Bus und Bahn in Berlin
: Aus für BVG-Rufbusse im Osten – das ist das neue Angebot

Die BVG stellt die flexiblen Rufbusse im Osten von Berlin ein. Dafür gibt es neue stadtweite Angebote. Was Pendler wissen müssen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
Jetzt in der App anhören
Fahrzeuge des On-Demand-Service BVG Muva stehen auf dem Betriebshof Lichtenberg der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Rufbusse des flexiblen BVG-Muva-Services stehen auf dem Betriebshof Lichtenberg der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Fabian Sommer/dpa
  • BVG stellt Rufbusse im Osten Berlins zum 1. März ein, 60.000 Fahrgäste nutzten sie letztes Jahr.
  • Neue stadtweite Angebote für barrierefreie Mobilität, 30 Minibusse im gesamten Tarifbereich AB.
  • Service für Rollstuhlfahrer, Rollatornutzer, Menschen mit Krücken und Kinderwagen.
  • Buchung bis zu sieben Tage im Voraus oder spontan, Wartezeit 20-25 Minuten.
  • Kritik: Rufbusse könnten reguläre ÖPNV-Angebote kannibalisieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Man konnte sie fast schon wie ein Taxi nutzen, nur waren sie um einiges preiswerter und fuhren nicht ganz vor die Tür: die flexiblen Rufbusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die in schlecht angebundenen Außenbezirken unterwegs sind.

Zweieinhalb Jahre hat die BVG mit der Fahrzeugflotte aus Mercedes-Minibussen getestet, inwiefern der Einsatz von flexiblen Shuttles eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) sein kann. Nun werden die Rufbusse zum 1. März eingestellt.

BVB-Rufbusse bedienten 4000 virtuelle Haltepunkte

Die Kleinbusse fahren dabei in einem sogenannten „Bediengebiet“ mit virtuellen 4000 Haltepunkten in Teilen der Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg. „Das Angebot funktionierte technisch und organisatorisch reibungslos und bekam gute Noten von den Nutzern und Nutzerinnen“, heißt es von der BVG.

Allerdings seien die Fahrgastzahlen sowie die Fahrgeldeinnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was nicht zuletzt an der gestiegenen Konkurrenz durch private Anbieter gelegen habe, heißt es vom Berliner Verkehrsunternehmen.

Um den Muva für diese flexible Fahrt zu nutzen, reicht ein normales ÖPNV-Ticket plus eine Service-Gebühr von einem Euro. Die Nutzer geben über eine App ein, wo sie im Bediengebiet einsteigen wollen und wo sie hinwollen. Die App zeigt an, wann der gelbe Shuttle an der virtuellen Haltestelle hält. Bis er kommt, kann es aber auch 15 bis 20 Minuten dauern.

Im vergangenen Jahr haben rund 60.000 Fahrgäste die flexible Fahrt des BVG Muva genutzt. Zu wenig Resonanz für die BVG, um das sogenannte On-Demand-Angebot weiterzubetreiben.

Doch die Fahrzeuge werden nicht im Depot verschwinden, sondern laut BVG am 1. März für den stadtweiten Ausbau des „Muva-Fahrstuhlersatzes“ eingesetzt. Eine gute Nachricht für alle, die auf barrierefreie Mobilität angewiesen sind. Das können Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator sein, aber auch mit Krücken oder Kinderwagen.

30 Mini-Busse in ganz Berlin ab März im Einsatz

Der Service für alle Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen ist dann bei Bedarf im gesamten Tarifbereich AB verfügbar, und nicht nur, wenn an einem Bahnhof ein Aufzug fehlt oder defekt ist, heißt es von der BVG: Die Nutzung der Rufbusse soll damit einfacher und flexibler werden.

„Bis zu 30 Fahrzeuge werden ab März im Einsatz sein, die bedarfsgerecht und nachfragebasiert eingesetzt werden“, erklärt BVG-Sprecher Nils Kremmin. Diese könne man bis maximal sieben Tage im Voraus online oder telefonisch buchen. Es geht aber auch spontan. „Je nach Nachfrage rechnen wir aktuell mit einer Wartezeit von etwa 20 bis 25 Minuten“, so Kremmin.

Eine Route, bei der so ein „Muva-Aufzugsersatz“ zum Einsatz kommen kann, könnte zum Beispiel am südlichen Abschnitt der Linie U8 entlangführen. Denn die Bahnhöfe Moritzplatz, Heinrich-Heine-Straße und Schönleinstraße verfügen noch nicht über einen Aufzug, und es fahren dort auch keine Buslinien parallel.

Ziel muss aber nicht mehr unbedingt der nächste barrierefreie Bahnhof sein. Der BVG Muva kann künftig in einem Radius von fünf Kilometern auch für Direktfahrten zwischen Bushaltestellen genutzt werden, wenn es auf einer regulären Buslinie zum Beispiel sehr voll ist.

BVG-Ticket reicht zur Mitnahme

Bei der Nutzung des Muva Aufzugersatzes entstehen den Fahrgästen keine zusätzlichen Kosten. Das einfache BVG-Ticket reicht.

Der Berliner Fahrgastverband IGEB e.V. befürwortet diese Nachfolge-Regelung. „Sie zeigt, dass Barrierefreiheit im Nahverkehr ernst genommen und gewährleistet wird“, sagt IGEB-Sprecher Christian Lindow. Diese werde noch oftmals vernachlässigt, wie man zum Beispiel an dem großen Umbau des Bahnhofsvorplatzes in Schöneweide sehe. „Wenn man dort alles neu macht, ist es unverständlich, dass einzelne Tram-Haltestellen drumherum nicht ebenfalls barrierefrei ausgebaut wurden“, kritisiert Lindow. Gerade bei der Straßenbahn käme man in Sachen Barrierefreiheit eher schleppend voran.

Dazu wünscht sich der Fahrgastverband eine Analyse, warum mit den flexiblen Rufbussen im Osten der Stadt nach dem Vorgänger-Projekt Berlkönig erneut ein On-Demand-System gescheitert ist, das die Feinverteilung in den Randbezirken gewährleisten sollte. „Diese Pilot-Versuche zeigen, dass man nicht alternativlos auf sie setzen darf, sondern einen flächendeckenden dichten ÖPNV bereitstellen muss, um auch in den Außenbezirken die Daseinsvorsorge zu gewährleisten“, betont Lindow.

...

Bald in der ganzen Stadt verfügbar. Der BVG Muva für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

BVG/Christoph Fugel

In Anbetracht der aktuellen Sparzwänge des Senats müsse man auch überdenken, ob es überhaupt sinnvoll sei, Rufbus-Services aus der öffentlichen Hand zu finanzieren, findet der IGEB-Sprecher. Auch, weil sich die BVG mit diesen Angeboten im schlimmsten Fall selbst Konkurrenz machen könnte. „Wenn es zu bequem und preiswert wird, mit einem Auto von A nach B zu fahren, anstatt den Linienbus zu nehmen, dann entsteht ein Kannibalisierungseffekt, der auch die angestrebte Verkehrswende konterkarieren würde.“