Dürrejahre: Verbote im Kampf gegen den Wassermangel in Brandenburg
Herr Pencereci, wie steht es um Brandenburgs Wasserhaushalt nach dem dritten Dürresommer in Folge?
Wir haben sehr deutlich den Klimawandel und damit Veränderungen, die ich so schnell nicht erwartet habe. Die Niederschläge fehlen. Wenn sich das fortsetzt, bleibt die Neubildung von Grundwasser in oberflächennahen Schichten aus.
Was bedeutet das?
Wir kommen in immer größere Nutzungskonflikte. Die Trinkwasserversorgung muss Priorität haben, Landwirtschaft und Industrie brauchen aber auch Wasser. Ebenso der Wald. Wasserverdunstung ist wichtig für unser Mikroklima. Wegen fehlender Niederschläge werden wir vor allem im Osten und Süden Brandenburgs auf Dauer mit erheblich weniger Wasser auskommen müssen.
Was tut die Wasserwirtschaft?
Die Versorger kennen das und stellen sich darauf ein. Aber sie können natürlich kein Wasser herzaubern. Alle wissen, dass mit dieser wichtigen Ressource verantwortungsvoll umzugehen ist. Also: Nicht ständig den Rasen begießen und Pools füllen.
Es gibt Regionen in der Welt mit viel größerer Wasserknappheit. Und zum Beispiel in Israel gibt es trotzdem Pools. Ist es wirklich so schlimm bei uns?
Wir müssen uns darauf einstellen, dass es schwieriger wird. Israel ist ein gutes Beispiel. Natürlich gibt es dort Pools, aber auch eine Landwirtschaft, die mit Tröpfchenbewässerung arbeitet. Israel muss mit wenig Wasser auskommen. Davon können wir lernen.
Geschieht das bereits?
Das Land Brandenburg erarbeitet gerade eine Niedrigwasserstrategie. Mit dem Ziel, Wasser rationaler zu verwenden. Die Versorger begrüßen das und wirken bei der Entwicklung dieses Konzepts genauso mit wie im jüngst gegründeten Kulturlandschaftsbeirat, für den Wasser ebenfalls ein großes Thema ist.
Einen Pool mit Wasser zu befüllen, kostet mit rund 40 Euro eher wenig. Sollte man die Preise erhöhen?
Die Verbände sind gesetzlich verpflichtet, höchstens kostendeckende Preise zu berechnen. Höhere Preise könnten eine ökologische Lenkungsfunktion haben. Aber die Umsetzung ist rechtlich schwierig. Und ich befürchte, dass wir damit nur wenig erreichen. Wenn eine Pool–Füllung doppelt so teuer wäre, würden die Leute das trotzdem machen.
Was dann?
Wir müssen Umweltbildung betreiben und an der Einsichtsfähigkeit der Menschen arbeiten. Aber Letztere hat bekanntlich Grenzen. Jeder sieht auf sich und möchte so weiterleben wie bisher. Aber das geht nicht. Denken Sie nur daran, dass einige Seen in Brandenburg bereits austrocknen. Also kommt man wohl leider an Verboten nicht vorbei. Um klarzumachen, dass Dinge wie etwa Rasensprengen nicht mehr immer und überall gehen.
Vor welchen Herausforderungen stehen die Wasserverbände?
Sie sehen die Probleme und entwickeln Konzepte, sind aber natürlich zuallererst dazu verpflichtet, Wasser zu liefern. Wenn die Verbraucher den Hahn aufdrehen, und da kommt zu wenig, sind sie nicht begeistert. Zu etwa 20 Prozent wird in Brandenburg Wasser aus oberflächennahen Schichten gewonnen, also aus drei bis fünf Metern Tiefe. In diesen Gebieten ist der Handlungsbedarf durch die Dürre am größten. Aber auch das Wasserholen aus 60 Metern Tiefe hat Grenzen. Man kann nicht endlos pumpen. Die Systeme sind zwar auf Spitzen ausgelegt, aber nicht ständig.


