A100-Brücke in Berlin
: Angst vor weiteren Havarien – das sagen Experten

Der Brückenabriss auf der Autobahn A100 und die zusätzliche Belastung auf den Stadtstraßen könnten die kritische Infrastruktur in Berlin gefährden. Es geht um Gas und Wasser. Was sagen die Betreiber?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Ringbahnbrücke A100: 07.04.2025, Berlin: Baumaschinen stehen auf der gesperrten Ringbahnbrücke. Für den Brücken-Abriss müssen die umliegenden Kleingärten weichen. Der Abbruch der maroden A100-Brücke soll in dieser Woche beginnen. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Baumaschinen stehen auf der gesperrten Ringbahnbrücke der Autobahn A100 in Berlin. Der Abriss der maroden Überführung soll in dieser Woche beginnen.

Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Die marode A100-Brücke in Berlin wird abgerissen, Verkehrsbelastung auf Stadtstraßen steigt.
  • Experten befürchten Schäden an Gas-, Wasser- und Stromleitungen unter den Straßen.
  • Gas- und Wasserbetriebe halten die Leitungen für sicher, solange bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
  • Umleitungsrouten und Baustellenplanung sind noch nicht finalisiert.
  • S-Bahn soll ab dem 28. April wieder fahren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im neuen Livestream zum Abriss der Ringbahnbrücke auf der Autobahn A100 in Berlin kann man sehen, wie Laster Kies und Matten für ein sogenanntes Fallbett herankarren. Mit diesem Schutzschild sollen Schienen und Kabel, die unter der gerissenen Brücke über die S-Bahn-Trasse verlaufen, geschützt werden, damit diese zum Beispiel nicht von herabfallenden Betonteilen beschädigt werden.

Doch was ist eigentlich mit den vielen Kabeln und Rohren unter den umliegenden Stadtstraßen, auf denen sich der Verkehr während der Zeit von Abriss und Neubau der A100-Brücke ungewöhnlich potenziert?

A100-Brücken-Abriss - Angst vor beschädigten Leitungen

Schon kurz nachdem der Riss Anfang März in der Autobahn entdeckt worden war, bat der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, zu prüfen, ob man auf der daraufhin eingerichteten einspurigen A100-Verkehrsführung nach Norden wenigstens Lkw zulassen sollte, um ihr Ausweichen ins Berliner Stadtstraßennetz zu verhindern.

Dies sei notwendig, um die Gefahr zu minimieren, dass die ebenfalls im sanierungsbedürftigen Zustand befindlichen Anlagen zur Strom- und Wasserversorgung durch die erheblichen zusätzlichen Belastungen ebenfalls kurzfristig havarieren, hieß es in einer Presseerklärung des Bezirksamts.

Doch was sagen die Betreiber der Gas-, Wasser- und Stromleitungen selbst dazu? Teilen sie diese Ängste?

Bei der Gasag Tochter NBB, der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, hat man erst einmal keine Sorge um die Gas-Leitungen, die unter den Fahrbahnen liegen. „Denn schon im Regelwerk des für uns zuständigen Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches ist festgelegt, dass zwischen der Oberfläche und unseren Leitungen eine Überdeckung von mindestens 0,8 Metern liegen muss, die Belastungen abfängt und ins Erdreich ableitet“, erklärt NBB-Sprecher Andreas Wendt.

A100 – Umleitungsroute steht noch gar nicht fest

Als zuständiges Unternehmen für die Gasinfrastruktur führe die NBB für einzelne Abschnitte regelmäßig Lastberechnungen durch. Dabei würden die Druckstufe, die Überdeckung der Leitungen sowie die Gewichtsklasse der Lkw berücksichtigt.

„Für Berlin können wir sagen, dass der Verkehr mit Schwerlastern auf vom Baulastträger zugelassenen Straßen unbedenklich ist, solange ihr Gewicht 60 Tonnen nicht überschreitet, die vorgegebene Regelüberdeckung eingehalten wird und die Leitungen einen Durchmesser von 600 Millimeter nicht überschreiten“, erklärt Wendt.

Für den Gastransport benutze man im Berliner Untergrund generell nicht die breitesten Rohre. Mehr Durchmesser brauchen eher die Wasserbetriebe.

Doch auch dort gibt es bei Anfrage erst einmal Entwarnung: „Es sind ja keine Fahrradstraßen, in die der Verkehr umgeleitet wird“, erklärt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. „Aber die Frage ist jetzt natürlich, welche geplanten Baustellen wir auf den Umleitungsstrecken auf die lange Bank schieben oder ganz auslassen müssen.“ Die Anzahl könne man erst ermitteln, wenn bei einem erneuten Spitzentreffen die offiziellen Umleitungsrouten für den betroffenen Abschnitt zwischen Kaiserdamm und Spandauer Damm festgelegt werden. Bisher gebe es ja zwei Varianten, so Natz.

Ringbahn soll nach den Osterferien wieder fahren

Alleine die Berliner Wasserbetriebe haben im Jahr rund 1000 Baustellen. Problematisch würde es, wenn die Umleitung über eine metergroße Trinkwasserleitung führen würde, die schon länger sanierungsbedürftig ist, erklärt Natz. „Wir gehen aber davon aus, dass man das in der Routenführung berücksichtigen und überall Kompromisse suchen wird“, betont Natz.

Problematisch sei auch, dass nicht klar sei, wie lange überhaupt die Baumaßnahmen an der A100 andauern werden und ob man vielleicht, neben der ebenfalls auf der Stadtautobahn A100 liegenden Westendbrücke, vielleicht auch noch gleich die Rudolf-Wissell-Brücke vorzeitig mit abreißen werde.

Der Rückbau der Ringbahnbrücke jedenfalls soll spätestens bis zum 25. April abgeschlossen sein, teilt die Autobahn GmbH mit. Danach werden die Gleise der Ringbahn zwischen Halensee und Westend wiederhergerichtet. Die S-Bahn solle dann planmäßig ab dem 28. April wieder fahren. Wann mit dem Neubau der Ringbahnbrücke begonnen werden kann und wie lange dieser dauert, dazu kann momentan noch keiner etwas sagen.

Doch erst, wenn die Maßnahmen am Dreieck Funkturm, das täglich 230.000 Fahrzeuge passieren, in Umfang und Länge kalkulierbar sind, könnten auch die Wasserbetriebe einen Fahrplan für ihre Baustellen aufstellen.

Rohre durchschnittlich 50 Jahre alt

Um das 19.000 Kilometer lange Rohrsystem sicher am Laufen zu halten, müssen stetig Leitungen für Abwasser und Trinkwasser erneuert werden. Das Durchschnittsalter der Wasserrohre in Berlin liegt bei 50 Jahren. Die ältesten Leitungen sind etwa 130 Jahre alt.

In Berlin liegen aber auch 99 Prozent der Stromkabel unter der Erde. „Da die Erdkabel in einer Tiefe von mindestens 60 Zentimetern verlegt werden, sind sie auch bei Straßenschäden vor Rissen und Erschütterungen geschützt“, erklärt Stromnetz-Berlin-Sprecher Henrik Beuster. Unter häufig benutzten Wegen oder Zufahrten sollten Erdkabel allerdings in 80 Zentimetern Tiefe verlegt sein.

Da Stromkabel eher schmal sind und dazu elastisch, machen sich die Stromnetzbetreiber wegen Straßenschäden erst einmal keine Sorgen. Die Situation rund um die A100 habe dennoch Auswirkungen. „Bei Stromausfällen kann es nun länger dauern, bis diese behoben werden können“, erklärt Beuster. „Denn unsere Störungs-Teams stehen genauso im Stau wie alle anderen.“

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