Fünfzehn Jahre. So lange saß Obiri Mokini im Übergangswohnheim in Bad Belzig. Als er 1996 nach Deutschland floh, landete er in Hamburg. "Dort habe ich meinen Asylantrag gestellt und die Hamburger haben mich nach Eisenhüttenstadt geschickt", erzählt Mokini, der 1965 in Nigeria geboren wurde. Von Eisenhüttenstadt ging es nach Bad Belzig. Während der gesamten Zeit im Wohnheim lief das Asylverfahren und Mokini hatte eine Aufenthaltsgestattung ohne gewährtes Asyl. 2011 erhielt er dann seinen Aufenthaltstitel. Zuerst kehrte er einige Jahre nach Hamburg zurück; in der Hansestadt hat er einen Sohn. Mit dem Beginn des Projektes samo.fa (Stärkung von Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit) ging es 2016 zurück nach Brandenburg, nach Potsdam. "Samo.fa ist ein tolles Projekt, wo wir Migrantenorganisationen, die sich für Geflüchtete einsetzen, unterstützen", erklärt Mokini.

Engagiert in Migrationsarbeit

Obiri Mokini arbeitet nicht nur bei samo.fa. Er engagiert sich in einem breiten Spektrum an Initiativen, die im Bereich der Migrationsarbeit aktiv sind. Als Migrationshelfer bei MEPa e. V. (Verein Migration-Entwicklung-Partizipation) sowie als  Vorsitzender des Vereins Cagintua, der über Gefahren einer Flucht informiert und Fluchtursachen in Afrika bekämpfen will.

Information und Bildung seien für ihn Lösungsansätze in vielerlei Hinsicht. Auch wenn es um Rassismus ginge. "Man kann nicht sagen, dass es keinen Rassismus gibt", sagt er. Aber "persönlich kann ich nicht sagen, dass ich jeden Tag Rassismus erlebe, nein", stellt Mokini fest. Für ihn sei nicht jede negative Erfahrung automatisch Rassismus oder Diskriminierung. Ein Zwischenfall in einem Fastfood-Restaurant habe sich eingeprägt: Ein junger Mann warf Mokini vor, dass er schneller sein Essen erhielt, "weil er schwarz sei". Der Nigerianer blieb ruhig und lud den Mann ein, an seinem Tisch Platz zu nehmen. Dieser willigte ein und sie unterhielten sich. "Seitdem habe ich seine Nummer. Wir sprechen miteinander."
Darüber sprechen. Das ist für Mokini wichtig. Deswegen initiierte er über Cagintua und samo.fa auch das "Refugee-Radio". "Es läuft gut, weil es die Geflüchteten ermutigt zu sprechen", erklärt er. An jedem dritten Montag im Monat von 19 bis 21 Uhr berichten Geflüchtete im Freien Radio Potsdam (www.frrapo.de und FM 90,7) für andere Geflüchtete über die Erfahrungen der Flucht und Herausforderungen des Alltags in Deutschland. "Man kann mal darüber nachdenken, was passiert, wenn man im Wohnheim wohnt und in einem Zimmer für 15 Jahre sitzt und mit niemandem darüber sprechen kann. Wenn man darüber nicht sprechen kann, hat man die Probleme alle im Kopf. Und daraus ergeben sich dann schlimmere Probleme", erklärt der Initiator. "Aber jetzt in unserer Radiosendung können sie darüber sprechen." Ein Erfolg, den viele anerkennen: Im vergangenen Jahr erhielt das Radioprogramm den Brandenburger Integrationspreis 2018.
Er habe viel mit sehr engagierten Menschen in Brandenburg zusammen gearbeitet. Die Entwicklung in den letzten Jahren sei sehr beeindruckend für ihn. Vor allem dass mehr mit Betroffenen gesprochen werde, dass von den Geflüchteten selbst gehört wird.

Menschen, die Liebe zeigen

"Manchmal ist es gut, wenn man über positive Dinge spricht, nicht immer negativ, negativ, negativ. Das bringt nichts", sagt Obiri Mokini. Immer wieder kehrt Mokini zu diesem Thema zurück: "Für mich ist es sehr, sehr wichtig, dass ich über die Leute spreche, die uns große Liebe gezeigt haben, nicht über jemanden, der uns hasst." Er erinnert sich trotz der schweren Zeit im Wohnheim gerne an Bad Belzig und die Menschen zurück, die ihn und andere unterstützten. Gemeinsam pflanzten sie Bäume als Symbol der Gleichheit, Unbekannte schenkten ihm einen Computer, auf dem er sein erstes Buch schrieb. Brandenburg sei gut für ihn. Es ist sein Zuhause. Er kenne hier so viele gute Leute. "Ich fühle mich gut hier."
Mehr zu seinen Erlebnissen erzählt Obiri Mokini neben drei weiteren Betroffenen in der siebten Folge von "Dit is Brandenburg".