AgriKultur Festival in Berlin
: Als Gast kommen, als Farmer gehen – was Besucher erwartet

Das 1. AgriKultur Festival in Friedrichshain will Menschen aus Berlin und Brandenburg, Erzeuger und Konsumenten zusammenbringen. Dort kann man auch Mini-Farmer werden oder Gärtner.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
Jetzt in der App anhören
Ein Behälter mit Löwenzahn, Blattsalat und Rukola stehen einen Tag vor Beginn der Internationalen Grüne Woche an einem Stand. Die Grüne Woche, die weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau, findet vom 20. bis 29. Januar auf dem Gelände der Messe Berlin statt. +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Behälter mit Löwenzahn, Blattsalat und Rukola steht auf einem Tisch. Am Wochenende findet in Berlin-Friedrichshain das erste AgriKultur Festival statt.

dpa/Fabian Sommer
  • 1. AgriKultur Festival in Berlin-Friedrichshain am 20./21. September 2024.
  • Fokus auf nachhaltige Landwirtschaft, regionale Produkte und Austausch.
  • Workshops, Vorträge und Infomarkt zu Bio-Landwirtschaft und Ernährungssystemen.
  • Tiny Farms bieten Mini-Äcker und Ausbildung zu Bio-Bauern an.
  • Konzerte, Film und Nachbarschaftsfest ergänzen das Programm.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Äpfel und Salat, Kräuter, Rüben und Brot: Die Nachfrage nach regionalen Produkten aus Brandenburg steigt in Berlin stetig. Mit dem ersten AgriKultur Festival, das am Wochenende (20/21. September 2024) in Berlin-Friedrichshain stattfindet, wollen die Veranstalter Produzenten und Konsumenten zusammenbringen und das Bewusstsein für regionale, nachhaltige Strukturen in Landwirtschaft und Ernährung stärken.

Zwei Tage lang treffen sich Berliner und Brandenburger Erzeuger, Akteure, Künstler, mit Besuchern zu Austausch und Gesprächen im Wriezener Park, einem verwunschenen ehemaligen Bahngelände zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße. Dort gibt es schon länger ein Umweltbildungszentrum, das Lern- und Kulturort gleichermaßen ist.

Bauernmarkt der solidarischen Landwirtschaft

Der Ort passt zum Konzept des neuen kostenlosen Festivals, das nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung in einen kulturellen Kontext setzen will und sich selbst als Plattform zum Informationsaustausch, Vernetzen, aber auch zum Genießen und Feiern versteht. „Es geht aber nicht darum, einen weiteren Food-Markt in Berlin zu veranstalten“, betont Festival-Organisatorin Annabella Jakab vom Netzwerk Flächensicherung e.V.

Im Zentrum der zweitägigen Veranstaltung stünden vielmehr Vorträge und Diskussionsrunden zu nachhaltigen Ernährungssystemen, veganer Landwirtschaft, Pilzkulturen, Naturschutz und Bio-Landwirtschaft. Auf einem „Bäuerinnen- und Infomarkt“ präsentieren sich rund 20 Initiativen und Betriebe, die größtenteils solidarische Landwirtschaft betreiben, wie zum Beispiel das Ackersyndikat, die Kulturland Genossenschaft, die SoLaWi Basta aus dem Oderbruch oder der „Kleine Hof“ aus dem Spreewald.

Mit dabei sind auch städtische Ernährungs-Akteure, wie zum Beispiel die „LebensMittelPunkte“, ein Netzwerk von Orten, an denen Nachbarn zusammen regionale und gerettete Lebensmittel verteilen oder gemeinsam damit kochen können.

So will sich auch das Vertriebskollektiv „Schnittstelle Berlin“ präsentieren. Dort geht es ebenfalls um regionale Bio-Lebensmittel, die von Kollektiven, Genossenschaften, Kleinstproduzenten und Höfen der solidarischen Landwirtschaft (SolaWi-Höfe) laut Veranstalter „jenseits des agrarischen Mainstreams“ produziert werden. Das Kollektiv „Schnittstelle“ will dabei den Zwischenhandel mit Logistik- und Vertriebsunternehmen überflüssig machen, indem es Kunden beispielsweise eine monatliche „Biodiversitäts-Abokiste“ anbietet. Die Abnehmer erhalten regelmäßig eine Kiste frischen Gemüses und Obsts von vorzugsweise lokalen Höfen mit Hintergrundinfos.

Einen Stand wird auch der „Bauerngarten“ betreiben, der jährlich rund 1500 Menschen mit frischem Ökogemüse – handgezogen vor den Toren Berlins – versorgt. Bei der Initiative können Hobbygärtner für rund 600 Euro in der Saison einen bereits vorbereiteten 44 Quadratmeter großen Acker bewirtschaften und ihr eigenes Bio-Gemüse ernten.

Diese Mini-Äcker sind noch zu haben

Während die Bauerngarten-Standorte in Pankow und Spandau schon für das kommende Jahr ausgebucht sind, gibt es 2025 noch freie Parzellen in Ahrensfelde (Barnim) sowie in Großzieten bei Schönefeld im Südosten Berlins.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen die Tiny Farms, die ebenfalls auf dem neuen Festival vertreten sein werden. Für 1750 Euro können Einzelpersonen und Gruppen einen 180 Quadratmeter großen Acker mit insgesamt acht Beeten in Steinhöfel in der Nähe von Fürstenwalde (Oder-Spree) pachten und von März bis November mit oder ohne fachliche Anleitung bewirtschaften. „Man muss dazu mindestens einen Tag in der Woche vor Ort sein und lernt die Gemüseproduktion unter realen Bedingungen“, erklärt Carla Ulrich von Tiny Farms.

Die Ernte reiche von Salaten, Bohnen, Zucchini, Kohlsorten, Mais bis zu Kräutern. Die Mini-Farmer könnten dabei selbst entscheiden, ob sie das Gemüse selbst verkaufen oder über die gemeinnützige Initiative vermarkten lassen. „Die Ernte generell ist für einen Haushalt deutlich zu viel“, betont Ulrich. Ein Teil der Tiny-Farms-Gemüse lande deshalb auch in LPG-Bio-Supermärkten sowie in Abo-Kisten.

Doch den meisten Städtern gehe es in erster Linie nicht um Eigenversorgung und Ertrag, berichtet Ulrich. Sie schätzten vor allem den Ausgleich zum Alltag am Schreibtisch, die körperliche Betätigung, den Kontakt mit der Natur und die Gemeinschaftserfahrung.

Diese gibt es auch bei der neunmonatigen Akademie, in der man sich digital und praktisch in vier Praxis-Wochenenden berufsbegleitend zum Bio-Bauern weiterbilden lassen kann. Obwohl die Teilnahmegebühr 1.350 Euro kostet, war die Akademie 2024 schnell ausgebucht. „Die Anmeldung für 2025 werden wir im November starten“, kündigt Carla Ulrich an. Als gemeinnützige Initiative vergebe Tiny Farms auf Anfrage aber auch Stipendien an besonders motivierte Menschen, die sich ihren Traum vom eigenen kleinen Bio-Hof erfüllen wollen, erklärt die Sozialwissenschaftlerin und Aktivistin für eine sozial-ökologische Ernährungswende.

So gehe es beim Festival auch darum, Menschen den Zugang zur Landschaft zu ermöglichen und Brücken zwischen Stadt und Land zu bauen. „Wir brauchen mehr junge Leute, die sich für Landwirtschaft interessieren“, sagt Annabella Jakab vom Veranstaltungsteam. Erste theoretische und praktische Anleitungen soll es in Form von Workshops schon auf dem Festival geben. „Mitmachen, ausprobieren und vielleicht auch mal in eine unbekannte Gemüse-Sorte beißen“, fasst es Jakab zusammen.

Diskussionen zu gerechter Bodenpolitik

Das können zum Beispiel eine lilafarbene Karotte oder bunter Mangold sein. „Es gibt ja alleine mehr als 50 verschiedene Tomatensorten“, betont die 40-jährige Agrarwissenschaftlerin, die in Eberswalde studiert hat.

„Auf dem Festival will man vor allem auch zeigen, was kleinere Betrieb in Sachen Vielfalt und gesunde Ernährung zu leisten vermögen“, erklärt Jakab. Obwohl an einigen Stationen auch zusammen geschnippelt und gekocht werde, sei für das leibliche Wohl hauptsächlich das Café Nirgendwo neben dem alten Lokschuppen zuständig, in dem Gäste Getränke und Snacks kaufen können.

Im Wriezener Park in Berlin-Friedrichshain gibt es schon länger ein Umweltbildungszentrum, das Lern- und Kulturort gleichermaßen ist. Hier soll am Wochenende das erste AgriKultur-Festival stattfinden.

Im Wriezener Park in Berlin-Friedrichshain gibt es schon länger ein Umweltbildungszentrum, das Lern- und Kulturort gleichermaßen ist. Dort soll am Wochenende das erste AgriKultur-Festival stattfinden.

Kulturort Nirgendwo/Stefanie Zimmermann

An den Markt-Ständen geht es dagegen eher um geistige Nahrung. So können sich die Besucher unter anderem mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) über gerechte Bodenpolitik und den Zugang zum Land austauschen oder etwas über die Forschung des Citizen Science Projekts U-Cycle zu urinbasiertem Recyclingdünger erfahren.

Veranstalter des Festivals ist das KOPOS-Projekt in Kooperation mit dem BUND Berlin. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte KOPOS-Projekt hat in den letzten fünf Jahren an den Themen Flächenzugang und Flächensicherung für die Landwirtschaft gearbeitet. Am ersten Festivaltag (Freitag, 20. September 2024, 10 bis 22 Uhr), der sich eher an Fachpublikum richtet, werden auf einer Konferenz bis 16.30 Uhr Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.

Die Konferenz mit Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis, für die eine Anmeldung unter www.agrikulturfestival.de/festival erforderlich ist, schließt gegen 17.30 Uhr mit einem Wissenschaftsvarieté des Ensembles „Salon Fähig“ ab, zudem dann wiederum jedermann eingeladen ist.

Konzerte und Filmvorführung

Am Sonnabend, 21. September, öffnet das Festival von 11 bis 0 Uhr für ein breites Publikum. Zum Kulturprogramm gehören Rubén Abruñas Dokumentarfilm „Holy Shit. Mit Scheiße die Welt retten“ sowie Konzerte der Bands „Der wankende Wolf“, „Aroieiras“ und „Iris Lamouyette“. Zudem soll es gegen Abend eine Silent-Disko und eine kleine Party an der Feuerstelle des Café Nirgendwo geben.

Parallel zum AgriKultur Festival findet von 11 bis 20 Uhr das Nachbarschaftsfest des Urban Gardening Projekts „GleisBeet“ des Vereins NaturFreunde im Wriezener Park statt. „Das vielfältige Kinderprogramm zu den Themen Landwirtschaft und Ernährung dort könnte auch für kleine Festival-Besucherinnen und Besucher interessant sein“, ist sich Annabella Jakab sicher.

Bewusst genießen

Von der Lausitz bis ins Oderbruch, vom Havelland bis in die Uckermark - Brandenburg ist keineswegs die kulinarische Wüste, als die das Land oft geschmäht wird.

Zum Podcast