Einkaufen in Berlin: Größte Shopping-Meile der Stadt – das bietet die Schloßstraße
Die Entscheidung, an welcher Station man aussteigen soll, wenn man über die Schloßstraße im Südwesten Berlins bummeln will, ist gar nicht so einfach. Denn Berlins größter Einzelhandelsstandort mit über 200.000 Quadratmetern Shoppingfläche erstreckt sich über drei U-Bahnstationen. Auch mehrere Buslinien verbinden die vier Einkaufszentren auf der boulevardartigen Verbindungstrasse zwischen dem Rathaus Steglitz und dem Walter-Schreiber-Platz an der Grenze zu Friedenau.
Die größte Auswahl an Marken-Klamotten beherbergt dabei die 2012 eingeweihte Mall „Boulevard Berlin“ mit direktem Zugang zum U-Bahnhof Schloßstraße, sowie das 2006 eröffnete Center „Das Schloss“ am U- und S-Bahnhof Rathaus Steglitz, in dem Kunden durch ein recht ansehnliches Ambiente mit Marmorböden, Samtsesseln und Messinggeländern wandeln.
Das 1970 eröffnete Forum Steglitz sowie das im Vergleich auch schon historische Schloss-Straßen-Center (SSC) am Walter-Schreiber-Platz sind dabei weniger innenarchitektonischen Hingucker. Sie wurden nach der Jahrtausendwende mehrfach neu- und umgebaut und decken mit dem Angebot inzwischen eher den täglichen Bedarf, anstatt das Bedürfnis für ein passendes Outfit für einen besonderen Abend.
So heißt der Ankermieter im Forum Steglitz derzeit Edeka. Die Supermarkt-Kette macht bei ihrer „Number-One“-Filiale, die sich über die gesamte erste Etage zieht, allerdings ein bisschen auf KaDeWe und hat mehrere Frischetheken zum genüsslichen Verweilen eingerichtet. Zwischen Fischwerker und Käsemarkt werden regelmäßig Whiskey-Tastings oder „Mediterrane Abende“ zelebriert.
Einkaufsmeile mit vielen Bistros
Überhaupt ist die „Schlosse“, wie manch ein gebürtiger Berliner die rund 1,5 Kilometer lange Einkaufsmeile nennt, mit zahlreichen Imbissen und Bistros gespickt. Die Auswahl ist dabei durchaus auch abwechslungsreicher als am Kudamm und nicht ganz so teuer. Man kann sich zwar auch hier für ein paar kleine Köstlichkeiten bei Butter Lindner oder Leysieffer verschulden. Aber genauso ist es an fast jeder Ecke möglich, in oder außerhalb der Passagen einfach nur Minipizza und Eis zu essen, sich beim Fleischer an der Theke eine frische Boulette auf die Hand geben lassen und auf dem Gehweg unter großen Schirmen ein schnelles Bier zu trinken.

Das Einkaufszentrum „Das Schloß“ in Berlin beherbergt rund 80 Geschäfte.
Maria NeuendorffEinheimische raten zum Snack an der Imbissbude „Zur Bratpfanne“. Denn der seit 1949 existierende Stand an der Ecke Kieler Straße hat trotz stadtweiter Konkurrenz den Ruf, eine der besten Currywürste der Stadt inklusive selbstgemachter Soße zu verkaufen, nie eingebüßt.
Hausgemachtes Gebäck im Jugendstil-Café
Und so herrscht während der normalen Öffnungszeiten von 10 und 20 Uhr auch bei durchwachsenem Wetter auf der Schloßstraße meist geschäftiger Trubel, und das auch ohne die sonst andernorts üblichen Touristen. Es sind eher die Damen aus dem Kiez, die sich zum Plausch bei Nordsee treffen und den Alaska-Seelachs mit einem Pils hinunterspülen.
Ein Geheimtipp für die Einkehr ist das Café Baier an der Schloßstraße 26. Nur eine unscheinbare schmale Treppe führt in die erste Etage des Lokals mit Jugendstil-Ornamenten aus der „Belle Epoque“, das Kenner nicht nur für seine Gemütlichkeit, sondern unter anderem für seine hausgemachten Buchteln, gefüllte süße Hefebrötchen, lieben.

Das Café Baier an der Schloßstraße 26 ist ein stilvoller Ort zur Einkehr und Erholung während einer Shoppingtour durch Berlin-Steglitz.
Maria Neuendorff„Dieser Augenblick jetzt, da wir hier in stilvoller Einrichtung bei Frühstück, Mittagessen oder Kaffeepause innehalten, lässt die Geschäftigkeit der Schlossstraße vergessen“, wirbt die 59-jährige Inhaberin Annette Baier, die in der Nähe von Dresden geboren ist, gemeinsam mit ihren Konditor-Meistern auf ihrer Webseite.
In den Einkaufscentern selbst herrscht allerdings auch wochentags nach Feierabend nicht gerade Gedränge. Auch nach 18 Uhr finden sich noch freie Umkleidekabinen. Das ist zwar entspannend für die Kunden, aber scheinbar schlecht für das Geschäft. Die irische Ramsch-Kette Primark, die 2012 noch unter Protesten ihre erste Berliner Filiale im Schloss-Center am Walter-Schreiber-Platz eröffnete, ist im Frühjahr 2023 ausgezogen. Auch das Ladengeschäft des nachhaltigen Second-Hand-Anbieters „Change Vintage“ steht inzwischen wieder leer.
Zu entdecken gibt es trotzdem genug auf der Geschäftsstraße, die ihren durch Krisen erzwungenen Wandel immer wieder mit Courage nimmt und sich hier und da neu erfindet, ohne sich wirklich zu verbiegen. Der „Bierpinsel“ am U-Bahnhof Schlossstraße, architektonische Popup-Ikone aus den 1970er Jahren, wurde von Streetart Künstlern schwarzbunt angepinselt und soll nach der Kernsanierung mithilfe einer Bar auf dem eingeglasten Dach wieder öffentlich zugänglich gemacht werden.
Auch der Laden „Werken, Spielen, Schenken“, etwas versteckt unter der Autobahnüberführung gelegen, kann auf eine über 50 Jahre alte Tradition in Steglitz zurückblicken. Auf 2500 Quadratmetern verkauft das Familienunternehmen Spielzeug, Puppenhäuser und Modelleisenbahnen. Alleine die Bastelabteilung erstreckt sich über zwei Etagen und hat auch Kurzwaren und Nähzubehör wie verschiedenste Knöpfe und besondere Wolle im Sortiment.
Kleidung ab vier Euro
Bei New Yorker in der „Schloß“-Mall lohnt sich das Selbernähen, Umändern und Ausbessern nicht mehr. Hier werden Oberteile und kurze Hosen schon ab drei Euro angeboten. Im Untergeschoss des Einkaufscenters kann man aber auch im „Haus der guten Taten“ mit gutem Gewissen einkaufen.
Die Überraschungstüten des Geschenke-Shops wurden von Mitarbeitern einer Behindertenwerkstatt gefüllt. Wer Schafs-Seife aus fairem Handel oder Wohlfühlschuhe aus der Schweiz kauft, unterstützt damit soziale Projekte. „Die Erlöse fließen zum Beispiel in ein Projekt in Spandau, bei dem Schüler bildungsschwachen Haushalten Nachhilfe und Freizeitangebote erhalten“, erklärt die Verkäuferin.

Im „Haus der guten Taten" im Einkaufscenter „Das Schloß" am S- und U-Bahnhof Rathaus Steglitz in Berlin gibt es Geschenkartikel. Die Erlöse fließen in soziale Projekte.
Maria NeuendorffDer Lotto-Laden gleich gegenüber beherbergt noch eine der auch in Berlin langsam aussterbenden Theaterkassen. Generell lohnt es sich, den Einkaufsbummel gleich mit einem Kulturprogramm zu verbinden. Schräg gegenüber vom „Schloß“ steht nämlich die Schwartzsche Villa. In dem eigentlichen eher beigen Baudenkmal von 1896, das vom Steglitzer Kulturamt betrieben wird, werden zeitgenössische Ausstellungen gezeigt. Dazu gibt es regelmäßig verschiedene Kinder- und Puppentheater.
Eine kulturelle Pause von der Schnäppchen-Jagd könnten Familien aber auch in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in der dritten Etage des Einkaufscenters einlegen, in der es nicht nur spannende Kinder- und Jugendliteratur, sondern auch regelmäßig kostenlose Lesungen und eine Terrasse mit Wlan-Zugang gibt. Seine Einkäufe kann man bei Bedarf derweil in kostenlosen Schließfächern im zweiten Untergeschoss deponieren.
Nur wenige Schritte weiter, am südlichen Ende der Schloßstraße ragt dann zudem das Schloßparktheater auf. In der ebenfalls ansehnlichen Villa aus dem frühen 19. Jahrhundert zeigt Dieter Hallervorden seit 2008 gehobenes Boulevardtheater mit bekannten Schauspielern.
Anfahrt zur Schloßstraße
Die U-Bahn Linie U9 hält an den Stationen Walther-Schreiber-Platz, Schloßstraße sowie am Rathaus Steglitz, wo sich zudem die gleichnamige S-Bahn-Station befindet. Auch die Busse M48, M85, 186 und 282 passieren die Schloßstraße. Autofahrer finden Parkhäuser im Forum Steglitz, im Boulevard Berlin oder im Schloss.





