Bürgerversammlung
: Gigafactory von Tesla: Fragen zu Jobs, Fördergeld und Wasser

Es gibt viele Fragen zu dem geplanten Werk. Antworten gab es unter anderem auf einer Bürgerversammlung mit Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD)
Von
Ina Matthes
Grünheide
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Suppe und Sorgen: Diese Box hatten Grünheider am Rand einer Kundgebung platziert. Vergangene Woche gab es eine Info-Veranstaltung in Grünheide. Und Musk hat getwittert.

Patrick Pleul

Wie groß wird die Fabrik?

500 000 Autos oder 150 000 Autos — beide Zahlen kursieren. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind 500 000 das Maximum, die entsprechend des Antrags in Grünheide gebaut werden sollen. In der Anfangsphase werde mit etwas über  100 000 Stück im Jahr gerechnet. Die gehen sozusagen vom Fließband weg zum Käufer — eine Lagerung ist auf dem Gelände nicht vorgesehen. 100 000 — das ist so viel wie die beiden Tesla–Fabriken in den USA und Shanghai derzeit im Quartal produzieren. Im vierten Quartal 2019 hat Tesla nach eigenen Angaben 105 000 Elektroautos hergestellt  — davon rund 86 000 Model 3 und fast 18 000 Model S/X. 2019 lieferte der Hersteller etwa 367 500 E–Fahrzeuge aus.

Zum Vergleich: VW hat in seinem Werk in Wolfsburg 2018 rund 704 000 Fahrzeuge gebaut. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern  80 000 E–Fahrzeuge . Bei VW in Wolfsburg arbeiten 60 500 Beschäftigte.

Wie viel Wasser braucht Tesla?

In den Antragsunterlagen hat Tesla einen Verbrauch von 372 Kubikmetern pro Stunde angegeben — das entspricht rein rechnerisch dem Bedarf einer Stadt mit 70 000 Menschen. Das hat Elon Musk am Wochenende per Twitter nach unten korrigiert: Es sei ein Spitzenwert, der selten erreicht würde. In seiner ersten Ausbaustufe soll das Werk aus dem öffentlichen Trinkwassernetz beliefert werden; derzeit laufen dazu Gespräche.  Die Wasserpreise für die Bürger sollen sich infolge der Tesla–Ansiedlung nicht erhöhen, das bekräftigten sowohl Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) als auch Grünheides Bürgermeister Arné Christiani in Grünheide. „Wir werden als Verbandsmitglieder darauf achten, dass die Preise für die Bevölkerung nicht steigen“, sagte Christiani.  Für eine Produktion von 500 000 Stück reicht die Versorgung aus dem Netz nicht. Im Gespräch ist ein Brunnen, über dessen Standort aber noch nicht entschieden ist. Laut Steinbach könnte er sich auch Dutzende Kilometer entfernt befinden. Das sollen wasserwirtschaftliche Gutachten  ergeben und für diesen Brunnen braucht es dann eine Genehmigung.

Wie ändert sich die Infrastruktur?

Das Grundstück liegt nahe der Autobahnabfahrt A10 Freienbrink, ein Gleisanschluss ist vorhanden. Nach Angaben von Wirtschaftsminister Steinbach laufen bereits Gespräche mit der Deutschen Bahn über eine mögliche höhere Taktfrequenz der Züge auf der Regionalbahnlinie RE1, die am nahen Bahnhof Fangschleuse hält. Es soll einen Ausbau des ÖPNV geben, unter anderem der Busverbindungen. Im Gespräch ist auch, dass die S–Bahn–Linie nach Erkner um eine weitere Station verlängert werden soll. Konkreteres wurde dazu noch nicht mitgeteilt.  Perspektivisch ist auch an eine weitere Autobahnabfahrt nördlich von Freienbrink gedacht, aber nicht in der ersten Ausbaustufe des Werkes. Zunächst wird mit 3000 bis 4000 Arbeitskräften gerechnet. Angenommen wird, dass zwei Drittel pendeln und etwa 1000 Menschen in die Region zuziehen. 

Welche Ersatz gibt es für den Wald?

Tesla lässt die Kiefern roden und  darf auch das Holz verkaufen. Die abgeholzte Fläche muss an anderer Stelle neu aufgeforstet werden. Elon Musk hat getwittert, das zunächst nicht alle Bäume gefällt werden. In den Antragsunterlagen ist von 90 Hektar in der ersten Phase die Rede; insgesamt von  153 Hektar. Da davon unter anderem teils höherwertiger Wald mit Erholungsfunktion betroffen ist, müssen laut  Umweltverträglichkeitsplanung zusätzlich zur Aufforstung Umbaumaßnahmen geleistet werden — zum Beispiel das Pflanzen von Laubbäumen in Kiefernforst. Tesla hatte angekündigt, freiwillig mehr Wald pflanzen zu wollen.

Wie viel Förderung bekommt das US–Unternehmen?

Tesla hat Fördermittel aus dem Bund–Land–Programm „Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW)“ beantragt. Bei einer geschätzten Gesamtinvestition von vier Milliarden Euro ginge es dann um 280 Millionen Euro. Die Mittel müssen allerdings von der EU genehmigt werden. Laut Wirtschaftsministerium wird das Geld entsprechend der tatsächlich investierten Summe und rückwirkend gezahlt — also erst, wenn produziert wird. Die Auszahlung des Geldes sei an einen zehnjährigen Betrieb der Anlage gebunden. Nach Informationen des Handelsblattes soll Tesla auch beim Bundeswirtschaftsministerium Förderung beantragt haben. Möglich wäre eine Förderung für Forschung — zum Beispiel Batterieforschung. Auch die Ausbildung bzw. Umschulung von Arbeitskräften könnte mit Steuergeld unterstützt werden. Vom Bundeswirtschaftsministerium gab es dazu aber gestern keine Aussage.

Welche Arbeitskräfte sind gesucht?

Auf den Web–Seiten von Tesla sind derzeit 37 Stellen ausgeschrieben: Manager, Ingenieure, Datenanalysten. Unter anderem hatte Tesla Stellen annonciert für Mitarbeiter, die deutsch, englisch und polnisch sprechen. Nach Recherchen von correctiv.org geht das bei Demonstrationen in Grünheide verbreitete Gerücht, Tesla suche ausschließlich polnische Mitarbeiter, auf einen Post der AfD  Bayern  bei Facebook zurück.

Was sind die nächsten Schritte?

Der Kaufvertrag für das Gelände, dem Tesla und Land zugestimmt haben, muss nun notariell beurkundet werden. Das soll, laut Minister Steinbach, „in den nächsten Tagen“ erfolgen. Die öffentliche Auslegung der Unterlagen für die geplante Fabrik endet am 5. Februar. In Grünheide haben sich mit Stand Ende vergangener Woche 169 Bürger die Unterlagen angesehen. Einwände gegen das Vorhaben können bis zum 5.März vorgebracht werden. Für den 18. März ist ein Erörterungsverfahren in Erkner vorgesehen.