Unabhängig davon, dass sie nun wohl auch etwas mehr Zeit hat, ist sie bereits am vergangenen Freitag auf die Idee gekommen, in den Zeiten der Coronakrise ein lokales Hilfsangebot zu starten.
Aufruf an die Nachbarn
Unter dem Stichwort "Quarantänehilfe Potsdam" ruft Jessica König über Facebook Nachbarn dazu auf, sich zu melden, um für einander einzustehen. "Ich denke da an praktische Hilfe zum Beispiel beim Einkaufen. Aber ich glaube, gerade Menschen mit wenigen Sozialkontakten werden in einer eventuellen Zeit der Isolation auch Zuspruch brauchen, jemanden, der mit ihnen redet", sagt die Studentin. Eine mögliche Quarantäne könne durchaus die Psyche belasten.
Innerhalb weniger Tage sind bereits mehr als 1000 Hilfsbereite in die Facebook-Gruppe eingetreten. Sie haben sich online in Listen eingetragen und dortbeschrieben, wo sie welche Hilfe anbieten können. Die Palette reicht vom Einkäufe erledigen bis zum Gassi gehen mit dem Hund. "Nachfragen von Hilfebedürftigen gibt es bis jetzt noch nicht. Aber ich weiß bereits von Menschen, dass sie sehr dankbar für das Angebot sind und es bei Bedarf nutzen wollen", sagt die Initiatorin.
Ähnliche neu gegründete Netzwerke gibt es in Berlin, Brandenburg/Havel oder Eberswalde. In vielen anderen märkischen Städten und Gemeinden sind sie ebenfalls zu finden, etwa unter Stichworten wie "Nachbarschaftshilfe Cottbus" oder "Wir in Eichwalde". In diesen Gruppen tauschen sich Menschen oft schon seit Jahren über Hilfe bei der Gartenarbeit oder dem Babysitten aus und diskutieren darüber, was in ihrem Ort so los ist. Nun rückt in den Unterhaltungen der Gruppenmitglieder die Coronahilfe in den Vordergrund.
In manchen Kommunen gibt es laut den öffentlich einsehbaren Kommentaren auf den Facebookseiten bislang zwar die Idee, gemeinsame Hilfe zu leisten. Es fehlt aber offenbar zuweilen noch an der zündenden Idee für die Umsetzung. Jessica König erzählt, dass sie sich von einer Berliner Initiative logistische Unterstützung organisiert hat. "Sie konnten mir Tabellen und Formulare für die Helferlisten geben."
Eine Nummer größer denktindes ein 15 Jahre alter Berliner Schüler, der sich nach eigenen Angaben ganz gut mit Webdesign auskennt. Er hat ebenfalls am vergangenen Freitag kurzerhand die Seite coronaport.net gebaut. Dort können Besucher gleich aufder Startseite angeben, ob sie Hilfe suchen oder Unterstützunganbieten können. Mit ein paar Klicks können sie sich den jeweiligen Stadtbezirken zuordnenlassen.
Auf die Idee ist der Elftklässler gekommen, als er in den vergangenen Tagen Nachrichtengeschaut hat. In seiner Freizeit engagiert er sich bislang ehrenamtlich bei der Wasserrettung der DLRG.
Als Regeln hat er auf seinem Portal vorgegeben: "keine Werbung, keine illegalen/gefährlichen Angebote, nur seriöse Angebote, nur sachliche, ‚meinungslose’ Einträge". Ihm ist genauso wie Jessica König klar, dass ihre Helferportale auch die falschen Leute anlocken könnten. Gegen Missbrauch sei man nicht gefeit, aber sie prüfe genau, wen sie in die Facebook-Gruppe aufnimmt, sagt die Potsdamer Studentin. Und mit den Hilfebedürftigen werde sie nach erfolgten Diensten Rücksprache nehmen, wie es gelaufen ist. Um sich selbst als Organisatorin etwas zu entlasten, überlegt sie außerdem, sich mit der örtlichen SPD abzustimmen, die ebenfalls Corona-Nachbarschaftshilfe anbiete.
Die Brandenburger Polizeibegrüßt bürgerschaftliches Engagement wie jenes von Jessica König. Natürlich müsse man imInternet immer wachsam sein, sagt Sprecher Mario Heinemann. "Wenn es den Verdacht auf Betrügereien gibt, einfach die110 anrufen. Dafür sind wir da."

Gruppen für Gleichgesinnte


Facebook-Gruppen machen es möglich, mit Menschen in Kontakt zu treten, die ähnliche Interessen oder Hobbies haben. Anders als bei Seiten, die man "liken" kann, kann man Gruppen selbst gründen oder vorhandenen Gruppen beitreten. In der Regel folgt nach der entsprechenden Anfrage eine Bestätigung durch den Administrator. Gibt er grünes Licht, ist man in der Gruppe. Dort kann man sich dann über alles Mögliche austauschen. Die Nachrichten der einzelnen Teilnehmer sind für alle Mitglieder der Gruppe sichtbar. Facebook-Gruppen können nur von Privatleuten erstellt werden, also nicht von Unternehmen. mat