Der französische Bahntechnik-Hersteller Alstom hat die Zugsparte von Bombardier übernommen und will nun dem chinesischen Weltmarktführer CRRC die Stirn bieten. Für Alstom und die Branche sei der milliardenschwere Zusammenschluss ein „einzigartiger Augenblick“, teilte Konzernchef Henri Poupart-Lafarge am Freitag in Saint-Ouen bei Paris mit.
Die neue Alstom-Gruppe hat einen Umsatz von rund 15,7 Milliarden Euro, ein Auftragsbuch im Wert von 71,1 Milliarden Euro und beschäftigt in 70 Ländern rund 75 000 Menschen. Nach Branchenangaben ist der neue Konzern mit starken Standbeinen in Europa und Nordamerika die weltweite Nummer zwei. Für die seit längerem vorbereitete Übernahme wurden 5,5 Milliarden Euro fällig.
Die EU-Wettbewerbshüter hatten im Juli 2020 grünes Licht für die milliardenschwere Übernahme gegeben. Damit der neue Verbund nicht zu mächtig wird, muss er Produktionsanlagen abgeben, unter anderem am Standort Hennigsdorf bei Berlin.

Zuversicht nach Übernahme von Standort Hennigsdorf durch Alstom

Nach der Übernahme des Brandenburger Standortes Hennigsdorf durch Alstom ist Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zuversichtlich für die Zukunft des Werkes. „Heute ist das erneut eine gute Nachricht aus der Wirtschaft in diesen nicht einfachen Pandemie-Zeiten“, betonte Woidke am Freitag in einer Mitteilung. Er freue sich, dass das „neue“ Unternehmen am Bahn-Traditionsstandort Hennigsdorf (Landkreis Oberhavel) an den Start gehe. „Das ist für Hennigsdorf und für die gesamte Hauptstadtregion als wichtigem Standort des Schienenfahrzeugbaus von großer Bedeutung“, sagte er.

Landesregierung will sich weiterhin für Standort in Hennigsdorf einsetzen

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich uversichtlich für die Zukunft des Werkes. „Das ist für Hennigsdorf und für die gesamte Hauptstadtregion als wichtigem Standort des Schienenfahrzeugbaus von großer Bedeutung“, sagte er. Die Landesregierung habe den Fusionsprozess begleitet und den Eindruck gewonnen, dass die Verhandlungspartner um einen fairen Interessenausgleich bemüht waren, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Auch die Belange der Arbeitnehmer seien stets im Blick behalten worden.
Mit dem neuen Unternehmen sei „ein neues Schwergewicht auf dem internationalen Markt entstanden“, sagte er. Das biete auch gute Chancen für viele kleine und mittlere Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen. In Hennigsdorf könne Alstom auf eine erfahrene und hochmotivierte Belegschaft von Fachkräften bauen. Die Landesregierung werde sich weiterhin für den Erhalt eines integrierten Industriestandortes einsetzen, der Forschung und Entwicklung, Produktion und Service in Hennigsdorf umfasse, sagte er.

IG Metall fordert Klarheit

Die Gewerkschaft IG Metall forderte baldige Klarheit zu Arbeitsplätzen und Standorten. „Die Belegschaften haben unter schwierigsten Pandemiebedingungen die Produktion aufrechterhalten und ihren Teil für einen reibungslosen Ablauf des Zusammenschlusses beigetragen“, teilte die IG-Metall-Bezirksleiterin Berlin-Brandenburg, Birgit Dietze, mit.
Die Bahntechnik-Branche sei erheblich von der Corona-Krise und deren wirtschaftlichen Folgen betroffen, sagte Poupart-Lafarge. „Die Klima-Krise wird bleiben. Und sie zwingt uns zu einer Mobilität, die sauberer ist.“ Deshalb sei er von den guten Aussichten für die Branche überzeugt. Großaktionär des neuformierten Konzern ist der kanadische Pensionsfonds Caisse des Dépôts et des Placements du Québec“ (CDPQ) mit 17,5 Prozent. Alstom baut unter anderem den Expresszug TGV und Regionalzüge.

Umstrukturierung soll Mehrwert bringen

In der Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns hatte es in den vergangenen Jahren mehrfach Umstrukturierungen gegeben. Bombardier ist besonders im Osten Deutschlands stark vertreten. 2200 Stammbeschäftigte und Leiharbeiter arbeiten in Hennigsdorf bei Berlin und 1000 in Bautzen. 800 Mitarbeiter gibt es in Görlitz - so wie auch an den westdeutschen Standorten Mannheim und Siegen. In Kassel sind es 600. Kleinere Standorte sind Braunschweig und Berlin.

2200 Bombardier-Mitarbeiter in Hennigsdorf, 1000 in Bautzen

Bombardier ist besonders im Osten Deutschlands stark vertreten. 2200 Stammbeschäftigte und Leiharbeiter arbeiten in Hennigsdorf bei Berlin und 1000 in Bautzen. 800 Mitarbeiter gibt es in Görlitz - so wie auch an den westdeutschen Standorten Mannheim und Siegen. In Kassel sind es 600. Kleinere Standorte sind Braunschweig und Berlin.
Vor rund zwei Jahren war eine zunächst geplante Fusion zwischen Alstom und der Zugsparte von Siemens am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. Dieses Veto hatte zu erheblicher Verstimmung in den Hauptstädten Berlin und Paris geführt. Alstom verhandelt nach eigenen Angaben mit dem tschechischen Hersteller Skoda Transportation, um Verkaufsauflagen der EU-Kommission zu erfüllen.
Alstom nahm zur internationalen Marktposition im Detail keine Stellung. Dem Hamburger Beratungsunternehmen SCI Verkehr und anderen Branchenquellen zufolge liegt der neue Verbund deutlich hinter dem chinesischen Branchenriesen CRRC.