Drogenlabor in Berlin-Bohnsdorf
: Drogen und Chemikalien sichergestellt

Seit mehreren Tagen sind Spezialkräfte in einer Lagerhalle in Berlin-Bohnsdorf im Einsatz. Nach einem Ammoniak-Austritt stellten Ermittler Drogen und Chemikalien sicher. Das ist bislang bekannt.
Von
Dennis Lloyd Brätsch
Berlin
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Großeinsatz in Berlin–Bohnsdorf: Ammoniak–Austritt führt zu Chemikalienfund in Lagerhalle. Die Polizei ermittelt nun.

Großeinsatz in Berlin–Bohnsdorf: Ammoniak–Austritt führt zu Chemikalienfund in Lagerhalle. Die Polizei ermittelt nun.

Dennis Lloyd Brätsch

Seit Dienstag (2. April) sind Ermittler des Landeskriminalamtes Berlin sowie Spezialkräfte von Polizei und Feuerwehr in einer Lagerhalle in Berlin-Bohnsdorf im Bezirk Treptow-Köpenick im Einsatz. Nach dem Austritt von Ammoniak fanden die Ermittler einen großen Vorrat an Chemikalien, die mutmaßlich zur Herstellung von synthetischen Drogen verwendet werden.

Wie ein Sprecher der Berliner Polizei jetzt bestätigte, wurden in der Lagerhalle in der Glienicker Straße mehrere tausend Liter Chemikalien und auch Drogen sichergestellt. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich auf dem Gelände ein Drogen–Labor befunden hat“, so der Polizeisprecher.

"Hochgefährliche Säuren" in Lagerhalle gefunden

Die Polizei sprach von „hochgefährlichen Säuren“, die zum Teil in offenen Behältern in der Lagerhalle standen. Demnach stellten die Ermittler rund 5000 Liter verschiedener Chemikalien fest. „Darunter fanden die Spezialkräfte rund 1200 Liter der Droge 3-CMC“, sagte der Polizeisprecher. Diese müssten nun aufwendig gesichert werden.

3-CMC kann Nervensystem schädigen

3-CMC, auch Clophedron genannt, ist eine psychoaktive Substanz, die das zentrale Nervensystem des Körpers nachhaltig schädigen kann. Die Substanz fällt bisher nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Die Herstellung, der Vertrieb und die Einfuhr von 3-CMC nach Deutschland sind jedoch nach dem „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz“, verboten.

Drogenlabor in Berlin-Bohnsdorf: Ermittler und Feuerwehrkräfte müssen mit Vollschutzanzügen arbeiten.

Drogenlabor in Berlin-Bohnsdorf: Ermittler und Feuerwehrkräfte müssen mit Vollschutzanzügen arbeiten.

Dennis Lloyd Brätsch

Ammoniak-Austritt führte Ermittler zu mutmaßlichen Drogenlabor

Die Polizei ist seit Dienstagabend mit Spezialkräften auf dem Gelände im Einsatz, nachdem die Feuerwehr sie alarmiert hatte. Auslöser des Einsatzes war ausgetretenes Ammoniak. Eine Anwohnerin hatte dies bemerkt und zunächst die Rettungskräfte alarmiert.

Eine Person war durch austretendes Ammoniak verletzt worden, teilte die Feuerwehr am Dienstag auf X (ehemals Twitter) mit. Ein Rettungswagen brachte die Person zur Behandlung in ein Krankenhaus.

Ermittlungen in Bohnsdorf dauern weiter an

Die Ermittlungen vor Ort können nur unter Vollschutzanzügen durchgeführt werden, schildert der Polizeisprecher. Die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr würden demnach weiterhin andauern. Eine akute Gefahr für Anwohner bestünde jedoch nicht. "Das Gebäude wurde vor dem Betreten durch Unbefugte gesichert", teilte die Polizei mit.

Kriminaltechniker in Bohnsdorf im Einsatz: Ermittler sichern Spuren und stellen Drogen sicher.

Kriminaltechniker in Bohnsdorf im Einsatz: Ermittler sichern Spuren und stellen Drogen sicher.

Dennis Lloyd Brätsch

Die Drogen, deren Verkaufswert noch nicht bekannt ist, wurden sichergestellt. Tatverdächtige oder Objektverantwortliche seien bisher nicht ermittelt worden. Die Ermittlungen dauern an und sollen auch in der kommenden Woche vor Ort weitergeführt werden.

Lagerhalle abgeschirmt von Außen

Die Lagerhalle befindet sich hinter mehreren Einfamilienhausgrundstücken an der Ecke Glienicker Straße /Dorfplatz im Süden von Berlin, nahe dem Flughafen Schönefeld. Die Lagerhalle ist abgeschirmt und von außen kaum sichtbar, lediglich von der A117 könnte man auf den Hof hinunterschauen.

Nach Angaben der Anwohner ist der Hof schon lange ein Ärgernis in der Nachbarschaft. „Der Hof ist voller Schrott und Müll, das Ordnungsamt unternimmt nichts dagegen“, so eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte. Sie berichtet auch, dass auf dem Grundstück diverse Firmennamen und Briefkästen angebracht seien, die zu Firmen gehörten, die dort gar nicht ansässig seien.

Drogenlabor in Berlin-Bohnsdorf: Einsatzkräfte der Feuerwehr rücken mit Spezialfahrzeugen an.

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Dennis Lloyd Brätsch