Berliner Geschichte
: Einblicke in Liebermanns Welt

Die kostenloses Ausstellung „Liebermanns Welt“ gibt Einblicke in das Familienleben des Malers und sein Haus am Brandenburger Tor.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Am historischen Ort: Die Schau im Liebermann-Haus läuft bis zum 28. Juli.

Maria Neuendorff

Wenn’Se nach Berlin reinkommen, gleich links“ – so beschrieb Max Liebermann Gästen den Weg zu seinem Wohnhaus neben dem Brandenburger Tor. Im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, wurde es in den 1990ern wieder aufgebaut. Derzeit stehen die Türen offen. Eine schöne Einladung an Berliner und Touristen, vom Trubel und der Hitze des Pariser Platzes in das kühle Erdgeschoss zu treten, um dort in das Leben des berühmten Malers einzutauchen. Die kostenlose Ausstellung „Liebermanns Welt“ gibt vor allem Einblicke in das tragische Schicksal seiner Familie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

„Damit wir nicht nur an den Maler Max Liebermann erinnern, sondern auch an seine Frau Martha, die am Tag vor ihrer Deportation in das KZ Theresienstadt Suizid beging“, betont Peter-Klaus Schuster, Vorstand der Stiftung Brandenburger Tor. Die Kulturstiftung der Berliner Sparkasse hat seit dem Jahr 2000 ihren Sitz im Liebermann-Haus. „Ein einzigartiger Ort deutscher Geschichte“, beton Schuster. Nirgendwo sonst lasse sich Glanz, Gefährdung und Untergang von Kultur enger miteinander verknüpfen als an diesem prominenten Platz.

Denn Liebermann war anerkannt wie angefeindet zugleich. Der in Berlin als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Textstilunternehmers  geboren Künstler, galt kurz vor dem Ersten Weltkrieg noch als Patriot. 1914 gehörte er zu den 93 Intellektuelle, des Aufrufes „An die Kulturwelt!“, in dem deutsche Kriegsverbrechen mit einem sechsfachen „Es ist nicht wahr!“ zurückgewiesen wurden. Doch schon sein Bild „Einzug der russischen Kriegsgefangenen durch das Brandenburger Tor“ vom Herbst 1914 wirkt bedrückt.

Spätestens im Frühjahr 1915 distanziert sich Liebermann von seiner anfänglichen Kriegsbegeisterung. 1920 übernimmt er das Amt des Präsidenten der Akademie der Künste. Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches verschafft er der Institution, die sich bis heute gleich gegenüber am Pariser Platz befindet, ein demokratisches Wesen mit freiheitlicher Lehre und öffentlicher Anerkennung. Vor allem aber sichert der impressionistische Maler der Akademie die Unabhängigkeit von der Politik. Auch  sein eigenes Haus am Pariser Platz 1 wird zum Zentrum des kulturellen Lebens in der Weimarer Republik. Die Gesellschaften im von den Eltern geerbten Palais mit Rokoko-Möbeln, ostasiatischen Wandschirmen und französischen Gemälden  sind glanzvoll. Die Tanzfeste, die Tochter Käthe in den 20er-Jahren im Dach-Atelier veranstaltet, werden stadtbekannt.

Von der Loggia seines Hauses an der Tiergarten-Seite sieht Liebermann, wie  in der Nacht zum 28. Februar 1933 der nur wenige Schritte entfernte Reichstag in Flammen aufgeht. Schon einen Monat zuvor hatte er durch die großen Rundbogenfenster seines Musikzimmers mit Bibliothek mit ansehen müssen, wie Hitlers Fackelträger durch das Brandenburger Tor ziehen. „Ick kann janich so viel fressen, wie ick kotzen möchte!“, ist Liebermann Ausruf, der bis heute überliefert ist.

Nach der Machtübernahme der Nazis legt der 86-Jährige die Ehrenpräsidentschaft in der Akademie und seinen Senatorenposten nieder und zieht sich zurück. Bis zu seinem Tod am 8. Februar 1935 soll Liebermann nicht mehr aus dem Fenster geschaut haben.

Der Künstler und die Ausstellung

Max Liebermann (1847-1935) wurde zu Beginn seiner Künstlerlaufbahn verfemt als "Maler des Hässlichen" und "Armeleutemaler". Um 1900 entwickelte sich der Berliner Impressionist, der in Weimar lernte und in Frankreich und Holland lebte, zum erfolgreichsten Vertreter und Unterstützer moderner Kunst in Deutschland. Seine berühmten Naturbilder zeichnete Liebermann häufig im Sommerhaus in Wannsee. Die Liebermann-Villa ist seit 2006 ein privat geführtes Museum.

Die Ausstellung "Liebermanns Welt" in seinem Wohn-Palais am Pariser Platz konzentriert sich auf sein gesellschaftliches und privates Leben. Die Ausstellung hat täglich außer dienstags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. ⇥neu