Einkaufen in Polen
: Unkrautvernichter Glyphosat – darum kann der Kauf teuer werden

Trotz Beschränkungen greifen Menschen beim Shopping zu Unkrautvernichtern aus Polen. Die Risiken von Glyphosat sowie hohe Bußgelder an der Grenze werden oft unterschätzt.
Von
Karl Baptist
Frankfurt
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Wie schädlich ist Glyphosat?

Unkrautvernichter mit Glyphosat: Wie gefährlich ist dieser Stoff für Käufer aus Brandenburg und Sachsen?

Patrick Pleul/picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
  • Gartenfreunde aus Brandenburg und Sachsen kaufen Unkrautvernichter in Polen, oft mit Glyphosat.
  • Glyphosat ist umstritten; es kann Bienen und Hummeln schädigen und das Ökosystem beeinträchtigen.
  • Einfuhr nach Deutschland verboten; hohe Bußgelder drohen bei Grenzkontrollen.
  • Fälschungen in Polen sind gefährlich; Kampagnen warnen vor Risiken.
  • Umweltrisiken und rechtliche Folgen des Glyphosat-Einsatzes nicht unterschätzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit den warmen Tagen beginnt auch für viele Menschen in Brandenburg und Sachsen die Gartensaison erst so richtig. Es wird gemäht, gesät und Unkraut gejätet. Genau das ist für die meisten der lästige Teil. Stundenlanges Zupfen und Schneiden ist oft umsonst, denn das Grün sprießt an unerwünschten Stellen innerhalb kurzer Zeit wieder und die Arbeit beginnt von vorne. Einige Hobbygärtner greifen darum zu Unkrautvernichtern. Manche Gartenfreunde kaufen diese in Polen. Egal, ob im heimischen Markt oder im Ausland: Meist enthalten diese Mittel den Inhaltsstoff Glyphosat. Ist das gefährlich? Und darf man Unkrautvernichter in Polen kaufen und mit nach Deutschland bringen?

Glyphosat wird in vielen Ländern als Unkraut-Ex eingesetzt. Er gilt als besonders effektiv, da es nahezu alle Pflanzenarten zuverlässig abtötet. In Deutschland sind Kauf und Verwendung solcher Mittel für Privatpersonen eingeschränkt. Grund dafür sind unter anderem Bedenken hinsichtlich der Umweltrisiken. Es „sollen Gefahren durch Pflanzenschutzmittel für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie für den Naturhaushalt abgewendet werden“, erklärt Kai-Uwe Socha vom Brandenburgischen Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF).

Gefahren durch Glyphosat für die Natur

Wie schädlich ist Glyphosat tatsächlich für Menschen und Natur? Die kurze Antwort: Es ist nicht ganz klar. Die Wissenschaft kommt bei dieser Frage zu keinem einheitlichen Ergebnis. Verschiedene Studien ergeben unterschiedliche Erkenntnisse. Eine mögliche Gefahr für die menschliche Gesundheit kann aber nicht ausgeschlossen werden, berichtet Professor Fabian Commichau von der Universität Hohenheim. Er befasst sich mit Glyphosat und dessen Auswirkungen.

Was Commichau durch seine Forschung als bestätigt sieht, ist der Einfluss von Glyphosat auf Bakterien, die in einigen Insekten vorkommen. „Das Wachstum der Bakterien wird gehemmt und sie verändern sich sogar“, sagt der Wissenschaftler. Betroffen sind unter anderem Bienen und Hummeln, die für die Bestäubung und somit das Wachstum von Pflanzen essenziell sind. „Das Glyphosat wird durch die Insekten aufgenommen und gelangt dann in ihren Darm. Dort befinden sich viele Bakterien mit positiven Eigenschaften“, so der Professor. Werden diese Bakterien gehemmt, kann es Auswirkungen auf die Fitness der kleinen Tiere haben. So können sie dann zum Beispiel weniger Pflanzen bestäuben oder ihre Reproduktivität ist eingeschränkt. Das kann sich wiederum negativ auf das gesamte Ökosystem auswirken.

Glyphosat – die Einfuhr aus Polen ist verboten

Auch in polnischen Baumärkten lassen sich Unkrautvernichter finden und kaufen. Das vermittelt den Kunden ein Gefühl der Sicherheit. Denn was dort offiziell verkauft wird, muss doch auch in Deutschland erlaubt sein, oder? Diese Annahme kann allerdings an der Grenze Konsequenzen haben. „Wenn Pflanzenschutzmittel nach Deutschland eingeführt werden, müssen sie in Deutschland auch zugelassen sein und deutsch gekennzeichnet sein. Deshalb trifft das Verbot der Einfuhr und der Verwendung auf alle polnische Pflanzenschutzmittel zu, auch wenn diese in Polen oder einem anderen EU-Mitgliedsstaat ordnungsgemäß zugelassen sind“, so Socha.

Beim Einkauf in Polen sollte also nicht nur aus umwelttechnischen Gründen auf den Kauf solcher Mittel verzichtet werden. Denn wer Unkrautvernichter über die Grenze nach Deutschland bringt, muss mit hohen Kosten rechnen. „Die festgestellten polnischen Pflanzenschutzmittel müssen mit schriftlicher Anordnung binnen drei Monaten bei einem Entsorgungsunternehmen oder Schadstoffmobil abgegeben werden und dies der Pflanzenschutzbehörde mitgeteilt werden. Darüber hinaus muss mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Bußgeld gerechnet werden“, erläutert der Sprecher des LELF. Denn wer mit einem solchen Mittel an der Grenze erwischt wird, erhält noch vor Ort die Anweisung, es ordnungsgemäß zu entsorgen.

Den entsprechenden Bußgeldbescheid bekomme „der Täter“ später per Post, nachdem er nachgewiesen hat, den unerlaubten Unkrautvernichter zur Entsorgung abgegeben zu haben, heißt es aus der Behörde. Zur Höhe des Buß- oder Verwarngeldes hält sich das Landesamt bedeckt. Dafür seien auch die Menge des eingeführten Mittels und die Einsicht des Ertappten entscheidend.

Unkrautvernichter können Fälschungen sein

Abseits der üblichen Geschäfte lassen sich in Polen auch dubiose Unkrautvernichter finden. „Nach unseren Feststellungen werden auf Märkten aber auch gefälschte Pflanzenschutzmittel verkauft, die auch in Polen keine Zulassung haben und deren Verwendung unter Umständen nicht abschätzbare Gefahren mit sich bringen kann“, so Socha. Auch die polnische Kampagne „Bezpieczna Uprawa” des Polnischen Pflanzenschutzverbandes (PSOR) warnt auf ihrer Website vor gefälschten Pflanzenschutzmitteln.

Dort stehen Tipps, wie sich Fälschungen von echten Produkten unterscheiden lassen. Bei Pflanzenschutzmitteln, die ohne Quittung oder ordnungsgemäße Beschriftung verkauft werden, kann es sich um Fälschungen handeln. Es seien auch Mittel mit gefälschten Etiketten im Umlauf, die dem Originalprodukt ähnlich sehen. Die meist nicht getestete Zusammensetzung könne mitunter giftige Stoffe enthalten, mahnt die Kampagne auf ihrer Seite.