben. In der Babyabteilung gibt es nicht nur Lauflernschuhe mit Barfußgefühl, sondern auch Holzspielzeug und Kinderwagen.

Es fühlt sich ein bisschen an  wie im KaDeWe, nur dass hier die  namhaften Labels sowie die Kleider von der Stange Öko-Siegel oder Fair-Handel-Zertifikate tragen. „Wir haben das größte stationäre Naturwarenangebot in ganz Deutschland“, sagt André Fischer. Normalerweise würde der Kaufhausleiter die Kunden zum 25. Jubiläum des Hauses gerne mit Prosecco empfangen. Der bleibt zu Corona-Zeiten nun im Lager. „Dafür werden wir in der Jubiläumswoche für die Stammkunden kleine Geschenk-Taschen mit Kosmetik packen“, kündigt der 44-Jährige an.

Öko-Mode ist heute hipp

Als er vor 23 Jahren im Naturkaufhaus anfing, das 1995 in der vierten Etage der Galleria eröffnet hatte, gab es noch nicht einmal Biosupermärkte. „Öko-Mode bestand hauptsächlich aus Sackleinen und wurde von vielen Menschen als hässlich empfunden“, erinnert sich Fischer.

Inzwischen hat sich der Trend fast umgekehrt. Fischer führt zu den Auslagen mit schicken Hemden und Hosen von  Marc O’Polo und hippen Berliner Labels wie „Blutsgeschwister“. „Heute ist es häufig das Design, das die Kunden zuerst anzieht“, erklärt Fischer. „Über das besondere Kleidungsstück fangen die Menschen dann an, sich für die Firma und den nachhaltigen Gedanken hinter der Produktion zu interessieren und denken: Beim nächsten Kauf soll es wieder so ein nachhaltiges Teil sein.“ Hinter vielen Produkten steht eine Geschichte. Wer sie sich auf den Zertifikaten und Broschüren durchliest, erfährt zum Beispiel, dass die edlen blaubraunen Sporttaschen und Portemonais von „Zirkeltraining“ aus recycelten Turnmatten und dem Leder defekter Sprunggeräte bestehen.

Als Tragegurt dienen bei manchen Modellen aussortierte Klettertaue. „Wenn eine Schule Geld für neue Geräte bekommt, geht der Gründer Bernd Dörr in die Turnhalle und sammelt die alten Gerätschaften ein“, berichtet Fischer. Die Ware, die der Designer daraus fertigt, ist inzwischen mehrfach preisgekrönt.

Modelle oft nicht billig

Das Leder der rahmengenähten Schuhe von "Think“ wurden nicht mit Chrom gegerbt. „So bekommt man, wenn man viel schwitzt, keine Allergien an den Füßen“, erklärt Fischer. Die meisten Modelle sind mit Preisen von um die 150 Euro nicht billig. "Aber man kann die Korksohle austauschen, die Schuhe zur Aufbereitung einschicken und bekommt sie dann wie neu wieder.“

Wer ein „Charity-Shirt“ der Kölner Modedesignerin Claudia Lanius kauft,  spendet automatisch drei Euro für ein Schulprojekt in Indien. Auf den Waren finden sich anerkannte Zertifikate, wie das GOTS-Siegel, die Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und Tierleid ausschließen. Wenn doch einmal Kunststoff dabei ist, dann steckt ein Umweltprojekt dahinter. So wurde die Beschichtung der wasserdichten Jacken von KnowledgeCotton aus Plastikmüll recycelt, der aus dem Meer gefischt wurde.

Was in der aktuellen Saison nicht verkauft wird, kommt in die Schnäppchen-Abteilung ins Untergeschoss. "Dass nichts im Schredder landet, gehört bei uns auch zur Philosophie“, betont Fischer. Selbst das Geschenkpapier muss man nicht in der Mülltonne entsorgen. Das Muster besteht aus integrierten Samen. „Man kann es auf die Erde legen, gießen und irgendwann sprießen Pflanzen“, so Fischer.

Jubiläumswoche

Das Naturkaufhaus in der Galleria Steglitz an der Schlossstraße 101 feiert sein 25-jähriges Bestehen ab Montag mit einer Jubiläumswoche.

Das Stammhaus hat montags bis donnerstags von 10.30 bis 18 Uhr und freitags und sonnabends von 10.30 bis 18 Uhr, ab der kommenden Woche ist bis 20 Uhr geöffnet.

Die Filiale des Naturkaufhauses in Bernau, Börnicker Chaussee 1 - 2, öffnet jeweils schon um 9.30 Uhr.⇥neu