Autobahn: Verkehr an der Grenze fließt wieder nach Corona-Stau

Entspannt: Auf der Autobahn 12 in der Nähe des Grenzübergangs bei Frankfurt (Oder) floß der Verkehr am Freitagnachmittag zügig, nachdem es durch die Corona-Kontrollen lange Staus gab.
Ina Matthes/MOZÜber Nacht hatte sich der Mega-Stau auf der A12 aufgelöst, auch die verstopften Bundesstraßen waren am Freitagmorgen wieder frei. Kontrollen Polens an der Grenze hatten die Region am Donnerstag nahezu lahmgelegt. „Das war extrem“, schildert Lange, „wir kamen aus Frankfurt (Oder) zwar raus, aber nicht mehr zurück.“
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Die Fahrer waren zwei bis dreimal so lange unterwegs wie üblich, schildert der Geschäftsführer der T&P Transport-Logistik-Service GmbH. Großhandelslager nähmen Ware aber in einem bestimmten Zeitfenster an. Kommen die Transporte mit Äpfeln oder Bier zu spät, können sie nicht mehr entladen werden. Die Fahrer müssen mit der vollen Ladung wieder zurück.
Doch Polen hatte über Nacht die Kontrollen an der Grenze entschärft. „Die Lkw rollen“, sagte Eberhard Tief vom Landesverband des Berliner und Brandenburger Verkehrsgewerbes LBBV am Freitagmorgen mit hörbarer Erleichterung in der Stimme. Noch am Donnerstag sah es so aus, als ob sich die Situation dramatisch aufschaukeln würde, Lieferketten drohten zusammenzubrechen. Weil Lkw versuchten, den Stau auf der A12 zu umgehen, verstopften sie wichtige Bundesstraßen – die B87, B1 und B5 beispielsweise. Eine katastrophale Situation, auch für die FGL Handelsgesellschaft in Fürstenwalde. Das Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen liefert Saatgut, Dünger und Tierfutter an deutsche Abnehmer und nach Polen. Es gehört in der Corona-Krise zu den strukturrelevanten Bereichen. Ohne die Lieferungen geraten die Bauern in Schwierigkeiten. Das Verkehrschaos hatte keine gravierenden Folgen, die Versorgung mit Futter zum Beispiel geriet nicht in Gefahr. Aber es bauen sich latente Probleme in der Logistik auf. „Es gibt nicht ausreichend Kapazitäten bei den Speditionen“, sagt FGL-Chef Martin Bock. Wenn mehr Lkw Kartoffeln und Toilettenpapier durch die Gegend fahren müssten, weil gehamstert wird, dann fehlten die Transportkapazitäten fürs Saatgut.
Bei Stahl wird`s etwas knapper
Von Lieferproblemen hingegen scheint im Handwerk im Großen und Ganzen nichts zu spüren zu sein. Bei der Handwerkskammer in Frankfurt (Oder) lagen am Freitag keine Hinweise auf Materialengpässe vor. Die Lieferanten können noch ausreichend Material zur Verfügung stellen, sagte Angelika Huth, Geschäftsführerin der HuT Oderbau GmbH in Müncheberg. Erste Engpässe deuten sich nach ihren Schilderungen aber bei bestimmten Stahlerzeugnissen an. Hersteller könnten nicht in dem Maße liefern wie üblich, weil ihnen polnische Arbeitskräfte fehlen. Diese spielen auch in den deutschen Speditionen eine große Rolle. Unternehmen hatten befürchtet, dass ihre polnischen Fahrer vom Wochenendbesuch bei den Familien nicht zurückkommen, weil sie unter Quarantäne gestellt werden. Auch hier kann Eberhard Tief vom Logistikverband LBBV Entwarnung geben. Die Fahrer können dank einer Ausnahmeregelung die Grenze Richtung Deutschland passieren, wenn sie einen Arbeitsvertrag beziehungsweise eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorweisen können. Da manche Arbeitsverträge schon älter sind, rät Tief dazu, beide Dokumente mitzunehmen.
Dass viele polnische Arbeitskräfte übers Wochenende nach Hause fahren, macht sich in der Grenzregion üblicherweise freitags auf den Autobahnen bemerkbar. Zu Staus kam es bis zum Nachmittag nicht, die Lage war eher entspannt. Der Frankfurter Transportunternehmer Michael Lange hofft, dass sich das Dilemma vom Donnerstag nicht wiederholt. „Wir müssen Vorkehrungen treffen, damit der Wirtschaftsverkehr in der Region läuft“, sagt er. Nur so könne die Versorgung in der Region gesichert werden.