Bahn-Streik in Brandenburg 2024
: Chaos droht im Januar – GDL will längere Streiks

In Brandenburg steht das erste Bahn-Chaos für das neue Jahr 2024 vor der Tür. Gleich im Januar soll es losgehen. Außerdem fordern die GDL-Mitglieder längere Streiks. Was bedeutet das für Reisende?
Von
Janine Reinschmidt
Berlin
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Die GDL möchte längere Streiks. Bereits im Januar 2024 könnte das der Fall sein.

Bernd Wüstneck/dpa

In Brandenburg bahnt sich die erste Katastrophe für das neue Jahr bereits an. Die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer wollen im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn und weiteren Eisenbahnunternehmen längere und härtere Streiks. Bei einer Urabstimmung der Gewerkschaft haben sich 97 Prozent der Abstimmenden für unbefristete Arbeitskämpfe ausgesprochen. Das notwendige Quorum müsse mindestens 75 Prozent ergeben – eine klare Botschaft.

Der GDL-Chef Claus Weselsky gab darüber hinaus bekannt, dass der „Weihnachts- und Neujahrsfrieden“erhalten bleibt. Bedeutet konkret: keine Streiks an den kommenden Feiertagen. Doch im neuen Jahr könnte es schnell zur Sache gehen. „Das, was jetzt kommt, wird kräftiger, wird länger, wird härter für die Kunden“, kündigte der Gewerkschaftschef im Vergleich zu den bisherigen Warnstreiks an.

GBL will weniger Arbeitsstunden bei gleichem Lohn

Für die Fahrgäste ist die Lage auch deshalb beschwerlich, weil die Angst vor Streiks schon während der Tarifrunde mit der EVG im Frühling und Sommer für Unruhe sorgte. Unbefristete Streiks solle es aber nicht geben. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.“

Die kommenden Streiks könnten aber länger, wie bislang üblich, 24 Stunden andauern. Auch wenn die Gewerkschaft höhere Löhne fordert, ist das nicht der eigentliche Streik-Grund. Wichtiger für die GDL sei ihre Forderung nach einer Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohn. Die Bahn lehnt das ab, da der damit verbundene Personalaufbau zu groß sei.

In anderen Ländern ist die kürzere Arbeitswoche bereits eingeführt. Bei der italienischen Staatsbahn-Tochter Netinera wird die 35-Stunden-Woche ab 2025 schrittweise eingeführt. Netinera ist allerdings kleiner als die Deutsche Bahn und beschäftigt demnach weniger Menschen.

Weitere Verhandlungen zwischen GBL und Bahn sind offen

Wann weitere Verhandlungen aufgenommen werden, ist aktuell noch unklar. Die GDL hatte Ende November die Tarifgespräche mit der Deutschen Bahn für gescheitert erklärt und später auch die Verhandlungen mit Transdev. Eine Schlichtung mithilfe eines externen Vermittlers schloss Weselsky damals aus. Ein Ausweg ist nicht in Sicht.

Bei vorigen Tarifrunden waren mehrtägige Streiks keine Seltenheit. Der bisher längste GDL-Streik bei der Bahn fand mit 127 Stunden (5 Tage plus 7 Stunden) im Personenverkehr und 138 Streikstunden (5 Tage plus 18 Stunden) im Güterverkehr im Mai 2015 statt.

So viel verdienen Lokführer bei der Deutschen Bahn

Damit verbunden sind Einnahmeverluste der Beschäftigten. Zwar gleichen Gewerkschaften den Lohn- und Gehaltsausfall aus der Streikkasse aus, aber in der Regel nicht in vollem Umfang.

Als Lokführer oder Lokführerin bei der Deutschen Bahn verdient man im Jahr dem Konzern zufolge je nach Berufserfahrung und Einsätzen im internationalen Verkehr oder als Ausbilder zwischen 45.000 Euro und 56.000 Euro inklusive Zulagen. Sie und die Zugbegleiter gehören zu den am stärksten vertretenen Berufsgruppen in der GDL.