Corona-Krise
: MOZ-Volontärin hält über Kontinente hinweg Video-Kontakt zur Familie

Auf der ganzen Welt verteilt lebt die Familie unserer Volontärin. Wann sie sie das nächsten Mal sehen kann, ist ungewiss.
Von
Jacqueline Westermann
Frankfurt (Oder)
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  • Im Hintergrund: In Amerika haben die Nachbarn meiner Eltern sogar die deutsche Flagge anlässlich des Foto-Termins für diesen Artikel gehisst.

    Im Hintergrund: In Amerika haben die Nachbarn meiner Eltern sogar die deutsche Flagge anlässlich des Foto-Termins für diesen Artikel gehisst.

    Jacqueline Westermann/MOZ
  • Planung, gerade während der Zeitumstellung, ist beim Kontakthalten essentiell.

    Planung, gerade während der Zeitumstellung, ist beim Kontakthalten essentiell.

    Jacqueline Westermann/MOZ
  • Virtuell nach Australien: Beim Anruf nimmt Carlene das Gespräch im Auto an.

    Virtuell nach Australien: Beim Anruf nimmt Carlene das Gespräch im Auto an.

    Jacqueline Westermann/MOZ
  • Virtuell nach Australien: Robbie und Joel, letzterer noch in Quarantäne, darf aber Besuch mit Abstand vorm Balkon empfangen.

    Virtuell nach Australien: Robbie und Joel, letzterer noch in Quarantäne, darf aber Besuch mit Abstand vorm Balkon empfangen.

    Jacqueline Westermann/MOZ
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Das Phänomen, das derzeit viele Menschen erleben, dass sie nur noch über Telefon- oder Videoanrufe mit ihren Liebsten in Kontakt treten können, ist für mich und meine Familie eigentlich nichts Neues. Seit knapp sieben Jahren leben wir immer in verschiedenen Ländern, meistens auch auf unterschiedlichen Kontinenten. Videotelefonie wird dabei zur Normalität.

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Was aber in der Tat neu ist, ist die Ungewissheit. Die Ungewissheit, wann ich das nächste Mal in die USA fliegen kann, um meine Eltern dort zu besuchen, oder sie nach Deutschland. Und die Ungewissheit, was im Krankheitsfall passiert. Ich zwinge mich, auch den eigentlich unvorstellbaren Gedanken zu denken, dass es auch sein kann, dass ich meine Eltern vielleicht nicht wieder lebend sehe. In Corona-Zeiten weiß man das einfach nicht. Zumal die Gesundheitsversorgung in den Vereinigten Staaten ja doch eine andere ist als in Deutschland und jeder das Krisenmanagement des Präsidenten täglich verfolgen kann.

So schlimm wie die Lage in New York ist es in Norfolk (Virginia) noch nicht. Ein Verständnis für die Situation ist aber noch nicht bei allen angekommen. Als Donald Trump vor Ort war, um das Auslaufen des Krankenhausschiffes USNS Comfort zu begleiten, standen laut meiner Mutter Scharen an Menschen am Strand, um das Spektakel zu beobachten. „Im Supermarkt tragen sie hier auch noch keine Handschuhe“, erzählt mein Vater. Aus dem Haus gingen die beiden nur, wenn es sein muss, für einen Spaziergang. Auch ins Büro muss mein Vater nach wie vor – Homeoffice geht nicht durchgehend.

Sehnsucht nach Schule

Anders sieht das bei meiner Familie in Polen aus; seit zwei Wochen sitzen meine Cousine und mein Cousin nicht auf der Schulbank, sondern zu Hause. Theoretisch sind sie nur zwei Stunden mit dem Auto entfernt von mir, doch die Grenzen zum Nachbarland sind für Nicht-Polen zu.

„Letzte Woche habe ich noch bei zwei Beerdigungen Orgel gespielt, aber jetzt kann niemand mehr zur Kirche“, erzählt meine Cousine im Video. Sie müsse sich selbst Unterrichtsstoff beibringen, ihre Hausaufgaben per E-Mail an die Lehrer schicken. Es wäre sogar schon soweit, dass sie ihre Lehrer vermisse; die erklärten es eben besser als das Buch. Ihre Freunde fehlten ihr auch. „Ich möchte wieder zur Schule“, sagt sie und muss lachen. Vernünftiger als ihre Freunde ist sie allemal – die träfen sich weiter heimlich im Wald. "Ich mache Hausaufgaben, dann gehe ich mit Asko zwei Stunden spazieren“, erzählt sie von der Ablenkung durch den Hund. Die Langeweile sei die größte Herausforderung.

Vom Flugzeug in die Quarantäne

Das erfahren auch gerade meine beiden australischen Brüder – seit dreizehn Jahren sind die Sherwells an der Sunshine Coast meine Ersatzfamilie. Bei ihnen lebte ich vor meiner Rückkehr nach Deutschland. Die beiden Jungs waren in Kanada unterwegs, als die australische Regierung dazu anhielt, aufgrund der Ausbreitung von Corona nach Hause zu fliegen. Für Joel und Josh ging es direkt in 14-tägige Quarantäne in einer Unterkunft unweit ihres Elternhauses; seit Kurzem werden Rückkehrer in Hotels quarantänisiert. Doch der Blick auf den Ozean hilft nicht viel beim Ablenken, Mutter Carlene macht sich Sorgen um die mentale Situation der beiden, wie sie mir während eines Video-Anrufs erzählt. Immerhin können sie sich mit Abstand vorm Balkon unterhalten – ich mache mir live davon ein Bild.

Die australische Regierung wurde stark kritisiert – vor allem aufgrund der zögerlichen Reaktion, Abstandsregeln einzuführen. Aber mittlerweile gilt in Australien Ähnliches wie in Deutschland. Die Surfschule „meiner“ Familie ist deswegen seit einer Woche geschlossen.

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