Die gute Nachricht für alle Autofahrer in Deutschland ist: Die Spritpreise sind in den letzten Juni-Tagen im Vergleich zur vergangenen Woche leicht gesunken. Laut einer ADAC-Auswertung vom Mittwoch kostete der Liter Super durchschnittlich 2,9 Cent weniger als vor Wochenfrist und der Preis für Diesel war um 2,3 Cent gesunken.
Das Niveau der Kraftstoffpreise hält der größte deutsche Automobilclub dennoch weiter für deutlich zu hoch. Im Verhältnis zu den gesunkenen Rohölpreisen auf dem Weltmarkt bestünde für weitere Preissenkungen noch ein großer Spielraum, lautet die Einschätzung.
Das Problem dabei: Die einzelnen Sprit-Anbieter geben ihre Gewinnmargen sehr unterschiedlich an die Kunden weiter. Letzteren bleibt deshalb nicht viel mehr übrig, als die Preise an den Zapfsäulen genau zu vergleichen. Ein Test am Donnerstagmittag (30. Juni) zeigte, dass dies auch im deutsch-polnischen Grenzgebiet zunehmend an beiden Ufern von Oder und Neiße gilt.

Ausgerechnet Schwedt am teuersten

Auffällig war bei dieser Momentaufnahme allein schon das Preisgefälle unter den Brandenburger Grenzorten. Ausgerechnet in Schwedt, wo doch in der PCK-Raffinerie der Sprit erzeugt wird, waren die Preise mit 1,96 bis 1,99 je Liter Super-Benzin und 2,05 bis 2,08 Euro beim Diesel an höchsten.
Weiter südlich in Frankfurt (Oder) gab es das Super-Benzin an einer Tankstelle schon ab 1,91 Euro und den Diesel ab 2,02 Euro. Am günstigsten schnitten jedoch die Tankstellen in Guben an der Neiße ab, wo Super bereits ab 1,87 Euro und Diesel für 1,98 verkauft wurde. Also innerhalb Deutschlands Differenzen von elf Cent und zum Teil noch mehr.
In Polen gab es am Donnerstag zwar kein Nord-Süd-Gefälle, dafür aber eine andere Regel: Wer nicht gleich an der ersten Tankstelle hinter der Grenze tankt, sondern etwas weiter ins Land fährt, kann noch mehr sparen. Am deutlichsten fiel dieser Unterschied am Grenzübergang Schwedt ins Gewicht. Dort zahlte man in Krajnik Dolny gleich hinter der Grenze umgerechnet 1,79 Euro für das Super-Benzin und 1,76 Euro für den Diesel. Wer dagegen in die 14 Kilometer entfernte Kreisstadt Chojna fuhr, musste nur 1,67 Euro fürs Super-Benzin und 1,70 für den Diesel berappen. Freilich muss bei solch einem Vergleich bedacht werden, dass man auf der längeren Fahrt auch mehr Sprit verbraucht.

Unterschiede in Słubice und Gubin

In Słubice – der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder) – sowie im Gubener Nachbarort Gubin differierten die Preise an den Zapfsäulen freilich auch bis zu vier Cent. Im Durchschnitt beider Orte waren das Super-Benzin für 1,69 Euro und der Diesel für 1,72 Euro zu erhalten. Im Vergleich zu den Preisen in Brandenburg konnte man also grob gerechnet 30 Cent je Liter Treibstoff sparen. Dieser Vorteil gegenüber der Vorwoche resultiert freilich auch daraus, dass der polnische Złoty im Vergleich zum Euro leicht an Wert verloren hat. Der aktuelle Wechselkurs am Donnerstag war 1 Euro gleich 4,68 Zloty.

Sprit ist in den meisten Nachbarländern teurer

Benzin und Diesel sind an deutschen Tankstellen aktuell günstiger oder ähnlich teuer wie in den meisten direkten EU-Nachbarstaaten. Bei einem am 20. Juni vom Statistischen Bundesamt gemachten Vergleich zahlten die deutschen Autofahrer im Tagesdurchschnitt 1,97 Euro für einen Liter Super E5 sowie 2,06 Euro je Liter Diesel. Preiswerter war das Benzin der Marke Eurosuper 95 an diesem Tag nur in Polen (1,70 Euro), Tschechien (1,93 Euro) und Luxemburg (1,94 Euro). Auch der Diesel war in Polen (1,69 Euro), Tschechien (1,93 Euro) und Luxemburg (2,00 Euro) billiger als in Deutschland.
Grund für die zuletzt verhältnismäßig moderaten Sprit-Preise in Deutschland ist die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe seit dem 1. Juni. Noch am 30. Mai war Superbenzin nur in Dänemark und den Niederlanden teurer als in Deutschland, Diesel nur in Dänemark, so die Behörde. Bei der Steuersenkung auf Kraftstoffe geht es inklusive Mehrwertsteuer um 35,2 Cent bei Superbenzin und 16,7 Cent bei Diesel. Nicht alles davon kommt aber bei den Verbrauchern an. (dpa)