Essen in Berlin-Spandau
: Roboter statt Kellner – wo der Restaurantbesuch zum Event wird

Ein Restaurant in Berlin-Spandau setzt auf Servier-Roboter. Eine futuristische Wende in der Gastronomie, die Besucher anlockt. Welche Hürden es dennoch gibt.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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bellabot Servier Roboter All Seasons

Im Restaurant „All Seasons“ in Berlin-Spandau werden die Kellnerinnen und Kellner von drei Robotern unterstützt. Neben dem Servieren kann der Roboter auch Ständchen singen, zum Beispiel zu Geburtstagen.

Jessica Neumayer

Wer außer Haus essen geht, erwartet oft nicht nur lecker bekocht zu werden. In vielen Restaurants wird daher auch Entertainment geboten – etwas Besonderes, das es in der heimischen Küche nicht gibt. Neben einem ansprechenden Ambiente kann auch die Art der Bedienung für Abwechslung sorgen. Ein Restaurant in Spandau setzt dafür auf Roboter.

Schon beim Betreten des alten Fabrikgebäudes mit den roten Backsteinen wird deutlich, dass sich hinter den großen Türen eine andere Kultur verbirgt. Rote Lampions, ein echtes Drachenboot, ein geschnitzter Holzpavillon mit Thron und eindrucksvolle Wasserspiele erwarten die Besucher.

„All Seasons“ in Berlin-Spandau: Essen an historischen Mauern

Vor sieben Jahren wurde das Gebäude der ehemaligen Wellpapierfabrik Am Juliusturm 53 zu einem Restaurant umgebaut. Seitdem befindet sich das asiatische Erlebnisrestaurant „All Seasons“ zwischen den denkmalgeschützten Wänden gegenüber der Zitadelle. Die Fassade ist die alte. Im Inneren der ehemaligen Halle befinden sich nun Bereiche für private Feiern, Teezeremonien und verschiedene Separees. Nur der Blick zur Decke erinnert noch an die ehemalige Fabrik.

All Seasons

Das asiatische Restaurant „All Seasons“ wurde in einer ehemaligen Wellpapierfabrik gebaut. Die denkmalgeschützte Fassade ist erhalten geblieben. Im Inneren erinnert nur noch die Decke an die alte Fabrik.

Jessica Neumayer

Das Restaurant biete neben einem All-You-Can-Eat-Buffet auch eine tägliche Eventküche. Das Serviceteam hat eine ganz besondere Unterstützung. 2022, kurz nach der Aufhebung der durch die Corona-Pandemie bedingten Schließzeiten für die Gastronomie, hat Restaurantleiter Herr Andenn drei Bellabot Roboter der Roboterly GmbH angeschafft. Es sei einfach nicht möglich gewesen, genug Fachpersonal einzustellen, begründet er seine Entscheidung. Die Idee hat er aus China mitgebracht.

„All Seasons“ in Berlin-Spandau punktet mit Service-Roboter

Dass die 1,30 Meter großen sprechenden und singenden Roboter, mit zwinkerndem Katzengesicht, dann solche Besucherlieblinge werden, hätte er selbst nicht gedacht. „Bei uns reservieren Besucher, die explizit sagen, dass sie an einen Tisch möchten, an dem ein Roboter serviert“, erzählt der Restaurantleiter.

Nach vier bis fünf Stunden sind die Service-Roboter aufgeladen. Dann können sie einen gesamten Abend bedienen, sagt Andenn. „Die Roboter sind eine enorme Entlastung für uns.“ Sie nehmen jedoch nicht alles ab. „Sie können zum Beispiel den Tisch nicht abräumen“.

Essen in Berlin-Spandau: Service-Roboter können sogar singen

Eine weitere Grenze für die mechanischen Angestellten sei, dass sie nicht an jedem Tisch servieren können. Es gibt Wege, die abgefahren werden und bei Bedarf umprogrammiert werden können, sagt Andenn. Das übernehme für das „All Seasons“ eine externe Firma.

Bellabots Servier-Hilfe All Seasons

Diese drei Bellabots servieren seit 2022 im asiatischen Erlebnisrestaurant „All Seasons“ in Berlin-Spandau. Nach fünf Stunden Ladezeit können sie einen gesamten Abend bedienen.

Jessica Neumayer

Um auf dem richtigen Weg zu bleiben, sind im Restaurant Sensoren verbaut. Doch es gibt auch Tabuzonen. „Dort, wo wir die Tische oft umstellen, fahren die Roboter nicht hin.“ So zum Beispiel im Familienbereich neben der Spielecke und dem Kinoraum. Zum Bedauern der kleinen Gäste. „Kinder reden, singen oder tanzen gerne mit den Robotern“, sagt Andenn. Besonders beliebt seien die Ständchen zu Geburtstagen.

Essen in Berlin-Spandau: Getränkebestellungen bei Menschen

Auch bei Getränkebestellungen lässt der Restaurantbesitzer lieber seine menschlichen Kollegen und Kolleginnen ran. „Wir planen demnächst noch ein bis zwei weitere Roboter zu kaufen“. Diese hätten dann nicht nur Platz, um vier Gerichte auf einmal zu servieren, sondern auch Vorrichtungen, um Gläser sicher zu transportieren.

Die Investition eines gut ausgestatteten Kleinwagens pro Roboter hat sich schon rentiert, sagt Andenn. „Die Roboter werden nie krank, ich muss keine Steuern oder Sozialabgaben zahlen und sie gründen auch keine Gewerkschaft“, führt er Pluspunkte aus der Sicht des Geschäftsmannes auf. Die Kosten für die Wartungsarbeiten seien im Vergleich viel niedriger. Dazu komme, dass die Roboter sogar Kundschaft anlocken.

Essen in Berlin-Spandau: Roboter können Hindernisse umfahren

Wenn ein Hund oder ein Mensch in seinen Weg tritt, kann der Bellabot die Hindernisse alleine umfahren und bittet höflich um Vorsicht. Bei größeren Hindernissen, wie beispielsweise heruntergefallenen Gläsern, greife sofort ein Stopp-Mechanismus mit Signal. Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass die Roboter mit genügend Abstand losgeschickt werden, um sich nicht gegenseitig in die Quere zu kommen. Probleme habe es damit bisher jedoch nie gegeben, sagt Andenn.

An seine Grenzen stoße der Roboter letztendlich, wenn er auf Stufen trifft. „Es wäre auch toll, wenn sie etwas schneller fahren könnten“, so der Geschäftsmann lächelnd.

Negative Rückmeldungen, dass die Roboter Jobs wegnehmen, haben den Restaurantleiter bisher nicht erreicht. „Die Besucher sind eher fasziniert und amüsiert.“  Die Bellabot dienen zudem lediglich als Ergänzung.

Guten Appetit, Brandenburg!
Jeden zweiten Donnerstag um 16.00 Uhr
Von der Lausitz bis ins Oderbruch, vom Havelland bis in die Uckermark - Brandenburg ist keineswegs die kulinarische Wüste, als die das Land oft geschmäht wird.