Bahn Berlin – Hamburg
: Welche Folgen die Sperrung für Pendler in Brandenburg hat

Um die neunmonatige Sperrung der Bahnstrecke Berlin - Hamburg sind neue Diskussionen entbrannt. Was auf Pendler in Brandenburg zukommt.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Auf der Bahnstrecke Berlin -Hamburg wird nicht das erste Mal gebaut. Bei der Generalsanierung ab Sommer 2025 wird die wichtige Strecke, die neben ICEs auch viele Regionallinien betreffen, aber komplett gesperrt.

Auf der Bahnstrecke Berlin - Hamburg wird nicht das erste Mal gebaut. Doch bei der Generalsanierung ab Sommer 2025 wird die wichtige Pendler-Strecke, auf der neben ICEs auch viele Regionallinien verkehren, komplett gesperrt.

dpa/Markus Scholz
  • Ab Sommer 2025 wird die Bahnstrecke Berlin-Hamburg für neun Monate komplett gesperrt.
  • Bis zu 173 Ersatzbusse täglich im Einsatz, vor allem für Pendler aus Berlin und Brandenburg.
  • Fahrzeiten verlängern sich erheblich, insbesondere im Berliner Speckgürtel.
  • Politiker und Verbände fordern kürzere Bauzeiten; DB prüft vorzeitige Öffnung Berlin-Nauen.
  • 180 km Gleise und 200 Weichen werden erneuert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es soll der aufwändigste Schienenersatzverkehr werden, den es in Deutschland je gegeben hat. Wenn ab dem 1. August 2025 bis zum 30. April 2026 die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wegen einer Generalsanierung voll gesperrt wird, werden laut Deutsche Bahn (DB) in Spitzenzeiten bis zu 173 Busse im Einsatz sein, die auf 26 Linien verkehren und täglich insgesamt bis zu 86.000 Kilometer zurücklegen.

Auf den Ersatzverkehr mit Bussen und Umleitungen auf andere Strecken sind besonders auch Regionalzug-Pendler aus Berlin und Brandenburg angewiesen. Besonders betroffen sind die Prignitz, Ostprignitz sowie das Havelland mit boomenden Pendler-Gemeinden wie beispielsweise Falkensee und Nauen im Berliner Speckgürtel. Laut Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg wird alleine der Bahnhof Nauen täglich von rund 5.000 Ein- und Aussteigern frequentiert.

Längere Fahrzeiten für Pendler in Berlin und Brandenburg

Viele Pendler werden in der Zeit der Vollsperrung auf das Auto umsteigen, was wiederum die Staugefahr auf den Ausfallstraßen erhöht. Diese werden zusätzlich durch die Busse des Schienenersatzverkehrs belastet.

Das gilt besonders auch für den Verkehrsknotenpunkt am Bahnhof Berlin-Spandau. So sieht das derzeitige Konzept der Bau-Planer derzeit vor, den Ersatzverkehr gar nicht bis zum Bahnhof Spandau fahren zu lassen. Stattdessen sollen mehrere Regionalverkehrslinien von Spandau aus über Staaken, Dallgow-Döberitz, Elstal nach Wustermark umgeleitet werden. Von da aus soll es dann weiter mit Bussen gehen.

Eine Fahrt im Berufsverkehr von Berlin-Spandau nach Nauen (Havelland) würde, wenn alles gut geht, so knapp 50 Minuten dauern. Momentan kommt man in einer halben Stunde und ohne Umsteigen von Berlin-Spandau nach Nauen.

Pendler der 45.000-Einwohner-Stadt Falkensee brauchen derzeit sogar nur sechs Minuten nach Berlin-Spandau. Während der Sperrung müssen sie in einen Bus nach Dallgow-Döberitz steigen und dann von dort mit dem RB21 über Staaken in die Hauptstadt fahren. Von Falkensee bis Spandau wird die Fahrzeit dann rund 25 Minuten dauern.

Die Sperrungen werden aber auch Pendler und Ausflügler bis tief in die Prignitz treffen. So wird die Fahrt von Wittenberge zum Berliner Hauptbahnhof nicht mehr eineinhalb Stunden, wie derzeit mit dem RE8, sondern dreieinhalb Stunden dauern.

Sperrung bei der Bahn für 180 Kilometer neue Gleise

Mit der Generalsanierung will die Deutsche Bahn mehr als 180 Kilometer Gleise und rund 200 Weichen erneuern. Das alles soll insgesamt neun Monate in Anspruch nehmen. Doch einzelne Politiker in den betroffenen Kommunen wollen die Pläne nicht so einfach hinnehmen.

So stellte auch die verkehrspolitische Sprecherin der brandenburgischen SPD Martina Maxi Schmidt vor kurzem im Potsdamer Landtag die Frage, warum für die Sanierung der Bahnstrecke keine kürzeren Bauabschnitte festgelegt werden, um die Strecken für den wesentlich langsameren SEV so kurz wie möglich zu halten?

„Nicht nur wir, sondern auch die Länder Berlin und Brandenburg rätseln, warum die Strecke Berlin-Hamburg in ganzer Länge so lange gesperrt wird“, sagt auch Hans Leister, Vorstand des Fahrgastverbandes Pro Bahn Berlin-Brandenburg. „Wie wir von den Ländern wissen, hat die mit den Planungen beauftrage DB InfraGO darauf noch keine befriedigende Antwort gegeben“, ergänzt Leister.

Normalerweise werde in solchen Fällen häufig auf die Sicherungstechnik wie Stellwerke und Signale verwiesen, die eben einige Zeit in Anspruch nimmt. Allerdings werde nur auf dem Teilstück Berlin-Nauen die neue Sicherungstechnik ETCS eingebaut. „Für den restlichen Streckenverlauf bis Bergedorf vor Hamburg bleibt die bisherige Zugsicherung LZB in Betrieb, beziehungsweise wird wieder eingebaut."

Doch gerade für die Pendler zwischen Berlin und Nauen gibt es derzeit Hoffnung, dass sie zumindest nicht die ganzen neun Monate auf Busse oder das Auto umsteigen müssen.

„Gemeinsam mit ihren externen Projektpartnern prüft die DB InfraGO aktuell, ob der von Pendlern und Pendlerinnen stark frequentierte Streckenabschnitt zwischen Berlin-Spandau und Nauen bereits vor dem 30. April 2026 wieder für den Verkehr freigegeben werden kann“, sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch auf Anfrage.

Forderung nach verkürzten Bauzeiten

Auf einen Bericht in der Märkischen Allgemeinen Zeitung, nachdem die DBInfraGo als zuständiges Unternehmen der Deutschen Bahn angekündigt habe, sich im Frühjahr nochmals mit den Landkreisen und Kommunen der betroffenen Pendlerinnen und Pendler zusammenzusetzen, um Verbesserungen zu beraten, ging der Bahnsprecher jedoch nicht genauer ein.

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Abstimmung mit den Partnern noch andauert“, hieß es nur allgemein. „Sobald Ergebnisse vorliegen, wird die DB die Öffentlichkeit selbstverständlich informieren.“

Laut VBB ist die Strecke Berlin-Nauen nach der Strecke Berlin-Potsdam der meistgenutzte Abschnitt in Berlin-Brandenburg. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn fordert, die Sperrung von Nauen nach Berlin zeitlich strikt auf das absolut Notwendige zu begrenzen. „Alle Generalsanierungen in Deutschland schafft man in fünf bis sechs Monaten“, sagt Vorsitzender Heise. „Warum man hier so lange braucht, bleibt unerfindlich.“

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